Kosnarit

Mineral aus der Gruppe der Phosphate From Wikipedia, the free encyclopedia

Kosnarit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der chemischen Zusammensetzung KZr2[PO4]3[3] und damit chemisch gesehen ein Kalium-Zirconium-Phosphat.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Kosnarit
Cremeweißer Kosnarit auf Albit aus dem District Jenipapo, Jequitinhonha-Tal, Minas Gerais, Brasilien (Größe: 7,9 cm × 5,3 cm × 1,4 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1991-022[1]

IMA-Symbol

Ksn[2]

Chemische Formel KZr2[PO4]3[3][1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/A.17-010[4]

8.AC.60
38.04.12.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol ditrigonal-skalenoedrisch; 32/m
Raumgruppe R3c (Nr. 167)Vorlage:Raumgruppe/167
Gitterparameter a = 8,71 Å; c = 23,89 Å[3]
Formeleinheiten Z = 6[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4,5[5]
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,194(2); berechnet = 3,206[5]
Spaltbarkeit vollkommen {1012}; undeutlich nach {0001}[5]
Bruch; Tenazität muschelig; spröde[5]
Farbe blassblau bis blaugrün, bläulichgrau bis fast farblos[5]
Strichfarbe weiß[5]
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend[5]
Glanz Glasglanz[5]
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,656[6]
nε = 1,682[6]
Doppelbrechung δ = 0,026[6]
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Schließen

Kosnarit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und entwickelt rhomboedrische oder durch Zwillingsbildung pseudokubische Kristalle mit glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen.

In reiner Form ist Kosnarit farblos und durchsichtig. Durch Fremdbeimengungen kann er aber auch eine blassblaue bis blaugrüne oder bläulichgraue Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Kosnarit in einem Pegmatit-Steinbruch am Mount Mica bei Paris im US-Bundesstaat Maine. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Michael E. Brownfield, Eugene E. Foord, Stephen J. Sutley und Theodore Botinelly, die das Mineral nach dem Mineralienhändler Richard Kosnar (1946–2006) aus Colorado benannten. Da für die Analyse der Zusammensetzung auch Material aus dem nahe gelegenen Steinbruch am Black Mountain bei Rumford verwendet wurden, gilt auch dieser Fundort als Typlokalität für den Kosnarit.[6]

Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1991 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1991-022), die den Kosnarit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde 1993 im Fachmagazin American Mineralogist veröffentlicht.

Das Typmaterial des Minerals wird im National Museum of Natural History in Washington, D.C., USA unter den Inventarnummern 170369 und 170370 aufbewahrt.[5][7]

Klassifikation

Da der Kosnarit erst 1991 als eigenständige Mineralart anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/A.17-010. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate [PO4]3−, ohne fremde Anionen“, wo Kosnarit als einziges Mineral eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/A.17 bildet.[4]

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[8] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Kosnarit ebenfalls in die Abteilung „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und großen Kationen“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 8.AC.60 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Kosnarit die System- und Mineralnummer 38.04.12.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., A+XO4“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 38.04.12.

Kristallstruktur

Kosnarit kristallisiert trigonal in der Raumgruppe R3c (Raumgruppen-Nr. 167)Vorlage:Raumgruppe/167 mit den Gitterparametern a = 8,71 Å und c = 23,89 Å sowie 6 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Bildung und Fundorte

Blassgelber, pseudokubischer Kosnarit auf Albit aus dem Distrikt Jenipapo, Minas Gerais, Brasilien (Gesamtgröße der Probe: 3,1 cm × 2,6 cm × 1,7 cm)

Kosnarit bildet sich in der Spätphase hydrothermaler Umwandlungen in granitischen Pegmatiten, möglicherweise aus Beryll und Zirkon.

An seinen Typlokalitäten und bisher einzigen Fundorten in den USA Mount Mica und Black Mountain in Maine fand sich das Mineral in Paragenese mit Albit, Eosphorit, Fluorapatit, Moraesit, Quarz, Siderit und Zirkon. Daneben wurden im Granit-Steinbruch Wycheproof im australischen Buloke Shire (Victoria) als weitere Begleitminerale noch Cyrilovit, Schörl (Mineral), Selwynit und Wycheproofit festgestellt.

Die einzigen weiteren bisher bekannten Fundorte sind die Jorge Pegmatite im District Jenipapo am Rio Jequitinhonha (Jequitinhonha-Tal) nahe der Gemeinde Itinga im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais und der zur Goldmine Yanacocha gehörende Tagebau Chaquicocha in der peruanischen Provinz Cajamarca (Stand 2025).[9]

Siehe auch

Literatur

  • Michael E. Brownfield, Eugene E. Foord, Stephen J. Sutley, Theodore Botinelly: Kosnarite, KZr2(PO4)3, a new mineral from Mount Mica and Black Mountain, Oxford County, Maine. In: American Mineralogist. Band 78, 1993, S. 653656 (minsocam.org [PDF; 442 kB; abgerufen am 27. November 2025]).
  • Paula C. Piilonen, Henrik Friis, Ralph Rowe, Glenn Poirier: Crystal structure determination of kosnarite, KZr2(PO4)3, from the Mario Pinto mine, Jenipapo district, Itinga, Brazil. In: The Canadian Mineralogist. Band 58, Nr. 5, 2020, S. 637–652, doi:10.3749/canmin.2000044 (englisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 17. April 2024 im Internet Archive) [PDF; 2,4 MB; abgerufen am 27. November 2025]).
  • M. Sljukic, B. Matkovic, B. Prodic, D. Anderson: The crystal structure of KZr2(PO4)3. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band 130, 1969, S. 148–161 (englisch, Digitalisat bei rruff.geo.arizona.edu (Memento vom 17. April 2024 im Internet Archive) [PDF; 653 kB; abgerufen am 27. November 2025]).
Commons: Kosnarite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI