Kloster Øm
untergegangene Zisterzienserabtei in Dänemark
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Das Kloster Øm (cara insula, kære ø (= liebe Insel)) (dän.: Øm Kloster) war eine Zisterzienserabtei am Mossø, etwa 4 km südöstlich der Ortschaft Gammel Rye in der dänischen Kommune Skanderborg, Region Mitteljütland. Das Kloster wurde 1172 gegründet und die Kirche 1257 geweiht. Die meisten Klostergebäude wurden erst Mitte des 15. Jahrhunderts fertiggestellt. Nach Einführung der Reformation 1536 bestand im Kloster eine Schule, bis es 1560 aufgelöst und nach 1561 abgerissen wurde.
| Zisterzienserabtei Øm | |
|---|---|
| Lage | Region Mitteljütland |
| Koordinaten: | 56° 3′ 0″ N, 9° 44′ 50″ O |
| Ordnungsnummer nach Janauschek |
393 |
| Patrozinium | Maria |
| Gründungsjahr | 1172 |
| Jahr der Auflösung/ Aufhebung |
1560 |
| Mutterkloster | Kloster Vitskøl |
| Primarabtei | Kloster Clairvaux |
Kloster Øm gilt als eines der besterforschten und am vollständigsten erhaltenen ehemaligen Klöster in Dänemark. Seine Grundmauern sind erhalten und können besichtigt werden. Zudem haben sich zwei wichtige schriftliche Quellen erhalten: Die Exordium Caræ Insulæ genannte Chronik der ersten hundert Jahre der Klostergeschichte ist eine bedeutende Quelle, die sowohl die ausführlichste Schilderung der Umstände einer Zisterzienserklostergründung enthält als auch die Schilderung des Kampfes um den Erhalt klösterlicher Privilegien gegenüber königlicher und bischöflicher Macht im 13. Jahrhundert. Das 1554 kurz vor der endgültigen Auflösung des Klosters angefertigte Inventarium bietet einen seltenen Einblick in den Besitz von Klöstern.
Geschichte
Gründung
Im Jahr 1164 schenkte Bischof Eskil von Aarhus dem Abt Henrik des erst wenige Jahre zuvor am Limfjord gegründeten Zisterzienserkloster Vitskøl, eines Tochterklosters des Klosters Esrom aus der Filiation von Clairvaux, Land für eine eigene Tochtergründung in Sabro, damals Sahebroch, bei Aarhus. Dieser Grundbesitz wurde jedoch nicht als geeignet für die von den Zisterziensern betriebene Landwirtschaft befunden, weshalb der Bischof Flächen am Sminge See bei Silkeborg zur Verfügung stellte, die sich als ähnlich unbrauchbar erwiesen. Schon nach kurzer Zeit zogen die Mönche von dort weiter nach Veng, wo Erzbischof Eskil von Lund ihnen das um 1100 gegründete, aber fast verlassene Benediktinerkloster zuwies. Dort kam es zum Streit mit den bereits ansässigen Mönchen, die sich nicht der Zisterzienserregel anschließen wollten. Der erste Abt des neuen Klosters, ein gebürtiger Engländer namens Brian, reiste 1165/66 nach Sens an den päpstlichen Hof zu Alexander III., um die Erlaubnis zur Übernahme des Klosters Veng zu erwirken. Der Papst beauftragte König Waldemar I., dessen Thronanspruch er im selben Jahr erst anerkannt hatte, das Anliegen der Zisterzienser zu unterstützten. Allerdings gehörte eine großer Teil der Ländereien von Veng einer Verwandten des Königs, die in dem Kloster Benediktinernonnen ansiedeln wollte.[1] So mussten die Zisterzienser Veng wieder verlassen und ließen sich 1168 auf der ihnen vom König im Austausch für Veng zugeeigneten Insel Kalvø im Skanderborg-See nieder, fanden dort aber aufgrund der lokalen Bedingungen auch nicht die geeigneten Voraussetzungen für eine Klosteranlage.[2] Nach einem weiteren Umzug im Frühjahr 1172 gründeten die acht Jahre zuvor aus Vitskøl ausgezogenen Mönche endlich ihr neues Kloster Øm zwischen den Seen Gudensø und Mossø im Kirchspiel Gammel Rye. Dieses wurde von den Aarhuser Bischöfen, insbesondere vom 1165 ins Amt gelangten Svend, gefördert, der dem Kloster einen Teil seiner Eigengüter vermachte und seine letzten Lebensjahre in Øm verbrachte.[3] Im Jahr 1182 erfolgte die Anerkennung durch den Papst. Es war die 393. mittelalterliche Zisterzienserabtei.
