Klöchit

Mineral, Ringsilikat aus der Milarit-Gruppe From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Mineral Klöchit ist ein sehr selten vorkommendes Ringsilikat aus der Milaritgruppe mit der Endgliedzusammensetzung K□2 Fe3+Fe2+Zn3Si12O30. Es kristallisiert mit hexagonaler Symmetrie und entwickelt blaue, sechsseitig plattige Kristalle von unter einem Millimeter Größe.[3]

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Klöchit
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

2007-054[1]

IMA-Symbol

Klö[2]

Chemische Formel K□2 Fe3+Fe2+ Zn3Si12O30[3]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Ringsilikate
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/E.22-065[4]

9.CM.05
63.02.01a.20
Kristallographische Daten
Kristallsystem hexagonal[3]
Kristallklasse; Symbol dihexagonal-dipyramidal; 6/m2/m2/m[5]
Raumgruppe P6/mcc (Nr. 192)Vorlage:Raumgruppe/192[3]
Gitterparameter a = 10,120 Å; c = 14,298 Å[3]
Formeleinheiten Z = 2[3]
Häufige Kristallflächen {0001}[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte Bitte ergänzen!
Dichte (g/cm3) berechnet: 3,007[3]
Spaltbarkeit -
Farbe blau[3]
Strichfarbe Bitte ergänzen!
Transparenz durchsichtig[3]
Glanz Glasglanz[3]
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,594[3]
nε = 1,590[3]
Doppelbrechung δ = 0,004
Optischer Charakter einachsig negativ
Pleochroismus stark: ε = hellgelb; ω = dunkelblau[3][6]
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Klöchit bildet sich bei der Kontaktmetamorphose von silikatreichen Fremdgesteinseinschlüssen in alkalireichen basanitischen Magmen. Neben seiner Typlokalität, dem Klöch-Vulkan in der Steiermark, Österreich, ist Klöchit bislang nur in einem Gabbro Aufschluss auf der Insel Madeira, Portugal gefunden worden.[7]

Etymologie und Geschichte

Der österreichische Mineraliensammler Walter Trattner, der 1999 bereits das nach ihm benannte Mineral Trattnerit entdeckte, fand im Jahr 2000 in einem quarzreichen Fremdgesteinseinschluss vom Klöch-Vulkan bei Bad Radkersburg in der Steiermark, Österreich ein weiteres neues Mineral der Milaritgruppe.[6] Analysiert und wissenschaftlich beschrieben wurde das Mineral erstmals durch Hans-Peter Bojar, Franz Walter, Christoph Hauzenberger und Walter Postl, die es nach dessen Typlokalität benannten. Die Ergebnisse der Analyse sowie der gewählte Name wurden 2007 bei der International Mineralogical Association (IMA) zur Prüfung eingereicht (Eingangs-Nr. der IMA: 2007-054) und das Mineral noch im selben Jahr als eigenständig anerkannt.[8]

Klassifikation

Da der Klöchit erst 2007 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/E.22-065. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Ringsilikate“, wo Klöchit zusammen mit Agakhanovit-(Y), Almarudit, Armenit, Berezanskit, Brannockit, Chayesit, Darapiosit, Dusmatovit, Eifelit, Emeleusit, Faizievit, Friedrichbeckeit, Lipuit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit, Yagiit und Yakovenchukit-(Y) die Gruppe „Doppelte Sechserringe [Si12O30]12− – Milarit-Osumilith-Gruppe“ mit der Systemnummer VIII/E.22 bildet.[4]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[9] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Klöchit in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“, dort aber ebenfalls in die Abteilung „Ringsilikate (Cyclosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatringe. Hier ist das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „[Si6O18]12−-Sechser-Doppelringe“ zu finden, wo es zusammen mit Almarudit, Armenit, Berezanskit, Brannockit, Chayesit, Darapiosit, Dusmatovit, Eifelit, Friedrichbeckeit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit und Yagiit die „Milaritgruppe“ mit der Systemnummer 9.CM.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Klöchit die System- und Mineralnummer 63.02.01a.20. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Ringsilikate: Kondensierte Ringe“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Ringsilikate: Kondensierte, 6-gliedrige Ringe“ in der „Milarit-Osumilith-Gruppe (Milarit-Osumilith-Untergruppe)“, in der auch Brannockit, Chayesit, Darapiosit, Eifelit, Merrihueit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Sugilith, Yagiit, Dusmatovit, Milarit, Sogdianit, Roedderit, Berezanskit, Shibkovit, Trattnerit, Almarudit, Oftedalit und Friedrichbeckeit eingeordnet sind.

