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Klinikum Ernst von Bergmann

kommunales Krankenhaus in der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Klinikum Ernst von Bergmann ist ein kommunales Krankenhaus in der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam. Es wird in der Form einer gemeinnützigen GmbH betrieben und ist, der Bettenzahl zufolge, nach dem Carl-Thiem-Klinikum Cottbus das zweitgrößte Schwerpunktkrankenhaus im Land Brandenburg. Das Krankenhaus hat etwa 1100 Betten und ist akademisches Lehrkrankenhaus der HMU Health and Medical University.

Schnelle Fakten Ort, Bundesland ...
Klinikum Ernst von Bergmann
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Ort Potsdam
Bundesland Brandenburg
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 24′ 2″ N, 13° 3′ 53″ O
Leitung Tomislav Gmajnic (Sprecher), Karin Hochbaum
Versorgungsstufe Schwerpunktversorgung
Betten 1.070 (vollstationär)
.0123 (teilstationär)
Vierter Krankenhausplan[1]
Ärzte ~570[2]
Gründung 1756
Website www.evb-gesundheit.de
Lage
Klinikum Ernst von Bergmann (Brandenburg)
Klinikum Ernst von Bergmann (Brandenburg)
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Pro Jahr werden im Klinikum etwa 2.000 Kinder geboren, 48.000 Menschen in der Notaufnahme erstversorgt und 39.500 Patienten stationär behandelt (Angaben mit Stand Juli 2019).[3]

Geschichte des Klinikums

Das Krankenhaus ist aus den ehemaligen Städtischen Krankenanstalten Potsdams, die auf über sechzig Standorte verteilt waren, hervorgegangen. Bereits 1756 entstand auf dem heutigen Gelände das Pestkrankenhaus der Stadt Potsdam.[4] Das Haus wurde in seiner Außenansicht weitestgehend erhalten und dient bis heute – zwischenzeitlich mehrfach modernisiert – der Patientenversorgung. Im Jahr 1899 wurde die erste Blinddarmoperation in Potsdam durch den damaligen Gastarzt Geheimrat Ernst von Bergmann (1836–1907) durchgeführt.[5] Der Chirurg Bergmann wurde später als Namensgeber für das Klinikum gewählt.

Lange Zeit umfasste die Klinik die Fachbereiche Chirurgie und Innere Medizin. Im Jahr 1920 führte der Potsdamer Magistrat einen Architektenwettbewerb durch, um Entwürfe für Erweiterungsbauten des damaligen Krankenhauses zu erlangen.[6]

Durch alliierte Bombenangriffe während des Zweiten Weltkrieges, vor allem beim Luftangriff auf Potsdam in der Nacht vom 14. zum 15. April 1945,[7] wurden große Teile des Klinikums zerstört. Nach 1945 begannen umfangreiche Baumaßnahmen, um zerstörte Gebäude wieder aufzubauen und neue Gebäude hinzuzufügen. So entstand eine gynäkologische Klinik und eine Pathologie wurde eingerichtet.

Ende der 1960er Jahre wurde im damaligen Bezirkskrankenhaus des Bezirkes Potsdam eine Aufgliederung in über 20 Fachabteilungen vorgenommen, die im Wesentlichen der heutigen Struktur entspricht. 1983 wurde für die Einrichtungen des Klinikums ein neuer Funktionsbau entlang der östlichen Charlottenstraße in Betrieb genommen. Dieser umfasst im gegenwärtigen Ausbau (2026) drei miteinander verbundene neungeschossige Bettenhochhäuser und einen langgestreckten Kliniktrakt. Somit konnten unter anderem die Augenklinik, die Hals-Nasen-Ohren-Abteilung, die Urologie, die Neonatologie und die Frauenklinik in den Standort integriert werden. Ebenso wurde die Klinik für innere Erkrankungen in Fachabteilungen wie Nephrologie, Gastroenterologie, Endokrinologie, Hämatologie, Onkologie und Kardiologie aufgegliedert.

Als neue Disziplin wurde im Oktober 1992 die Abteilung Psychiatrie eröffnet, die im November 1996 einen Neubau am Außenstandort Potsdam-Babelsberg beziehen konnte. Neben der Psychiatrie und der Tagesklinik für Psychiatrie befinden sich dort die Infektionsabteilung und die Tollwutberatungsstelle aus dem aufgelösten früheren Standort Hermannswerder.

1997 wurde die Chirurgische Klinik durch die Neugliederung in „Allgemein- und Viszeralchirurgie, Unfall- und Wiederherstellende Chirurgie und Gefäß- und Thoraxchirurgie“ in ihrem Leistungsangebot wesentlich erweitert. Die Neurologie konnte als neue Abteilung im September 1997 ihren Betrieb aufnehmen. Nach weiteren Umstrukturierungen ist das Klinikum mit zwei Neubauten erweitert worden.

Das neue Funktions–OP-Zentrum wurde am 16. November 2007 in Betrieb genommen. Es sind die operative Intensivstation, die konservative Intensivstation sowie neue Operationssäle, das Endoskopiezentrum und eine wesentlich erweiterte Notaufnahme mit Hubschrauberlandeplattform auf dem Dach eingezogen.

Am 12. Juli 2008 wurde der Neubau für das „Zentrum für Frauen- und Kinderheilkunde“ in Betrieb genommen. Dieses beherbergt die erste Kinder-Notaufnahme im Land Brandenburg. Mit diesem Neubau erhielt das Klinikum spezielle Räumlichkeiten für die Betreuung von Frauen, Säuglingen und Frühgeborenen. Neben den Kreißsälen und einer Bettenstation für Wöchnerinnen und Neugeborene entstand eine Kinderintensivstation und Neonatologie sowie eine neue Bettenstation für die Gynäkologie/Brustzentrum.

Seit 2019 ist im Klinikum das „CF-Zentrum Potsdam“ zur Behandlung der Mukoviszidose von Kindern und Erwachsenen angesiedelt, das aus der seit Jahrzehnten in Potsdam betriebenen Mukoviszidoseambulanz hervorging.

Zum Beginn der weltweiten COVID-19-Pandemie steckten sich mehr als 100 der 2300 Beschäftigten mit dem Virus an, sodass das Klinikum 2020 in den Blick der Medien geriet.[8] Auch Patienten wurden in größerer Zahl angesteckt,[9][10] 47 Patienten sind in der Klinik an COVID-19 verstorben, nur drei von ihnen waren ursprünglich als COVID-19-Fall eingeliefert worden.[11]

Im Mai 2020 setzte die Stadt Potsdam eine Expertenkommission ein, die den COVID-19-Ausbruch genauer untersuchen sollte.[12]

Zum 1. Januar 2021 wurden Hans-Ulrich Schmidt und Tim Steckel, die nach der Beurlaubung der bisherigen Geschäftsführung im April 2020 zunächst interimistisch die Leitung des Klinikums übernommen hatten, als Geschäftsführer bestätigt.[13] Am 19. Januar 2021 wurde der Abschlussbericht der Expertenkommission veröffentlicht.[14] Im Untersuchungsbericht wurden insbesondere eine zu starke Konzentration auf ökonomische Belange, Defizite in der Führungs- und Organisationsstruktur, der fehlende Stellenwert und die unzureichende Ausstattung der Krankenhaushygiene, die gewachsene bauliche Struktur, aber auch Aufsichtsdefizite auf Seiten des Gesundheitsamte und des Aufsichtsrats kritisiert.[15] Tim Steckel verließ das Unternehmen am 1. Juli 2022 zum Helios Klinikum Berlin-Buch.[16]

In einer Klausurtagung zwischen Aufsichtsrat, Geschäftsführung, Chefärzten und Pflegeleitungen wurden nach Vorlage des Abschlussberichts erste mittel- und langfristige Entwicklungsziele und Strategien für das Klinikum diskutiert.[17]

Von 2021 bis 2026 war der Spitzenkoch Peter Frühsammer Leiter der Krankenhauskantine am Außenstandort Bad Belzig. 2026 gab dieser die Übergabe an Ehefrau Sonja Frühsammer bekannt.[18][19]

Zentren, Kliniken und Institute

Am Klinikum Ernst von Bergmann sind folgende Kliniken auf übergeordnete Zentren aufgeteilt.

  • Zentrum für Chirurgie
Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie
Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Orthopädie
Klinik für Neurochirurgie
Klinik für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Mikrochirurgie, Handchirurgie
Klinik für Urologie
  • Zentrum für Frauen- und Kinderheilkunde
Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe
Brustzentrum Regine Hildebrandt
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Sozialpädiatrisches Zentrum


Klinik für Hämatologie und Onkologie
Klinik für Nuklearmedizinische Diagnostik und Therapie
Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie, Brachytherapie
  • Herz-Thorax-Gefäßzentrum
Klinik für Kardiologie, Angiologie und Konservative Intensivtherapie, Zentrale Notaufnahme
Klinik für Gefäß- und Thoraxchirurgie
Lungenzentrum
  • Zentrum für Innere Medizin
Klinik für Gastroenterologie und Infektiologie
Klinik für Nephrologie und Endokrinologie


  • Kopf- und Hautzentrum
Klinik für Augenheilkunde
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie
  • Neurozentrum
Klinik für Neurologie
Klinik für Neurochirurgie
Interventionelle und Diagnostische Radiologie
Pathologie
Zentrallabor
  • Zentrum für Prävention

Darüber hinaus gibt es die Apotheke, eine Tumornachsorgeleitstelle und eine Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung.

Ausbildung/Lehre

Seit August 1992 wird die staatlich anerkannte Schule für Gesundheitsberufe durch das Klinikum Ernst von Bergmann geführt. An ihr ist die Ausbildung in Berufen der Kranken- und Kinderkrankenpflege und Medizinisch-technischen Radiologie- sowie Medizinisch-technischen Laborassistenz mit insgesamt 420 Ausbildungsplätzen im Krankenhausplan des Landes Brandenburg möglich. Ebenso ist das Klinikum ein akademisches Lehrkrankenhaus der Charité und der HMU Health and Medical University.[20]

Notärztliche Versorgung

Auf der Feuer- und Rettungswache Potsdam stehen zwei Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) zur Verfügung, ein weiteres auf der Feuer- und Rettungswache Babelsberg. Die Fahrzeuge werden direkt von Ärzten aus dem Klinikum besetzt, wobei sich ein Notarzt auf der Wache Babelsberg aufhält, die anderen beiden jedoch im Einsatzfall am Krankenhaus abgeholt werden.

Tochtergesellschaften

Das Klinikum Ernst von Bergmann gGmbH unterhält folgende Tochtergesellschaften

  • Poliklinik Ernst von Bergmann GmbH
  • Senioreneinrichtung Ernst von Bergmann Care gGmbH
  • Cateringgesellschaft am Klinikum Ernst von Bergmann GmbH
  • Servicegesellschaft am Klinikum Ernst von Bergmann GmbH

Beteiligungen

Im Mai 2013 übernahm die Klinikum Ernst von Bergmann Potsdam gGmbH die Mehrheit an der Klinik Ernst von Bergmann Bad Belzig, dem ehemaligen Kreiskrankenhaus von Bad Belzig. 25,1 % der Anteile hält der Landkreis Potsdam-Mittelmark.[21]

Einzelnachweise

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