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Kraftwerk Rosenheim

Laufwasserkraftwerk der österreichischen Verbund AG am Inn in der Gemeinde Rohrdorf bei Rosenheim From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Kraftwerk Rosenheim ist ein Laufwasserkraftwerk der österreichischen Verbund AG. Das Kraftwerk liegt am Inn in der Gemeinde Rohrdorf bei Rosenheim. In den Jahren 1957 bis 1960 errichtete die Innwerk AG das Kraftwerk Rosenheim in der für diesen Flussabschnitt charakteristischen Flachbauweise. Deren Nachfolger E.ON Wasserkraft GmbH verkaufte das Kraftwerk 2009 an die österreichische Verbund AG. Als sogenanntes Buchtenkraftwerk konzipiert, verzichtete man – ganz im Sinne des seit den 1930er-Jahren am Inn etablierten Baustandards – bewusst auf eine klassische Maschinenhalle.

Schnelle Fakten
Kraftwerk Rosenheim
Kraftwerk Rosenheim
Kraftwerk Rosenheim
Kraftwerk Rosenheim
Lage
Kraftwerk Rosenheim (Bayern)
Kraftwerk Rosenheim (Bayern)
Koordinaten 47° 50′ 17″ N, 12° 9′ 12″ O
Land Deutschland
Bayern Bayern
Ort Rohrdorf
Gewässer Inn
Gewässerkilometer km 187.55
f1
Kraftwerk
Eigentümer Verbund AG
Betreiber Verbund AG
Bauzeit 1957–1960
Betriebsbeginn 23. Juni 1960
Technik
Engpassleistung 35 Megawatt
Durchschnittliche
Fallhöhe
9,38 m
Turbinen 3 × Kaplanturbine
Generatoren 3
Sonstiges
Website Kraftwerk Rosenheim
Stand 2015
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Technische Beschreibung

Die Anlage besteht aus einem dreifeldrigen Wehr auf der Westseite und dem Maschinenhaus mit drei Turbinen auf der Ostseite. Am Ostufer liegt die Schaltanlage zur Verbindung des Kraftwerks mit dem Stromnetz. Das Krafthaus am rechten Ufer beherbergt drei vertikale Maschinensätze, die jeweils aus einer Kaplan-Turbine und einem Drehstromgenerator bestehen. Eine konstruktive Besonderheit ergibt sich aus der Geografie, da der Inn an dieser Stelle eine leichte Linkskrümmung beschreibt, wurden die Turbinen spezifisch als linksdrehende Modelle ausgeführt.

Doch das Projekt diente nicht nur der Energiegewinnung. Nach den verheerenden Hochwasserkatastrophen von 1940 und 1946 war die Sicherheit der Region ein zentrales Anliegen. Mit dem Bau der Staustufen Rosenheim und Feldkirchen gelang ein entscheidender infrastruktureller Durchbruch. Die Stadt Rosenheim konnte durch diese Regulierungen dauerhaft vor den Fluten des Inns geschützt werden. Das Kraftwerk Rosenheim wurde in einer dreijährigen Bauzeit errichtet und ist als klassisches Laufkraftwerk konzipiert. Es befindet sich am Inn bei Flusskilometer 187,54 und nutzt dort die Wasserkraft für eine effiziente Energiegewinnung. Bei einer Ausbaufallhöhe von 8,2 Metern und einer Ausbauwassermenge von 575 m³/s erreicht die Anlage eine Engpassleistung von 35.100 kW. Dies ermöglicht eine Stromproduktion von etwa 179,6 GWh in einem durchschnittlichen Jahr (Regeljahr).

Die Energieerzeugung im Kraftwerk Rosenheim stützt sich auf drei vertikal angeordnete Kaplan-Turbinen. Diese Bauart ist ideal für die Gegebenheiten am Inn geeignet, da sie auch bei schwankenden Wassermengen einen hohen Wirkungsgrad erzielt. Jede dieser drei Einheiten verfügt über eine Nennleistung von 13.000 kW und ist für einen Nenndurchfluss von jeweils 183 m³/s ausgelegt. Trotz ihrer beachtlichen Größe – der Laufrad-Durchmesser beträgt 5,45 Meter – rotieren die Turbinen mit einer vergleichsweise ruhigen Nenndrehzahl von 88,2 U/min. Durch dieses Zusammenspiel von Masse und Präzision wird die kinetische Energie des Flusses effizient in elektrischen Strom umgewandelt. Die mechanische Energie der Turbinen wird von drei Generatoren direkt in elektrische Energie umgewandelt. Jeder dieser Generatoren verfügt über eine Nennleistung von 16.000 kVA und arbeitet mit einer Nennspannung von 6,3 kV.