Die von der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführte Strunz-Klassifikation in der 9. Auflage führt den Klöchit ebenfalls in der Unterabteilung „[Si6O18]12−-Sechser-Doppelringe“ (englisch [Si6O18]12−- 6-membered double rings) und der hier unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 9.CM.05. Neben den bereits zuvor aufgeführten Mineralen der Milaritgruppe werden hier auch das neu hinzugekommenene Mineral Laurentthomasit sowie die verwandten Minerale Aluminosugilith (9.CM.9.CM.) und Faizievit (9.CM.10) aufgeführt.[10]

Chemismus

Klöchit hat die Endgliedzusammensetzung

  • [12]K[9]2[6](Fe3+Fe2+)[4]Zn3[4]Si12O30

und ist das Fe-Zn-Analog von Oftedalit und Agakhanovit-(Y).

Die empirische Zusammensetzung aus der Typlokalität ist

  • [12](K0,78Na0,22) [9](□1,67Na0,33) [6](Fe3+1,19Fe2+0,45Mn0,27Ca0,04Co0,02Ni0,01Mg0,01Ti0,01) [4](□0,25Zn2,63Fe2+0,10Li0,02) [Si12O30],

wobei in den eckigen Klammern die Koordinationszahl der jeweiligen Position in der Kristallstruktur angegeben ist.[3]

Klöchit ist das bislang (2024) einzige Mineral der Milaritgruppe mit signifikanten Leerstellengehalten auf der tetraedrisch koordinierten T2-Position. Die wesentlichen Abweichungen der Zusammensetzung des Klöchit aus der Typlokalität von der Endgliedzusammensetzung sind

  • Na auf [9]B-Position: [9]□ + [6]Fe3+ = [9]Na + [6](Mn, Fe)2+ (Dusmatovit: [12]K[9](Na□)[6](Mn2+,Fe2+)2[4]Zn3[4]Si12O30)
  • Leerstellen (□) auf [4]T2-Position: [6]Fe2+ + 0,5 [4]Zn2+ = [6]Fe3+ + 0,5 [4]□ (hypothetischer „Ferri-Klöchit“: [12]K[9]2[6]Fe3+2[4](Zn2,50,5)[4]Si12O30)

Mit diesen drei Endgliedern lässt sich die Zusammensetzung des naturlichen Klöchit-Mischkristalls in guter Näherung beschreiben:

  • 50 Mol-% „Ferri-Klöchit“ (hypothetisches Endglied)
  • 33 Mol-% Dusmatovit
  • 17 Mol-% Klöchit

Kristallstruktur

Klöchit kristallisiert mit hexagonaler Symmetrie der Raumgruppe P6/mcc (Raumgruppen-Nr. 192)Vorlage:Raumgruppe/192 und den Gitterparametern a = 10,120 Å und c = 14.298 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Klöchit ist isotyp zu Milarit, das heißt, es kristallisiert mit der gleichen Struktur wie Milarit. Die 12-fach koordinierte C-Position ist voll besetzt mit Kalium (K+) und Natrium (Na+), die 9-fach koordinierte B-Position hingegen unbesetzt. Die 6-fach koordinierte A-Position ist gemischt besetzt mit zwei- und dreiwertigen Eisen-Kationen Fe3+, Fe2+ und etwas Mangan (Mn). Die tetraedrisch koordinierten T2-Position enthält vornehmlich Zink (Zn2+), etwas Eisen (Fe2+) und wenige Leerstellen. Die T1-Position, die die 6er-Doppelringe aufbaut, enthält nur Silicium (Si4+).[3]

Bildung und Fundorte

Klöchit bildet sich kontaktmetamorph bei hohen Temperaturen um 900 °C und niedrigem Druck in siliciumreichen Xenolithen in alkalireichen Basalten.[3][6]

Die Typlokalität von Klöchit ist der Nephelin-Basanit-Steinbruch bei Klöch, Bad Radkersburg im österreichischen Bundesland Steiermark.[3][6][11] Dort wurde das Mineral in Hohlräumen eines silikatreichen Gesteinseinschlusses in Nephelin-Basanit-Lava gefunden. Er tritt zusammen mit Quarz, Sanidin, Diopsid, Fluororichterit, Titanit, Enstatit, Forsterit, Ilmenit und Mottramit auf.[3]

Das bislang (Stand Januar 2025) einzige weitere dokumentierte Vorkommen ist der Terra do Baptista Gabbro Aufschluss bei Porto da Cruz, Machico, auf der Insel Madeira, Portugal.[7]

Siehe auch

Einzelnachweise

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