Wahrscheinlich zum Transport des Baumaterials legten die Mönche von Øm schon im Jahr nach der Klostergründung den 1,2 km langen und acht Meter breiten Munkekanal mit Schleusenanlagen zwischen Emborg und Boes an. Ein zweiter, paralleler Kanal wurde etwas später angelegt.[4] Der Verlauf beider Kanäle ist bis heute im Terrain ablesbar.[5]
Die Bauzeit der Klosteranlage zog sich lange hin. Zunächst wurde eine einfache Kirche errichtet, in der der 1191 in Øm verstorbene Bischof Svend beigesetzt wurde. Von den vermutlich aus Holz oder Fachwerk bestehenden ersten Wohn- und Wirtschaftsgebäuden wurden bisher keine Spuren gefunden. Erst der zehnte Abt, Magnus, konnte 1234 in der noch unfertigen Klausur beigesetzt werden.[6] 1246 wurde der Grundstein für den Kapitelsaal gelegt. Im selben Jahr starb Bischof Peder Elavsøn (Elafsen) von Aarhus, der sich als Wohltäter der Abtei erwiesen und sich häufig dort aufgehalten hatte, und wurde vor dem Hauptaltar im Chor der noch nicht geweihten neuen Kirche beigesetzt.
Streit mit König und Bischof
Noch ehe die Klostergebäude fertiggestellt waren, erreichte der Bruderkrieg zwischen Erik IV. Plovpenning und Abel ab 1246 das Kloster, das überfallen und beraubt wurde.[7] Gleichzeitig änderte sich nach dem Tod von Bischof Peder Elavsøn auch das Verhältnis der Aarhuser Bischöfe zum Kloster. Als nach dreijähriger Vakanz Peter Ugotsen († 1260) 1249 zu Elavsøns Nachfolger gewählt wurde, begann er den Konvent sofort mit Forderungen zu überziehen, wie die Chronik ausführlich und zunehmend verbittert berichtet. Er verlangte von früheren Bischöfen, insbesondere von Svend und seinem direkten Vorgänger, überlassene Besitztümer, darunter wertvolle Bücher, zurück. Ein weiterer Streitpunkt war die Frage, ob die Bischöfe von Aarhus das Recht hätten, ihre Gäste im Kloster – und auf dessen Kosten – zu empfangen.
Die Weihe der noch unfertigen Klosterkirche fand 1257 statt. Dabei wurden die Reliquien aus der alten in die neue Kirche übertragen.[8]
Als dann 1259 König Christoph starb, angeblich von Arnfast, dem Abt des Rüdeklosters, ermordet, entzog seine Witwe, die für ihren minderjährigen Sohn Erik V. Klipping regierende Margarete Sambiria, den Zisterziensern die königliche Unterstützung. Ihr zweitägiger Aufenthalt in Øm 1260, bei dem die Mönche ihr über tausendköpfiges Gefolge verpflegen mussten, führte fast zum Ruin des Klosters.[9] Unterstützung erhielten die Mönche von Erzbischof Jakob Erlandsen von Lund, der allerdings seinerseits im Machtkampf mit der Königin stand. Er hatte Arnfast, der sich in dieser Zeit mehrmals im Kloster Øm aufhielt, 1260 ohne rechtmäßige Wahl gegen den von der Königin vorgezogenen Tyge (amt. 1260–1272) zum Bischof von Aarhus geweiht. Schließlich verlor Jakob Erlandsen den Machtkampf gegen König Erik V. und musste 1263 Dänemark verlassen.[2] Kloster Øm hatte sich bei seiner Weigerung, die von Bischof Tyge verlangten Abgaben und Rückerstattung der Stiftungsgüter seiner Vorgänger zu leisten, einseitig auf den Erzbischof verlassen und stand nun den von der Königin unterstützten bischöflichen Forderungen, denen dieser mit Gewalt Ausdruck verlieh, hilflos gegenüber. Selbst eine Gesandtschaft an Papst Urban IV. erwirkte nur ein päpstliches Schreiben gegen den Bischof, aber keinen greifbaren Erfolg.[10] Auch die Äbte der benachbarten Zisterzienserklöster Vitskøl, Esrom, Løgum, Tvis, Herrevad, Sorø und Rüde traten ohne großen Erfolg für Øm ein, während die dortigen Äbte in schneller Folge wechselten. Als die Klosterchronik 1267 endete, befand sich die Klostergemeinschaft in einer sehr verzweifelten Situation.[11]