Um den Wasserfluss optimal zu steuern, verfügt das Kraftwerk über eine leistungsfähige Wehranlage, die aus drei Wehrfeldern mit einer lichten Weite von jeweils 22 Metern besteht. Als Verschlussmechanismus kommen Rollenschütze mit Klappen zum Einsatz, die eine Verschlusshöhe von 9,5 Metern aufweisen. Durch diese Anlage wird der Inn auf ein Stauziel von 451,3 m über NN reguliert, wodurch ein 11,2 km langer Stauraum entsteht, der das nötige Gefälle für den Kraftwerksbetrieb sicherstellt. Nach der mehrjährigen Bauphase konnte das gesamte System schließlich im Jahr 1960 offiziell in Betrieb genommen werden.[1]

Fischwanderhilfe

Am 11. Juli 2025 begann der Bau einer neuen Fischwanderhilfe in Rosenheim. Kern des Projekts ist ein circa 2,2 Kilometer langes Umgehungsgewässer am linken Innufer. Durch einen mäandrierenden Verlauf mit variierenden Strömungsgeschwindigkeiten und Wassertiefen wird die Überwindung eines Höhenunterschieds von 8,3 Metern ermöglicht. Dies stellt die ökologische Durchgängigkeit am dortigen Kraftwerk für alle heimischen Fischarten sicher. Die Gestaltung mit Kiesbetten, Schotterbänken und Totholz dient zudem der Schaffung von Laichplätzen und Lebensräumen. Das Projekt ergänzt die ökologische Aufwertung der Region, nachdem bereits im Jahr 2006 die Rohrdorfer Achen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes und der Habitatqualität umgestaltet wurde.[2]

Ausbau des Hochwasserschutzes am Innkraftwerk Rosenheim

Am 16. September 2025 begann die zweite Bauphase zur Erhöhung und Verstärkung der Stauhaltungsdämme am Innkraftwerk Rosenheim. Ziel der Maßnahme ist es, die Hochwassersicherheit dauerhaft auf das Niveau eines 1.000-jährlichen Hochwassers (HQ1000) anzuheben. Das Projekt umfasste beidseitig des Inns eine Strecke von jeweils etwa drei Kilometern vom Kraftwerk Rosenheim bis rund 500 Meter nördlich der Autobahnbrücke (A8). Die Arbeiten wurden in zwei Etappen während der niederschlagsärmeren Herbst- und Wintermonate geplant, die erste Bauphase (2024/2025) wurde mit den Baumaßnahmen auf einer Länge von über drei Kilometern inklusive anschließender Begrünung.abgeschlossen. In der zweiten Bauphase (2025/2026) erfolgt die Verstärkung der Dammkörper und der wasserseitigen Betondichtung im verbleibenden Projektabschnitt. Parallel zur technischen Sicherung setzt der Betreiber Verbund AG ökologische Aufwertungen um. Die Inndämme, die Teil eines 200 Kilometer langen Dammnetzes sind, werden nach Abschluss der Bauarbeiten als hochwertige Lebensräume rekultiviert. Geplant ist die Anlage von artenreichen Blühwiesen, Habitatstrukturen für Reptilien und Inseln aus Sträuchern und Kleinbäumen. Ergänzend erfolgte bereits die Umgestaltung der Rohrdorfer Achen zum Dammschutz wurde bereits die Abflusskapazität der Achen durch Sohlvertiefungen und Aufweitungen optimiert. Diese strukturelle Vielfalt – ergänzt durch Nebengerinne, Stillwasserflächen und Totholzelemente – dient als wichtiger Lebensraum und Laichplatz für Kieslaicher.[3]

Quellen

Einzelnachweise

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