Kohlefördermaximum
Zeitpunkt, an dem die weltweite Kohleförderung nicht mehr gesteigert werden kann
From Wikipedia, the free encyclopedia
Das Kohlefördermaximum (engl. peak coal) ist der Zeitpunkt, an dem aufgrund physikalischer Faktoren die weltweite Kohleförderung nicht mehr gesteigert werden kann. Kohle hat von allen fossilen Brennstoffen die größte statische Reichweite mit ca. 120 Jahren. Der Zeitpunkt des Kohlefördermaximums wurde 2007 um das Jahr 2025[1] erwartet. Stand 2025 war Kohle weiterhin die größte Quelle für elektrische Energie, die aus Kohle erzeugte Menge stieg allerdings fast nicht mehr, aufgrund globaler politischer Maßnahmen ist ein baldiger Rückgang absehbar, ein Rückgang aufgrund physikalischer Faktoren wird daher nicht stattfinden.[2]
Es gibt zwei verschiedene Maxima, ein massebezogenes (z. B. in Gigatonnen bezogen) und ein energiebezogenes (z. B. in Exajoule berechnet, eine Gigatonne hochwertiger Kohle hat ca. 25 EJ Energieinhalt).[3] Die energetische Qualität der geförderten Kohle nimmt seit einigen Jahren signifikant ab, da verstärkt Sorten mit niedrigerem Heizwert verwertet werden. Daher wird das energiespezifische Fördermaximum früher als die massenspezifische Förderspitze erwartet.
Im Jahre 2013 wurden rund 8 Gt Kohle pro Jahr gefördert, die Förderung sank Stand 2019 in den Folgejahren auf 7,6 Gt[4], wobei damals unklar war, ob der 2013er Wert das absolute oder ein temporäres Maximum war. Das World Energy Council ging Stand 2008 von ca. 860 Gt Kohlereserven aus.[5] Auf den Energieinhalt bezogen, bezifferte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe einen Wert von ca. 22.200 Exajoule (759 Gt SKE), gut die Hälfte der fossilen Energiereserven von ca. 40.000 EJ.[6] Aufgrund des logistischen Wachstums der kumulierten Förderung endlicher Ressourcen in Form einer Sigmoid-Kurve liegt das Fördermaximum weit vor dem Ende der statischen Reichweite. Es wurde in der Vergangenheit bei reifen Kohlerevieren erreicht, wenn etwa 40–70 % der insgesamt förderbaren Mengen abgebaut waren[7].
Wesentlich relevanter als der Zeitpunkt der maximalen Kohleförderung ist allerdings der Zeitpunkt, an dem alle fossilen Energien, wie Erdöl, Erdgas und Kohle in Summe ihr Fördermaximum erreicht haben werden. Dabei spielt die Kohle aufgrund ihrer großen Vorkommen eine entscheidende Rolle. Die Kohle kann Erdöl, dessen Fördermaximum nach manchen Vermutungen schneller erreicht wird, mittels Kohleverflüssigung in gewissen Grenzen substituieren. Kohle ist ein Energieträger, der durch Fischer-Tropsch-Synthese Erdölderivate als Treibstoff für den Güter- und Personenverkehr ersetzen könnte. Bei einer Verknappung von Erdöl könnte aus Kohle gewonnener Strom per Wärmepumpe das dem Diesel gleichwertige Heizöl substituieren, falls man aus unerfindlichen Gründen dafür nicht auf Photovoltaik zurückgreifen würde. Aus Kohle lässt sich auch Wasserstoff bzw. Ammoniak für die Herstellung von agrarisch bedeutsamen Düngemitteln per Haber-Bosch-Verfahren gewinnen, welche bisher aus Erdöl und Erdgas gewonnen werden.
Siehe auch
Weblinks
- Gerhard Sohn: Die Zukunft der Kohle in Europa (PDF-Datei)
- Die Reichweite der Kohle wird deutlich überschätzt. ( vom 29. Juli 2013 im Internet Archive) (PDF, 142 kB), Pressemitteilung der Energy Watch Group, 3. April 2007
- Energie Übersicht Energie Übersicht - Eine visuelle Überprüfung der Förder- und Verbrauchs Trends der Nationen; Daten aus der BP Statistical Review 2009. (deutsch, englisch)