Im selben Jahr 1267 wendete sich das Blatt: König Erik Klipping hatte im Jahr zuvor selbst die Regierung übernommen und suchte neue Unterstützer im Kampf gegen seinen Cousin Erik von Schleswig, der als Sohn von König Abel Anspruch auf Dänemark erhob. Obwohl der König 1266 wegen seiner Weigerung, den von seiner Mutter ins Exil gejagten Erzbischof Jakob zurückzurufen, vom Papst exkommuniziert worden war, stellten sich die Zisterzienser auf seine Seite, indem sie das gegen das gesamte Königreich Dänemark ausgesprochene Interdikt ignorierten und weiterhin Gottesdienste feierten und Sakramente erteilten. Zwar riskierten sie damit den Bruch mit dem Papst und dem Generalkapitel, erfreuten sich aber wieder königlicher Protektion, die auch erhalten blieb, als das Interdikt 1274 aufgehoben wurde.[12]
Spätere Zeit
In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich Kloster Øm zu einem der reichsten und bedeutendsten Klöster in Dänemark. Im Durchschnitt gehörten dem Konvent etwa 25 Mönche an.[8] Zum Klosterbesitz gehörte (Gammel) Rye mit der Sct.-Søren-Kirke, die wegen einer heilkräftigen Quelle seit dem Mittelalter ein beliebtes Wallfahrtsziel war[13] und damit Einnahmen für das Kloster generierte. Einträglich war insbesondere der dreimal jährlich dort stattfindende Markt.[14]
Trotz zunehmendem Wohlstand dauerte es bis Mitte des 15. Jahrhunderts, bis die um 1260 eingestellten Bauarbeiten an den Klostergebäuden wieder aufgenommen wurden.[15] Somit wurde erst zu dieser Zeit der vermutlich ursprüngliche Plan einer geschlossenen Klausur um einen aus Steinen errichteten Kreuzgang realisiert.[16]
1451 beauftragte es das Generalkapitel anstelle von Esrom und Sorø mit der Reform der skandinavischen Zisterzienserklöster.[17] Mitte des 15. Jahrhunderts erhielt es Unterstützung von Henrik Knudsen Gyldenstierne († 1456), dem Lehnsmann von Skanderborg Slot und Besitzer von Gut Boller. Unter seinem Schwiegersohn und Nachfolger Erik Ottesen Rosenkrantz (~1427–1503) wurde Øm in die Fehde der Familie Rosenkrantz gegen Bischof Jens Iversen Lange hineingezogen. Der Bischof exkommunizierte 1454 Erik Rosenkrantz, aber der Abt von Øm hob dies auf, indem er Rosenkrantz persönlich zur Kommunion am Hauptaltar geleitete. Der Bischof rächte sich und entzog dem Kloster eine ihm inkorporierte Kirche, musste diese aber auf Druck von König Christian I. 1458 zurückgeben.[18]
Auflösung
Am 4. Juli 1534 wurde Christian III. in der St.-Søren-Kirche in Ry zum König gewählt. Zwei Jahre später führte er 1536 die Reformation ein. Damit fielen die Ländereien der Klöster an die dänische Krone. Das Klosterland wurde verdienstvollen Adligen als Lehen vergeben. So erhielt Peder Skram Unterhalt von Øm und ließ sich dort auch zwischenzeitlich nieder. Auch die Klosterbediensteten, wie der Apotheker erhielten Teile des Landes.
