Klosterhof Mörlheim
Wirtschaftshof des Zisterzienserklosters Eußerthal im heutigen Landauer Stadtteil Mörlheim
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Der Klosterhof Mörlheim (historisch auch Hof Mörlheim) war ein Wirtschaftshof des Zisterzienserklosters Eußerthal im heutigen Landauer Stadtteil Mörlheim. Er entwickelte sich vom mittelalterlichen Klostergut zu einem der bedeutendsten landwirtschaftlichen Großbetriebe der Region und diente nach der Aufhebung des Klosters Eußerthal als Verwaltungssitz der kurpfälzischen Pflege Eußerthal. Besondere historische Bedeutung erlangte der Hof durch die Ansiedlung waldensischer Glaubensflüchtlinge aus dem Piemont ab 1665.
| Klosterhof Mörlheim | ||
|---|---|---|
| Daten | ||
| Ort | Landau in der Pfalz | |
| Bauherr | Kloster Eußerthal | |
| Abriss | teilweise nach 1794 | |
| Koordinaten | 49° 11′ 30,8″ N, 8° 9′ 49″ O | |
Geschichte
Mittelalter
Die Entstehung des Klosterhofes steht in engem Zusammenhang mit der Gründung des Zisterzienserklosters Eußerthal im 12. Jahrhundert. Nach der Überlieferung stiftete Ritter Stephan von Mörlheim dem neu gegründeten Kloster umfangreiche Besitzungen im Bereich von Mörlheim. Ursprünglich soll eine Klostergründung in Mörlheim selbst erwogen worden sein. Auf Empfehlung des Speyerer Bischofs Rabodo von Lobdaburg wurde das Kloster jedoch in das abgelegenere Eußerthal verlegt.[1]
Da die landwirtschaftlichen Erträge im Eußerbachtal begrenzt waren, erwarb das Kloster bereits früh umfangreiche Güter in der Rheinebene. Der Hof Mörlheim entwickelte sich zu einer der bedeutendsten Grangien des Klosters. Seine Bewirtschaftung erfolgte durch Konversen und Pächter. Die Anlage umfasste Wohn- und Wirtschaftsgebäude, Speicher, Stallungen sowie umfangreiche Acker-, Wiesen- und Weideflächen.[2]
Frühe Neuzeit
Mit der Aufhebung des Klosters Eußerthal während der Reformation im Jahr 1560 gingen dessen Besitzungen an die Kurpfalz über. Der Hof Mörlheim wurde Sitz der sogenannten Pflege Eußerthal, einer Verwaltungsbehörde für die ehemaligen Klostergüter im Oberamt Germersheim. Die Verwaltung unterstand der Geistlichen Güteradministration in Heidelberg.[3] Die jeweiligen Pfleger oder Schaffner verwalteten die ehemaligen Klostergüter, zogen Pachten ein und übten zugleich lokale Verwaltungsaufgaben aus. Mehrfach sind die Pfleger zugleich als Schultheißen von Mörlheim belegt.[4]
Im Februar 1617 hielt sich Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz im Klosterhof auf. Aus den Rechnungen der Pflege Eußerthal geht hervor, dass für den kurfürstlichen Besuch umfangreiche Vorbereitungen getroffen wurden.[5] Während des Dreißigjährigen Krieges wurde der Hof mehrfach von Truppen besetzt und zeitweise als Verwaltungszentrum der österreichischen Besatzung im Oberamt Germersheim genutzt. Die kriegsbedingten Belastungen führten zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden und Bevölkerungsverlusten.[6]
Nach dem Ende des Krieges bemühte sich Kurfürst Karl Ludwig um die Wiederbelebung der verwüsteten Landesteile. Im Jahr 1665 wurden deshalb waldensische Glaubensflüchtlinge aus den piemontesischen Tälern zur Ansiedlung im Klosterhof Mörlheim eingeladen.[7]
Am 30. November 1665 gewährte der Kurfürst den Neuankömmlingen umfangreiche Privilegien. Diese umfassten unter anderem zeitweilige Steuerfreiheit, Befreiungen von Zöllen, Selbstverwaltungsrechte, Gewerbefreiheit, freie Religionsausübung sowie günstige Pachtbedingungen für Hofgebäude und Landflächen. Die Ansiedlung erfolgte in den teilweise ruinösen Gebäuden des ehemaligen Klosterhofes. Die Flüchtlinge erhielten umfangreiche Landflächen zur Bewirtschaftung und investierten erhebliche Mittel in den Wiederaufbau der Hofanlage.[8] Nach zeitgenössischen Quellen entstanden in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche neue Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Ein Teil der heutigen historischen Bausubstanz im Bereich der Hofgasse dürfte auf diese Bautätigkeit zurückgehen.[9]
Französische Herrschaft und Ende des Klosterhofes
Mit den französischen Reunionen gelangte das Oberamt Germersheim ab 1680 unter französischen Einfluss. Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges (1688–1697) blieb der Klosterhof aufgrund seiner militärischen Nutzung weitgehend von Zerstörungen verschont. Die waldensischen Bewohner wurden jedoch teilweise vertrieben oder verließen die Region.[10]
Nach dem Frieden von Rijswijk (1697) fiel Mörlheim wieder an die Kurpfalz zurück. Die religiösen und politischen Verhältnisse wurden durch die Kurpfälzische Religionsdeklaration von 1705 neu geregelt.[11]
Im 18. Jahrhundert blieb der Hof Mittelpunkt eines ausgedehnten landwirtschaftlichen Besitzkomplexes. Die Karte des französischen Ingenieurs Simon Decombes aus dem Jahr 1758 dokumentiert eine geschlossene Hofanlage mit Ringmauer, Toranlage, Kapelle, Wohnhäusern, Scheunen und Stallungen.[12]
Mit der französischen Besetzung der Pfalz in der Revolutionszeit wurde die bisherige Verwaltungsstruktur aufgehoben. Die ehemaligen kurpfälzischen Güter wurden als Nationalgut eingezogen und veräußert. Der Klosterhof verlor damit seine Funktion als geschlossene Wirtschaftseinheit. Zahlreiche Gebäude wurden abgebrochen oder gingen in Privatbesitz über.[13]
Bedeutung
Der Klosterhof Mörlheim zählt zu den bedeutendsten ehemaligen Wirtschaftshöfen des Klosters Eußerthal. Seine Geschichte dokumentiert die Entwicklung klösterlicher Grundherrschaft, die kurpfälzische Güterverwaltung nach der Reformation sowie die Ansiedlung religiöser Flüchtlinge in der Pfalz des 17. Jahrhunderts. Für die Ortsgeschichte Mörlheims stellt er den historisch bedeutendsten Siedlungskern außerhalb des eigentlichen Dorfes dar.
Literatur
- Egon Ehmer: Der Klosterhof in Mörlheim. In: 1200 Jahre Mörlheim. Landau in der Pfalz 2000, S. 61–78.
- Wolfgang W. Scherer: Untersuchungen zur Personen- und Besitzgeschichte des Zisterzienserklosters Eußerthal. Schriften des Diözesan-Archivs Speyer 6. Speyer 1983.
- Michael Martin: Emigration und Nationalgüterveräußerungen im pfälzischen Teil des Département du Bas-Rhin. Kaiserslautern 1974.
- Franz Xaver Remling: Urkundliche Geschichte der ehemaligen Abteien und Klöster im heutigen Rheinbayern. Neustadt an der Haardt 1836.
