Leopold Janauschek
österreichischer katholischer Theologe
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Leopold Janauschek SOCist (* 13. Oktober 1827 in Brünn; † 23. Juli 1898 in Baden, Niederösterreich) war ein katholischer Kirchenhistoriker und Erforscher des Zisterzienserordens.

Leben
Janauschek wurde als Sohn eines Schusters geboren. Das Gymnasium besuchte er in Brünn, wo er bei Pater Beda Dudik OSB unterricht nahm.[1] Er maturierte 1846 mit Auszeichnung und trat im selben Jahr in das Stift Zwettl ein. Nach dem Studium im Stift Heiligenkreuz wurde er 1851 zum Priester geweiht. Nach Stationen in der Seelsorge von 1851 bis 1853 in Zwettl und Theras, lehrte er von Herbst 1853 bis 1877 Kirchengeschichte und Kirchenrecht[Anmerkungen 1] am Institutum Theologicum in Heiligenkreuz; gleichzeitig studierte er 1856 bis 1859 an der Universität Wien. Dort supplierte er noch als Doktorand 1858/59 die Lehrkanzel für Kirchengeschichte.[2.1] Eine universitäre Laufbahn blieb ihm allerdings verwehrt. 1859 berief ihn Abt Augustin Steininger wieder nach Heiligenkreuz, wo er unterrichten sollte. Zu diesem Zeitpunkte konnte er seine Promotion nicht abschließen. Er übernahm zudem später die Fächer Christliche Kunst und Patrologie, die erst unter seiner Professur eingerichtet wurden.[2.2]
Janauschek betreute über viele Jahre die Sparte Cisterciensia in der Zeitschrift Studien und Mittheilungen aus dem Benedictiner- und Cistercienserorden.[2.3] Zudem war er seit 1875 korrespondierendes Mitglied der kaiserlichen und königlichen Centralen Kommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischer Denkmäler.[3]
Er hatte gesundheitlich zu leiden und war Choleriker. So plagte er unter Gichtleiden ab 1860 und unterrichtete zum Teil unter Schmerzen vom eigenen Bett aus. Da das Institut in Heiligenkreuz zwischenzeitig schließen musste, bemühte sich Janauschek ab 1876 um eine Promotion. Aufgrund der schwierigen Beziehung zur Katholisch-Theologischen Fakultät in Wien promovierte er 1877 über die Universität Salzburg, was wiederum eine Nostrifikation der Promotion von der Universität Tübingen war. Tübingen verlieh ihm den Doktorgrad aufgrund seiner Verdienste und „für seine theologischen Kenntnisse, die durch seine Schriften und Vorträge belegt sind“.[Anmerkungen 2][2.4] Ab 1877 war er Mitglied der katholischen Fakultät in Salzburg, als Teil des Doktorenkollegiums. Im selben Jahr machte sein Gichtleiden seine Lehrtätigkeit unmöglich, woraufhin er in sein Professkloster zurückkehrte und dort von 1878 bis 1880 Archivar war. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er zumeist im Bett, jedoch mit ständiger wissenschaftlicher Arbeit.[4]
Janauschek starb am 23. Juli 1898 in seiner Badener Privatwohnung einsam. Er wurde in Heiligenkreuz beigesetzt.[2.5]
Werk und Wirken
Der Kirchenhistoriker Alkuin Volker Schachenmayr bezeichnet Janauschek in einer Monografie zur Geschichte der Ordenshochschule in Heiligenkreuz als „Vater der modernen Cisterciensischen Ordensgeschichte“.[2.1] Zudem habe er ein Forschungsprogramm erarbeitet, sodass sich andere Forscher nicht mit bereits vorhandenen oder als unwichtig empfundenen Themen beschäftigten.[2.3] Schachenmayr zählt seine Forschung zum Historismus.[2.6]
Für sein Hauptwerk und wegen seiner allseits anerkannten Gelehrsamkeit verlieh ihm das zisterziensische Generalkapitel im Jahr 1891 den Titel eines Historiographus Ordinis.[5]
Papst Leo XIII. zeichnete ihn am 10. Oktober 1871 mit einer Breve aus.[4]