In einigen Klöstern wie Øm durften die Mönche einen Teil der Gebäude weiter bewohnen, wenn sie Gebäude und Landbesitz für den König verwalteten. In den Klostergebäuden wurde nach königlicher Verordnung eine Lateinschule betrieben, die begabte, aber mittellose Jungen auf die Tätigkeit als lutherische Pastoren vorbereiten sollte. Abt Peder Sørensen nahm diese Aufgabe sehr ernst. Wie dem von ihm 1554 angefertigten Inventar zu entnehmen ist, erweiterte er zu dem Zweck die Klosterbibliothek, die 1554 350 Bücher umfasste, darunter auch etliche von Martin Luther.[19] Novizen durften dagegen nicht mehr aufgenommen werden, stattdessen mussten Mönche aus geschlossenen Klöstern untergebracht werden, etwa 1551 die verbliebenen Benediktiner vom Kloster Voer, das ebenfalls am Mossø lag. Zum Aufseher der verbliebenen Zisterzienserklöster Sorø, Esrum, Herrevad, Vitskøl und Øm wurde Abt Henrik von Sorø ernannt und nach dessen Tod 1539 Niels Jensen.[14]
König Christian III. und sein Sohn und Nachfolger Friedrich II. besuchten Øm mehrmals, um die Klostergebäude, nunmehr als Jagdschloss Emsborg bezeichnet, als Quartier für eine Jagd zu nutzen. Im April 1560 löste Friedrich II. die Klosterschule auf und entließ alle Lehrer, den Organist und sonstige Klosterbewohner mit mehr oder weniger großen Abfindungen. 24 arme Schüler nahm die Schule in Aarhus auf, der letzte Mönch wurde ins Kloster Sorø geschickt und als Letzter Jens Simonsen Ende Oktober 1560 zum lutherischen Pastor im ursprünglich dem Kloster inkorporierten Kirchspiel Rosmus auf Djursland ernannt. Den Martinstag und Weihnachten 1560 verbrachte Friedrich II. auf Schloss Emsburg. Doch schon im folgenden Jahr begann er mit dem Abriss der Gebäude und ließ das Material für ein neues Schloss in Skanderborg verwenden. Das Klosterland wurde der Verwaltung des Skanderborger Amtmanns Holger Rosenkrantz von Gut Boller unterstellt.[14]
Um 1580 war das Kloster verschwunden. Das Klostergelände wurde aufgeteilt und bebaut. Im 19. Jahrhundert war die Lage des Klosters vergessen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kaufte die Historische Gesellschaft des Stiftes Aarhus Grundstücke im Dorf Emborg auf, um das Gelände darunter archäologisch untersuchen zu können.[20]
Bauten und Anlage
Das Kloster lag zwischen den beiden den Mossø und den Gudensø verbindenden Kanälen.
Die Kirche hatte nach den Richtlinien der Zisterzienserarchitektur einen kreuzförmigen Grundriss. An den Chor mit geradem Abschluss und zwei schmalen Jochen, in dem sich das Grab des Bischofs Peder Elavsøn befindet, schlossen sich ein breites Querschiff mit je zwei östlichen Kapellen und einer zweijochigen westlichen Kapelle sowie ein kurzes, einschiffiges Langhaus an, so dass die Kirche die Form eines Griechischen Kreuzes mit vier gleich langen Armen hat.[21] Funde von Formziegel und Schlusssteinen sowie die Gestaltung der Pfeiler lassen vermuten, dass die Kirche zumindest teilweise eingewölbt war.[22]
Die Kirche wurde am Allerheiligentag 1257 geweiht, aber vermutlich nie ganz fertiggestellt.[18] Ob sie an derselben Stelle errichtet wurde wie die von der Chronik erwähnte erste Kirche, ist nicht sicher. Von der alten Kirche haben sich keine Spuren erhalten.[8]
Klausur und Kreuzgang befanden sich südlich von der Kirche. Im 13. Jahrhundert waren als Backsteingebäude mit Feldsteinfundament nur die Kirche, der neunjochige Kapitelsaal mit vier Säulen im an das südliche Querschiff anschließenden Ostflügel und das Dormitorium in dessen Obergeschoss fertiggestellt; die restlichen Gebäude wurden erst um die Mitte des 15. Jahrhunderts errichtet. Möglicherweise erst nach 1500 verband ein vollständiger Kreuzgang die Gebäude. Für die Zeit davor ist nur ein überdachter hölzerner Gang vor Ost- und Südflügel nachweisbar.[23] Insgesamt umfasst die ummauerte Klausur 120 m × 80 m.[15] Zum Kloster gehörten auch ein außerhalb der Klausur liegendes Hospital und ein Apothekergarten. Das Inventarium von 1554 belegt zudem, dass es einen größeren Apfelgarten gab und auch Hopfen für die Bierbrauerei angebaut wurde. Archäologische Funde ergaben, dass auch weitere Obstsorten wie Pflaumen und Kirschen sowie Nüsse angebaut wurden.[24]
Von der Anlage sind seit dem Abbruch 1561 nur Grundmauern erhalten, trotzdem handelt es sich um den vollständigsten Klostergrundriss, der in ganz Dänemark erhalten ist.[4] Vom ehemaligen Inventar ist nur eine 1490 von Abt Christian gestiftete Glocke in der Kirche von Hesselager erhalten. Alle übrigen Gegenstände, die Peder Sørensen 1554 in seinem Inventarium aufzählte, sind nicht mehr vorhanden.[19]
Chronik
Über die Gründung des Kloster und seine Geschichte bis 1267 berichtet die Exordium Monasterii Caræ Insulæ genannte Chronik. Der in der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen aufbewahrte Codex besteht aus 106 Seiten auf 53 beschriebenen Pergamentblättern in einem ledergebundenen, mit Bronze beschlagenen Holzeinband.
