Kosmodrom Wostotschny

russischer Weltraumbahnhof From Wikipedia, the free encyclopedia

Karte: Russland
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Kosmodrom Wostotschny

Das Kosmodrom Wostotschny (russisch Космодром Восточный; deutsch „Östlicher Weltraumbahnhof“) ist ein russischer Weltraumbahnhof in der Amur-Region gut 100 km östlich der Grenze zu China. Das Kosmodrom befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Raketenstartplatzes Swobodny im Nordosten der Stadt Ziolkowski (bis 2015 Uglegorsk). Wostotschny ergänzt das auf kasachischem Gebiet liegende Kosmodrom Baikonur und soll die Abhängigkeit von Kasachstan verringern.

Geschichte

Modell des Startplatzes 1S auf dem Kosmodrom Wostotschny auf der MAKS 2013

Am 21. November 2007 unterzeichnete Präsident Wladimir Putin den Erlass zur Konstruktion des Weltraumbahnhofs.[1] Der genaue Standort wurde Ende 2008 festgelegt und befindet sich im östlichen Bereich des kurz zuvor geschlossenen Kosmodroms Swobodny, etwa 150 km nördlich von Blagoweschtschensk im Bereich des Flusses Pera, etwa 250 m über dem Meeresspiegel. Das Kosmodrom sollte nach damaliger Planung eine Fläche von 750 km² umfassen;[2] die Bauarbeiten sollten im Jahr 2010 beginnen, acht Jahre dauern und in drei Etappen erfolgen. Tatsächlich wurde mit dem Bau Mitte 2012 begonnen. Die nötige Investitionssumme für die erste Etappe wurde auf 251 Milliarden Rubel – damals umgerechnet etwa 6,3 Milliarden Euro – geschätzt.[3] Verantwortlich für den Bau war der ehemalige RKK-Energija-Chef Nikolai Sewastjanow.

Nach Bauverzögerungen übernahm Vizeministerpräsident Dmitri Rogosin 2014 die Koordination der Baustelle.[4] Trotz der nunmehr offenkundigen Priorität seitens der russischen Regierung für den neuen Weltraumbahnhof schien sich das Projekt nicht entsprechend den Planvorgaben zu entwickeln, da im April 2015 Arbeiter auf der Baustelle wegen ausbleibender Lohnzahlungen in einen Hungerstreik getreten waren.[5]

Im Oktober 2015 wurde bekanntgegeben, dass Teile der für die Sojus-2 vorgesehenen Montagehallen zu klein für die Rakete seien.[6] Zudem wurden mehrere Fälle von Korruption und Misswirtschaft bekannt. Es fehlte weiterhin an einer gesicherten Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung.[7] Die für Dezember 2015 geplante Eröffnung konnte daher nicht stattfinden.

Am 12. April 2016 wurde der Weltraumbahnhof offiziell eröffnet. Bemannte Starts mit Sojus-Raumschiffen zur ISS sind von dort allerdings – anders als ursprünglich geplant[8] – nicht möglich, da die Sojus nur für Landungen an Land ausgelegt ist. Die Flugbahn von Wostotschny führt in der Aufstiegsphase über das Ochotskische Meer, die Halbinsel Kamtschatka und den Pazifischen Ozean, sodass bei einem Startabbruch eine Wasserung nötig sein könnte.[9]

Von August bis Oktober 2018 wurde auf dem Gelände des Kosmodroms eine Waldfläche gerodet, um Platz für eine weitere Startrampe zu schaffen. Im Mai 2019 begann die zweite Phase der Konstruktion des Kosmodroms mit der Errichtung einer weiteren Startrampe für schwere Raketen des Typs Angara. Heftige Regenfälle und Veruntreuung von Geldern für den Kauf von Maschinen verzögerten die Konstruktion. Im Zuge von Anti-Korruptions-Untersuchungen wurden über 100 Strafverfahren eingeleitet.[10][11]

Startrampen

Es sind mehrere Startrampen geplant. Die Wichtigsten sind:

  • Rampe 1S – Sojus-2, in Betrieb seit 2016
  • Rampe 1A – Angara A5, in Betrieb seit 2024

Erster Start

Die erste Sojus-2-Rakete wurde, noch ohne Nutzlast, am 21. März 2016 zu Testzwecken zur Startrampe 1S gebracht.[12] Am 28. April um 02:01 UTC startete sie in Anwesenheit des Staatspräsidenten Wladimir Putin die beiden Satelliten Michail Lomonossow und Aist 2D. Der Start war am Vortag wegen eines Ventilfehlers verschoben worden, Putin war vor Ort geblieben.[13][14][15]

Startliste

Stand der Liste: 30. April 2026

Nichtrussische Satelliten sind mit der Länderflagge des jeweiligen Betreibers gekennzeichnet.

