Komarno (Janowice Wielkie)

Siedlung in Polen From Wikipedia, the free encyclopedia

Komarno (deutsch Kammerswaldau) ist ein Ort in der Landgemeinde Janowice Wielkie im Powiat Karkonoski der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Es liegt im Bober-Katzbach-Gebirge. Ortsteil von Komarno ist Chałupy (umgangssprachlich Kolonia Komarno).

Schnelle Fakten Basisdaten ...
Komarno
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Komarno (Polen)
Komarno (Polen)
Komarno
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Karkonoski
Gmina: Janowice Wielkie
Geographische Lage: 50° 56′ N, 15° 52′ O
Einwohner: 916 (2022)
Postleitzahl: 58-500
Telefonvorwahl: (+48) 75
Kfz-Kennzeichen: DJE
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Geschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Waldhufendorf „Kemreswalde“ im Jahr 1305.[1] Nachrichten über eine damals existierende Kirche stammen aus dem Jahr 1318.

Erster Besitzer von Kammerswaldau soll 1549 Balthasar von Zedlitz gewesen sein, dessen Familie eigenen Angaben zufolge um 1270–80 aus dem Voigtland nach Schlesien eingewandert war. 1686 verkaufte der Stadtrat von Hirschberg die Obergerichte über Kammerswaldau dem Friedrich von Zedlitz „für 100 Rthlr. baare Zahlung“. Im Jahr 1770 gehörte Kammerswaldau dem Johann August Baron von Bothmar.

Um 1786 lebten in Kammerswaldau 160 Häusler, 28 Kleinbauern und 20 Bauern, der Ort war auch Zentrum der Hüttenweberei; zu dieser Zeit gab es im Ort eine evangelische und eine katholische Kirche; in Aufzeichnungen wird auch eine 1742 gegründete evangelische Schule erwähnt. Im 19. Jahrhundert gab es bereits 213 Häuser, ein Herrenhaus, zwei Bauernhöfe, eine Windmühle und Wassermühlen.

Nach dem Tode des Barons Johann August von Bothmar 1804 ging Kammerswaldau an einen General Lindner über, dem es bis 1830 gehörte. Diesem folgte bis 1837 Frau Landrätin von Stosch, geborene von Mustowska. 1837 erwarben es der Kommerzienrat Johann Friedrich (1784–1842) und dessen Ehefrau Luise Lösch, geborene Hollmann aus Breslau. Sie und ihre Nachfahren lebten auf dem Schloss Kammerswaldau. Deren Sohn, Heinrich Balthasar von Loesch, Landesältester und Mitglied der Deutschen Adelsgenossenschaft sowie Rittergutsbesitzer auf Kammerswaldau erbte 1861 den elterlichen Besitz. Er wurde 1872 geadelt, seitdem schreibt sich die Familie mit „oe“. Dessen Sohn, Ernst Heinrich von Loesch, verheiratet mit Martha, geborene von Boineburg, sollte der letzte Kammerswaldauer Gutsbesitzer sein. Er starb 1945 in einem Flüchtlingslager in Hoyerswerda an Diphtherie. Sein Sohn, Achim von Loesch, wurde als letzter Spross seiner Familie am 16. Juli 1923 in Kammerswaldau geboren.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann Kammerswaldau wegen seiner landschaftlich malerischen Lage den Tourismus zu nutzen. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es vier Beherbergungsbetriebe, eine war ein Hofgasthof.

Infolge des Zweiten Weltkriegs fiel Kammerswaldau zur Verwaltung an an Polen und wurde in Komarno umbenannt. Die einheimische deutsche Bevölkerung wurde weitgehend vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war.

Bis 1970 gab es eine große Mühle. In den 1980er Jahren gab es im Dorf etwa 111 Bauernhöfe, doch bis Ende der 80er Jahre sank ihre Zahl auf 46.

Sehenswürdigkeiten

Evangelische (links) und katholische Kirche
Evangelische Kirche innen
Schlosspark
  • römisch-katholische Hilfskirche mit dem Patrozinium Johannes der Täufer aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts und der zugehörige katholische Friedhof. Im Süden neben der Saalkirche liegt die barocke Grabkapelle der Familie Bothmar von 1780. Das Kirchengebäude wurde 1979 renoviert.[2]
  • Evangelische Kirche St. Maria Trost (Kościół pw. św. Jacka) von 1769–72 hat einen achteckigen Grundriss und zwei Eingänge mit Tympanon. Auf dem Dachreiter ist ein Zwiebelhelm, im Inneren eine Holzkuppel, umlaufende zweistöckige Säulenemporen sowie ein Kanzelaltar. Erbauer war Maurermeister Demus aus Hirschberg, die Baukosten betrugen 4000 Taler. 1822, zum 50-jährigen Jubiläum des Bethauses, setzte man auf das Dach einen Turm. Er wurde bewusst der Turmspitze der benachbarten katholischen Kirche aus dem 17. Jahrhundert angeglichen, um ein einheitliches architektonisches Bild zu erhalten. Die evangelische Kirche hing ihre neue Kirchenglocke aus statischen Gründen nicht im Turm ihres Bethauses auf, sondern im Turm der katholischen Kirche.[3]
  • Schlossensemble aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, umgebaut im 19. Jahrhundert, mit dem dazugehörigen Park. Das Gebäude wurde 1842 grundlegend umgebaut, weitere Umbauten folgten 1870 und 1893. Im Inneren gibt es eine frühere Kapelle.

Personen

Literatur

  • Joachim von Loesch: Kammerswaldau. Die Geschichte eines schlesischen Dorfes, seines Schlosses und seines Rittergutes, 208 Seiten, 16 Abbildungen, drei Landkarten, 2001, ISBN 3-931889-05-X
  • Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 464
Commons: Komarno – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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