Kreta (Wien)

Grätzl (Stadtteil) im 10. Wiener Gemeindebezirk, Favoriten From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Kreta (auch: das Kreta-Viertel) ist ein Grätzl (Stadtteil) im 10. Wiener Gemeindebezirk, Favoriten. Es zählt zu den dichtest bebauten Gebieten der Stadt und ist durch die Dominanz spätgründerzeitlicher Zinskasernen charakterisiert.

Die Randhartingergasse im Kreta-Viertel
Das Kreta-Viertel im Stadtplan

Lage

Die Kreta liegt zwischen der Quellenstraße, der Absberggasse, der Gudrunstraße und der Kempelengasse im „hintersten Winkel“ des Bezirks. Sie wird gerne auch als Kreta-Insel bezeichnet, da sie von Industrie- und Verkehrsflächen bzw. im Westen von einer nicht allgemein zugänglichen Grünfläche, in der sich u. a. der Wasserbehälter Laaerberg der I. Wiener Hochquellenleitung befindet, begrenzt wird. Felix Czeike zufolge soll die historische Kreta bis zur Geiselbergstraße im 11. Bezirk reichen,[1] tatsächlich sind die Gudrunstraße jenseits (östlich) der Ostbahn und die beiden ersten Blöcke der Geiselbergstraße (1–5 bzw. 2–14) typologisch eine Fortsetzung des Kreta-Viertels, ebenso die ungerade Seite der Quellenstraße. Südlich grenzt das Viertel an die Ankerbrot-Gründe, eine ehemals ausgedehnte Industrieanlage, deren nördlichster Teil 1982–1985 mit einer Städtischen Wohnhausanlage an der Absberggasse verbaut wurde, die sich die Puchsbaumgasse entlang erstreckt.[2] Das ehemalige Fabriksgebäude von Ankerbrot wird nun kulturell genutzt, es finden regelmäßig Veranstaltungen statt.

Geschichte

Mit der Bebauung des Areals wurde Ende des 19. Jahrhunderts begonnen,[3] und schon bald galt die Gegend als die ärmste und gefährlichste Wiens. Neben einer großen Anzahl an Arbeitern aus den nahen Stadtentwicklungsprojekten, fanden auch Obdachlose in den noch im Bau befindlichen Rohbauten Unterkunft. Vermutlich bekam das Viertel seinen Namen nach der griechischen Insel Kreta, auf der ab 1896 ein Aufstand im Gang war (siehe hiezu Türkisch-Griechischer Krieg) – Zustände, die mit der Situation im Grätzl gleichgesetzt wurden. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Gegend zudem stark durch Fliegerbomben zerstört.[4] Nach dem Krieg wurde das großteils zerstörte Areal erneut ein Elendsviertel, das erst ab 1950 erneut bebaut wurde.[5]

Auch nach dem Wiederaufbau blieb das Areal ein sozialer Brennpunkt, auch wenn in jüngerer Vergangenheit ein soziologischer Strukturwandel (Gentrifizierung) vollzogen wird. Ausschlaggebend dafür ist nicht zuletzt die Nachnutzung der Ankerbrot-Fabrik und die Ansiedlung der CEU in der Quellenstraße.[6]

Aktuell wird auf dem ehemaligen Firmengelände der Firma Siemens unter dem Namen „Am Kempelenpark“ ein neues Wohnquartier mit 1.100 Wohneinheiten errichtet. Teil des Projekts sollen auch eine Schule und ein Kindergarten sein.[7]

Gebäude und Verkehrsflächen

Durch die größtenteils unveränderte Bebauung mit „Zinskasernen“ des ausgehenden 19. Jahrhunderts gibt es kaum bemerkenswerte Gebäude. Ecke Hofherrgasse / Erlachgasse befindet sich ein Gemeindebau aus den Jahren 1952–1954, der eine Portalumrahmung mit figurativen Darstellungen von dem Maler und Graphiker Wolfgang Schönthal sowie zur Erlachgasse hin ein Steinzeugwandrelief Ziege mit Zicklein von Georg Ehrlich aufweist.[8] Ein auffälliger Neubau aus dem Jahr 2021 ist ein Wohn- und Bürohaus (für Kleinwohnungen bzw. „Mikroappartements“)[9], dessen Fassade zum Werkstättenweg hin die einzelnen Einheiten plastisch mit an Vogelhäuser erinnernden Formen hervorhebt.

  • Absberggasse (westliche Begrenzung)
  • Erlachgasse (parallel zur Gudrunstraße)
  • Gudrunstraße (West-Ost-Querung in Favoriten)
  • Hofherrgasse (erste östliche Parallele zur Absberggasse)
  • Kempelengasse (1897 erstmals als Thavonatgasse im Straßenverzeichnis,[10] 1935 umbenannt; dritte, östlichste Parallele zur Absberggasse)
  • Quellenstraße (West-Ost-Querung)
  • Randhartingergasse (zweite östliche Parallele zur Absberggasse)

Verkehr

Das Grätzl ist mit den Straßenbahnlinien 6 und 11 erreichbar, die die Haltestellen Schrankenberggasse und Absberggasse bedienen. Bei letzterer wurde nördlich der Gudrunstraße die neue südliche Endstation der Straßenbahnlinie D errichtet, die die Stadt etwa in Nord-Süd-Richtung durchquert und 2019 durch das Sonnwendviertel verlängert wurde. Zu den östlichsten Teilen des Kretaviertels gelangt man von der Straßenbahnhaltestelle Geiereckstraße, der südöstlichen Endstation der Linie 6.

Kulturelle Aufarbeitung

Der Wiener Kabarettist Gerhard Bronner widmete seiner Jugend in Favoriten das „Favoriten-Lied“, in dem er drauf verweist, dass er als Kind in der Wiener Kreta gespielt hat. Er verweist im Lied auch auf die sogenannten Kreta Buam, womit wohl die rauen Jungen der Gegend gemeint waren. Später wurde Bronner eine Retrospektive unter dem Namen Kreta Buam im akzent Theater gewidmet.[11]

Commons: Kreta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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