In ihrem ersten, 1207 in elegantem Latein und gleichmäßiger Handschrift niedergeschriebenen Teil dokumentiert die Chronik die Entstehungsgeschichte des Klosters. Es ist der ausführlichste Bericht, der über die Anfänge einer Zisterzienserabtei erhalten ist.[25] Hier wird besonders Bezug genommen auf die Rollen des Bischofs Svend als Förderer des jungen Konvents.[2] Der zweite Abschnitt enthält Kurzbiographien der nächsten Äbte. Sie sind von unterschiedlichen, weniger gebildeten Schreibern eingetragen. Chronologisch eingefügt in beiden Teilen sind Abschriften der zum jeweiligen Zeitpunkt erteilten Privilegien und Schenkungen. Eine Abschrift der vermutlich von einem Mönch aus Vitskøl verfassten Vita Gunneri episcopi Viburgensis, der Biographie des 1251 verstorbenen Bischofs Gunner von Viborg, der 1216 bis 1221 Abt in Øm war,[26] ist nachträglich eingebunden.[27]
Der dritte Abschnitt handelt von dem Konflikt mit dem Bistum in den 1250er und 1260er Jahren, enthält den Briefwechsel mit den in die Auseinandersetzung involvierten Personen, darunter den jeweiligen Königen, den Päpsten Alexander IV., Urban IV. und Clemens IV., und dem Schleswiger Bischof. Die Chronik endet 1267 ziemlich abrupt mitten im Wort. Der Rest der Seite ist abgeschnitten. Nur die Liste der Äbte ist bis 1320 fortgeführt, ist allerdings sehr knapp gehalten, da sie auf eine verlorene neue Chronik, cronica nostra et acta temporum, verweist.[2]
Die Provenienz der Chronik ist nicht gesichert. Im anlässlich der Auflösung des Klosters 1554 angefertigten Verzeichnis der Bücher der Klosterbibliothek ist sie nicht enthalten. 1731 überließ sie Graf Christian Rantzau der Königlichen Bibliothek.[2] Es liegt eine dänische Übersetzung aus dem Jahr 1932 von Jørgen Olrik vor.[28]
Äbte
Die Namen der ersten Äbte, ihre Lebensumstände und ungefähre Amtszeit werden nach Exordium Caræ Insulæ Kap. 36[29] aufgeführt:
- Brian, ein gebürtiger Engländer (1164–1172), wurde anschließend in andere Klöster entsandt und starb schließlich in Sorø.
- Ämilius, ein gebürtiger Deutscher (1172–1180)
- Vilhelm, aus der Normandie, stand im hohen Ansehen bei König Waldemar I. und war bereits Abt in Vitskøl gewesen (1180–1193)
- Brandan, der erste in Dänemark geborene Abt, war Prior in Øm gewesen und wurde nach seiner Amtszeit in Øm (1193–1197) Abt in Vitskøl, wo er bei der Niederschrift des ersten Teils der Chronik 1207 noch lebte.
- Nils (1197–1199)
- Thorkil (1199–1216) wurde 1215 vor das Generalkapitel zitiert, reiste aber nicht dorthin.[30] In seiner Amtszeit wurde der erste Teil der Chronik niedergeschrieben, die seine Klugheit preist.[2]
- Gunner (1216–1221) wurde 1222 Bischof von Viborg, trat hochbetagt 1245 von seinem Amt zurück und starb 1251.
- Jens (1221–1228)
- Nils II. (1228–1232) wurde zurück in die Mutterabtei Vitskøl berufen.