Weitere Informationen Rakete, Start­rampe ...
Zeitpunkt (UTC) Rakete Start­rampe Nutzlast Orbit Anmerkungen
28. Apr. 2016
02:01
Sojus-2.1a / Wolga 1S Michail Lomonossow (Gammateleskop)
Aist 2D
SamSat 218
LEO Erfolg
28. Nov. 2017
02:41
Sojus-2.1b / Fregat 1S Meteor-M 2-1
Baumanets 2
Kanada LEO Vantage 2
JapanJapan IDEA-OSG 1
Norwegen AISSat 3
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten 10× Lemur-2
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Corvus BC-3
SchwedenSchweden SEAM
DeutschlandDeutschland D-Star One
Kanada Helios-Wire
Fehlschlag 1
1. Feb. 2018
02:07
Sojus-2.1a / Fregat 1S Kanopus-V 3 und 4 LEO Erfolg
27. Dez. 2018
02:07
Sojus-2.1a / Fregat 1S Kanopus-V 5 und 6 LEO Erfolg
5. Juli 2019
05:41
Sojus-2.1b / Fregat 1S Meteor-M 2-2
DeutschlandDeutschland Carbonix
Finnland ICEYE X4, X5
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Momentus X1
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich DoT 1
Israel NSLSat 1
Vereinigte StaatenVereinigte StaatenLemur-2
DeutschlandDeutschland Beesat 9
DeutschlandDeutschland Beesat 10–13
DeutschlandDeutschlandD-Star One
DeutschlandDeutschland MOVE-IIb
DeutschlandDeutschland Sonate
Thailand Jaisat-1
SchwedenSchweden SEAM 2.0
Ecuador UTE-Ecuador
Estland TTÜ101
Tschechien Lucky-7
FrankreichFrankreich MTCube
AmGU 1
Sokrat
VDNH-80
LEO Erfolg
18. Dez. 2020
12:26
Sojus-2.1b / Fregat 1S Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich OneWeb 4 LEO Erfolg
25. März 2021
02:47
Sojus-2.1b / Fregat 1S Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich OneWeb 5 LEO Erfolg
25. Apr. 2021
22:14
Sojus-2.1b / Fregat 1S Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich OneWeb 6 LEO Erfolg
28. Mai 2021
17:38
Sojus-2.1b / Fregat 1S Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich OneWeb 7 LEO Erfolg
1. Juli 2021
12:48
Sojus-2.1b / Fregat 1S Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich OneWeb 8 LEO Erfolg
14. Okt. 2021
09:40
Sojus-2.1b / Fregat 1S Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich OneWeb 11 LEO Erfolg
22. Okt. 2022
19:57
Sojus-2.1b / Fregat 1S Gonets-M 33/34/35 (Block 18)
Skif-D
LEO Erfolg
26. Mai 2023
21:14
Sojus-2.1a / Fregat 1S Kondor-FKA-1 LEO Erfolg
27. Juni 2023
11:34
Sojus-2.1b / Fregat 1S Meteor-M 2-3
Sitro-AIS
Malaysia A-Seansat-PG 1
Vereinigte Arabische Emirate PHI-Demo
Belarus CubeBel 2
31 Kleinsatelliten
SSO Erfolg
10. Aug. 2023
23:10
Sojus-2.1b / Fregat 1S Luna 25 (Mondlandesonde) TLI Erfolg 2
29. Feb. 2024
05:43
Sojus-2.1b / Fregat 1S Meteor-M 2-4
Marafon-D GVM
Iran Pars 1
Zorkiy 2M
16× Sitro-AIS
LEO Erfolg
11. Apr. 2024
09:00
Angara A5 / Orion 1A GMM-KA (Massesimulator)
Gagarinets (Werbe-CubeSat)
GEO
LEO
Erfolg
4. Nov. 2024
23:18
Sojus-2.1b / Fregat 1S Ionosfera 1 & 2
24× Sitro-AIS
Iran Hod-Hod 1A
Simbabwe Zimsat 2
ca. 27 Kleinsatelliten
SSO Erfolg
29. Nov. 2024
21:50
Sojus-2.1a / Fregat 1S Kondor-FKA 2 SSO Erfolg
25. Juli 2025
05:54
Sojus-2.1b / Fregat 1S Ionosfera 3 & 4
Iran Nahid-2
17 Satelliten
SSO Erfolg
28. Dez. 2025
13:18
Sojus-2.1b / Fregat 1S Aist 2T 1, 2
Aist ST
Ansat-1
Argus-312
Grifon 1–4
DCS-1
Eya-2
Khors 5
Iran Kowsar-1.5
Lobachevsky
Montenegro Luca
Marafon 1
Marafon GVM-Mockup
Belarus NASBSat-1, -2
Mokha-1
MorSat-1
Mule-4T
Iran Paya (Tolou-3)
Polytech Universum-6
Kuwait QMR-KWT-2
SachaWinn-Cholbon
SCH-619
Sitro-AIS 57–65
SITRO-TD-3
SITRO-TD-4
Skorpion (Sozvezdie-270)
SM-3.1
TriSat-1 bis -4
TsSTP-3.1
Ecuador UTE-Galapagos
Wladiwostok-2
VM-3.1
Iran Zafar-2
Zorky-2M VPE
Zorky-2M 5
Zorky-2M 7
Teilerfolg
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1 
Die erstmals von Wostotschny gestartete Fregat-Oberstufe war versehentlich mit den Startkoordinaten des Kosmodroms Baikonur programmiert worden. Dadurch flog sie in die falsche Richtung und erreichte keine Erdumlaufbahn. Alle Nutzlasten gingen verloren.[16]
2 
Die Raumsonde Luna-25 zerschellte nach erfolgreichem Start beim Landeanflug auf den Mond.
Commons: Kosmodrom Wostotschny – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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