Origines Cistercienses
Mit der Arbeit an seinem Lebenswerk Origines Cistercienses – damals noch unter dem Titel Monasticon Cisterciense – begann er während seines Studiums in Heiligenkreuz, noch vor seiner Priesterweihe. Als Zeichen des Ausmaßen der Arbeit wird vor allem seine Korrespondenz mit anderen gewertet. Alleine in Italien schrieb er 264 Bischöfen, um an Informationen über die Klöster zu kommen. Weiterhin reiste er auch für die Kopierung von Archivalien durch Europa.[2.7]
Bibliographia Bernardina
Die Österreich-Ungarischen Kongregation präsentierte zur achthundertsten Geburtstagsfeier des heiligen Bernhard 1871 ein Forschungsprojekt der mehrbändigen Xenia Bernardina. Diese Werkausgabe wurde unter der Redaktion von Janauschek und Pater Benedikt Gsell erarbeitet. Dabei handelte es sich um die erste konsequente Quellenarbeit seit mehr als hundert Jahren im Zisterzienserorden. Sie beinhaltet Bernhards Sermones de Tempore, de Sanctis und de Diversis (Band 1), ein Verzeichnis der Handschriften der Stifte Rein, Heiligenkreuz-Neukloster, Zwettl, Lilienfeld, Withering, Schlierbach, Ossegg, Hohenfurth und Stams (Band 2/I und 2/II), Beiträge zur Geschichte mitteleuropäischer Stifte (Band 3) und Janauscheks Bibliographia Bernardina (Band 4). Schachenmayr bezeichnet die 2701 Titel umfassende Bibliografie als von „geradezu atemberaubenden“ Umfang. Zudem attestiert er, dass „Janauscheks Werk das moderne Fundament aller darauffolgenden Forschung bildet“.[2.8] Seine Bibliografie wurde als „Grundstein der Bernhardforschung“ angenommen. Bis zur nächsten Werkausgabe dauerte es 75 Jahre, als Pater Lethielleux Sans die Bibliographie bernardine 1891–1957 veröffentlichte.[2.9]
Weitere Werke
Die 1884 erschiene Broschüre Der Cistercienser-Orden, Historische Skizze sollte als Lerngrundlage für die Novizen des Ordens gelten. Das Büchlein wurde ins englische und französische übersetzt und das didaktisch konzipierte Werk „beeinflusste [...] eine Generation in reformfreudigen Klöstern über ganz Europa“.[2.4]
Zudem schrieb er auch einige andere Texte, von denen einige sich im Wetzer-Weltes Kirchenlexikon finden.[4]
Veröffentlichungen
- Originum Cisterciensium Tomus Primus, in quo praemissis congregationum domiciliis adjectisque tabulis chronologico-genealogicis veterum abbatiarum a monachis habitatarum fundationes ad fidem antiquissimorum fontium primus descripsit, Vindobonae 1877 (Nachdruck Ridgewood, N.J., Gregg Press, 1964) (Digitalisat).
- Statuta Capitulorum Generalium Ordinis Cisterciensis 1191–1250, photokopierte, von Janauschek gefertigte und kommentierte Abschrift der Generalkapitelprotokolle, Bibliotheca Curiae Generalis Ordinis Cistercensis, Signatur HIS 111. Original im Stiftsarchiv Zwettl.
Literatur
- Jakob Lauchert: Janauschek, Leopold. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 50, Duncker & Humblot, Leipzig 1905, S. 629 f.
- Alkuin Volker Schachenmayr: Prägende Professoren in der Entwicklung des theologischen Lehrbetriebes im Cistercienserstift Heiligenkreuz von 1802 bis 2002. Bernardus-Verlag Langwaden, Grevenbroich 2004, ISBN 3-937634-08-8, S. 121–128, urn:nbn:de:0295-opus4-27649.
- Janauschek P. Leopold. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1965, S. 70.
- Roland Böhm: Janauschek, Leopold. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Bautz, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 1540–1541.
Weblinks
- Leopold Janauschek in Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography online)