- Magnus (1232–1234) wurde als erster Abt im Kloster beigesetzt.
- Mikkel (1234–1246) pflegte ein gutes Verhältnis zu König Erik IV. und Bischof Peder Elavsøn. Er wurde im unfertigen Kapitelsaal begraben.
- Jens II. (1246–1249) amtierte während der Vakanz auf dem Aarhuser Bischofssitz. Unter ihm begannen die Probleme des Klosters im Bruderkrieg zwischen Abel und Erik IV. sowie die Auseinandersetzung mit dem späteren Bischof Peter Ugotsen.
- Oluf (1249–1255) hatte einen uneheliche Sohn namens Sven.[31]
- Asgot (1255–1260), vorher Cellerar in Vitskøl, stellte das Dormitorium fertig und weihte 1257 die neue Kirche; er wurde 1260 zum Abt in Vitskøl berufen und versuchte von dort aus schlichtend in die Auseinandersetzung des Klosters Øm mit der Königin einzugreifen.
- Jens III. Dover (1260–1262) resignierte wegen der großen Probleme im Zusammenhang mit der Neuwahl des Aarhuser Bischofs. Sein Beiname „Dover“ stammt von dem gleichnamigen Ort in der Nähe des Klosters.
- Bo (1262–1263) bat nach der Verbannung des Erzbischofs um Entbindung von seinem Amt.
- Ture (1263–1268) war vorher Abt in Vitskøl und Esrom. Er stand dem Konvent in der schwierigsten Zeit vor.
- Jens III. Dover (ab 1268; 2. und später 3. Amtszeit)
Von den folgenden Äbten bis 1320 sind nur die Namen bekannt. Sie amtierten jeweils nur kurz, oft nur ein oder zwei Jahre. Als letzten nennt die Chronik Niels Finsen, den früheren Cellerar von Esrom, der 1320 gewählt wurde.[32] Von den meisten Äbten des 14./15. Jahrhunderts sind meist nicht einmal die Namen bekannt.
Die letzten Äbte waren:
- Christian stiftete 1490 eine Kirchenglocke[19] und ließ einen Grabstein für Bischof Svend herstellen.[8]
- Søren (~1492–~1517) war 25 Jahre Abt.[14]
- Jep
- Søren II. ist letztmalig 1523 erwähnt. Er und sein Vorgänger waren zusammen acht Jahre im Amt.[14]
- Peder Sørensen (~1525–1554) war der letzte noch auf traditionelle Weise vom Konvent gewählte Abt. Bereits 1542 bewohnte er ein Steinhaus auf dem Klostergelände als Altersruhesitz. Dazu standen ihm ein Kaplan, ein Diener und die Versorgung mit Naturalien zu. Einen Nachfolger bekam er allerdings nicht, so dass ihm die Verwaltung der Güter und der Lateinschule bis fast zu seinem Lebensende 1554 oblag.[14] Kurz zuvor verfasste er ein Inventarium, das einen Einblick in den Besitz des Klosters bietet.[15] Er wurde in der Kirche beigesetzt. Sein Grabstein befindet sich in der Sct.-Søren-Kirke in Ry.[8]
- Jens Simonsen wurde 1553 vom König zunächst als Unterstützung für Peder zum Abt ernannt und wurde 1560 Pastor in Rosmus auf Djursland. Er starb am 6. Mai 1579, kurz nach einem Tausch auf die Pfarrstelle im Nachbarkirchspiel Lyngby bei Randers. Angeblich wurde er bei einem Tumult auf dem Kirchhof erschlagen.[33]
Besitz
Das Kloster besaß reichen Grundbesitz. Die erste Schenkung erfolgte durch Bischof Eskil von Aarhus 1164. In den nächsten 25 Jahren erhielt das Kloster mehr als hundert Besitztümer, zumeist Grundstücke oder ganze Bauernhöfe, deren Ernteerträge oder Teile davon ihm von adligen Grundbesitzern zugesprochen wurden als Gegenleistung für einen Begräbnisplatz in oder bei der Klosterkirche und für jährliche Seelmessen. Bekannte Stifter sind Mitglieder der ursprünglich holsteinischen Adelsfamilie Rostrup, die dem Kloster im Verlauf des 14. und 15. Jahrhunderts mehrere Ländereien übereigneten, sowie die Familie Rosenkrantz von Gut Boller. Bei der Auflösung des Klosters besaß es 242 Besitztümer, die meisten davon, darunter das gesamte Dorf Gammel Rye, im näheren Umkreis das Kloster selbst, aber auch in Lystrup bei Aarhus und auf Djursland. Mehrere Kirchspiele waren dem Kloster inkorporiert. Auch in den Städten Ålborg und Horsens besaß das Kloster Häuser.[14]
Archäologische Funde
In den Jahren 1910 bis 1941 führte der als Burgenforscher bekannte Architekt C. M. Smidt (1872–1947) archäologische Untersuchungen durch.[20] Zusätzlich suchte man auch nach Kulturpflanzen, die sich aus der Klosterzeit erhalten hatten. Bis 1921 waren die Grundmauern der Kirche und des Ostflügels der Klausur freigelegt. Mit dem Fund des Bischofsgrabes in der Kirche durch Anders Andersen 1941 endete diese Grabungskampagne. Nach Verlegung einer Straße, die das ehemalige Klostergelände durchschnitten hatte, erforschte Olaf Olsen (1928–2015) 1975–1978 den Kreuzgang, die bis dahin fehlenden Flügel der Klausur und den Mönchsfriedhof. Weitere Ausgrabungen fanden 1994–1996 statt, bei denen die restlichen Grundmauern der Klostergebäude einschließlich eines östlich anschließenden Gebäudes, das Hans Krongaard Kristensen als Hospital identifizierte, freigelegt wurden.[34] 2006 wurde der Verlauf der Kanäle erforscht.

Insgesamt 668 Skelette wurden auf zwei Friedhöfen, in verschiedenen Bereichen der Klausur und innerhalb der Fundamente der Kirche entdeckt. In etwas mehr als dreihundert Gräbern innerhalb der Klausur waren Mönche beigesetzt, außerhalb befanden sich Gräber von Patienten aus dem Hospital, anhand derer Krankheiten und Behandlungsmethoden der damaligen Zeit untersucht werden.[8] Einige besondere Gräber wie das von Bischof Peder Elavsøn, der mit seinem Bischofsring und einem kleinen Silberkreuz beigesetzt worden war, und das von Abt Mikkel im Kapitelsaal,[35] können in situ besichtigt werden.[4]
An der Ausgrabungsstätte befindet sich seit 1924 ein kleines Museum für die Funde,[15] neben dem ein Klostergarten angelegt wurde.[4]
Literatur
- G. V. Buchwald: Die Gründungsgeschichte von Øm und die dänischen Cistercienser. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holstein-Lauenburgische Geschichte. Band 8, 1878, S. 1–121 (uni-hamburg.de – enthält eine Zusammenfassung sämtlicher im Exordium monasterii Carae Insulae enthaltenen Urkunden).
- Jørgen Olrik: Øm Klosters Krønike. Hrsg.: Historisk Samfund for Arkus Stift. 2. Auflage. 1968 (dänisch, Online [PDF] Übersetzung der lateinischen Chronik ins Dänische).
- Brian Patrick McGuire: Conflict and Continuity at Øm Abbey: A Cistercian Experience in Medieval Denmark. Museum Tusculanum Press, Kopenhagen 1976 (englisch, Google Books).
- Brian Patrick McGuire: The Cistercians in Denmark: their attitudes, roles, and functions in medieval society. Cistercian Publications, 1982 (englisch, Online).
- Kjeld de fine Licht, Vibeke Michelsen, Niels Jørgen Poulsen: Øm †Klosterkirke. In: Nationalmuseet (Hrsg.): Danmarks Kirken. XVI, 8, 1992, S. 3777–3808 (dänisch, windows.net [PDF]).
- Hans Krongaard Kristensen: Øm Kloster (= Jysk Arkæologisk Selskabs Skrifter. Band 111). 2020, ISBN 978-87-93423-48-0 (dänisch).
Weblinks
- Exordium monasterii Carae Insulae. In: Medieval Nordic Literature in Latin (MNLL). Universität Bergen, 26. Juni 2012, abgerufen am 24. Juni 2026 (englisch).
- Gunvor Helene Platou: Øm Kloster, 1172–1561. In: danmarkshistorien.lex.dk. 4. November 2025, abgerufen am 25. Juni 2026 (dänisch).
- Øm Kloster Museum. In: museumskanderborg.dk. Abgerufen am 25. Juni 2026 (dänisch).
