Kreuzkirche (Hanau)
Kirchengebäude in Hanau
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Die Kreuzkirche in Hanau ist eine der vier evangelischen Gemeindekirchen in der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Hanau.

Der Dekan des Kirchenkreises Hanau hat mitgeteilt, dass die Kirche verkauft werden soll.[1] Nach einem letzten festlichen Gottesdienst am 15. Januar 2023 stand die Schließung der Kirche an.[2] 2026 wurde ein möglicher Käufer genannt.[3]
Geschichte
Die Gemeinde lag zuvor im 2. Pfarrbezirk von Hanau. Aufgrund der zahllosen Flüchtlinge und Vertriebenen, die in großen, neu errichteten Siedlungen und Wohnblocks im Lamboyviertel angesiedelt wurden, wuchs sie sehr schnell, und bis zum 1. Februar 1954 reifte der Entschluss, hier eine neue Gemeinde zu gründen.[4] Diese trug zunächst den Namen Evangelische Kirchengemeinde des Lamboygebietes.[5] Am 7. Februar 1955 wurde sie dann – zum einjährigen Bestehen – in Evangelische Kreuzkirchengemeinde Hanau umbenannt. Die Gemeinde hatte damals ca. 7700 Mitglieder.[4] Traditionell war die Kreuzkirche, die 1965/66 in der Karl-Marx-Straße 43 entstand,[6] Sitz des Hanauer Dekans.
Anfang 2014 wurden vier Hanauer Innenstadtgemeinden der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck zu einer Kirchengemeinde fusioniert. Die ehemalige Gemeinde bildete nun einen Bezirk im Raum der neu gegründeten Evangelischen Stadtkirchengemeinde Hanau.
Gebäude
Vor den noch heute bestehenden Gebäuden gab es für den Stadtteil eine von der US-Army 1948 zur Verfügung gestellte Holzbaracke, die zunächst als Kindergarten eingerichtet worden war, aber auch als Notkirche diente.[4] Sie ist nicht erhalten.
Die erhaltenen Gebäude, das Gemeindehaus und die Kirche sind Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz.[7]
Gemeindehaus
Die Grundsteinlegung erfolgte am 21. Mai 1953.[8] Das Gemeindehaus beherbergte auch eine Kindertagesstätte, zwei Wohnungen für kirchliche Mitarbeiter und zwei Jugendräume. Mit einem Gottesdienst durch Bischof Adolf Wüstemann am 7. Februar 1954 wurden Gebäude, Kindergarten und Kinderhort eingeweiht.[4] In einem zweiten Bauabschnitt entstand 1958 das Pfarrhaus, dem wenige Jahre später ein weiteres in der Lenbachstraße folgte. Im Hinblick auf einen späteren Kirchenneubau wurde der Gemeindesaal so gestaltet, dass er zunächst als Gottesdienstraum dienen konnte. Dafür wurden eine multifunktionale, verschließbare Empore, durch Segmentbogen abgeschlossene Türen und Sprossenfenster mit getöntem Fensterglas eingebaut. Der Raum zeigt weiß verfugtes Ziegelmauerwerk und eine ursprünglich auf den anstehenden Abbruch hin konzipierte Fachwerk-Chorwand. Der als provisorischer Kirchturm-Ersatz fungierende Dachreiter wurde wegen Baufälligkeit zurückgebaut. Die nun im Atrium untergebrachte Bronzeglocke, ein Geschenk der Gemeinden des Landkreises Hanau, wurde von der Glockengießerei Rincker in Sinn (Hessen) gegossen.[9] Stilistisch weist das außen hell verputzte Gebäude noch zahlreiche Anklänge an den Heimatstil auf.[6]
In Hanau ist das Gotteshaus das letzte erhaltene Beispiel eines provisorischen Kirchenbaus der frühen Nachkriegszeit.[6]
Kirche
Bauwerk
Der Grundstein für den Kirchenneubau wurde am 16. Mai 1965 gelegt; er trägt die Aufschrift Soli Deo Gloria (Allein Gott sei Ehre) und befindet sich im Atrium, das dem Kirchenraum vorgelagert ist.[8] Als Architekt wirkte der Trierer Baurat Heinrich Otto Vogel. Die neue Kirche wurde rechtwinklig zum Gemeindehaus angeordnet und durch eine Schiebetür zu ihr geöffnet, sodass beide Räume gleichzeitig nutzbar sind. Der 29 m hohen Glockenturm weist im Erdgeschoss einen kleinen Andachtsraum für etwa zehn Personen auf und ist nur durch Hofmauern mit Kirchengebäude und Gemeindehaus verbunden, steht also weitgehend frei. Die Kirche ist ein Stahlskelettbau mit Kalksandsteinausmauerung und Ziegelverblendung. Die rundbogigen Fenster sind mit Farbglasfenstern des Mainzer Glasmalers Alois Plum geschmückt. Das Gebäude, das bis zu 350 Personen fasst, wurde 1966 eingeweiht und ist damit der jüngste evangelische Kirchenbau in Hanau.[10]
Ausstattung
An der linken Wand des Kirchenraums hängt ein Wandteppich, der den Sämann aus dem gleichnamigen Gleichnis zeigt (Mt 13,1-9 LUT) und 1954 von Alexander Harder gefertigt wurde;[4] als das Gemeindehaus noch als Gottesdienstraum diente, befand er sich direkt hinter dem Altar. Ein Relief des Münchner Bildhauers Karl Hemmeter, das die Fußwaschung Jesu thematisiert (Joh 13,1-20 LUT), wurde hinter dem jetzigen Altar platziert. Derselbe Künstler schuf auch das Holzrelief eines Lauschers, das die Kanzel ziert. Der Taufstein steht vor der Kanzel auf der rechten Seite der Kirche.[10]
Glocken
Die Glocken mit den Schlagtönen c′, d′, f′ und g′ wurden am 15. Juli 1966 in der Glockengießerei Rincker geschaffen und am 28. September 1966 in den Glockenstuhl eingehängt. Sie sind bestimmten Funktionen gewidmet und jeweils mit einem eingegossenen Spruch versehen:[9]
- Lobe den Herrn meine Seele – Dankglocke
- Dienet dem Herrn mit Freuden; Dienet einander – Dienstglocke
- Rufe mich an in der Not – Sturmglocke
- Haltet an am Gebet – Gebetsglocke
Literatur
- Max Aschkewitz: Pfarrergeschichte des Sprengels Hanau („Hanauer Union“) bis 1986, Teil 1 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 33. Marburg 1984, S. 77.
- Carolin Krumm: Kulturdenkmäler in Hessen – Stadt Hanau = Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland – Kulturdenkmäler in Hessen. Hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Wiesbaden 2006. S. 96. ISBN 3-8062-2054-9, S. 225–227
Weblinks
- Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Karl-Marx-Straße 43. In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen.
- Karl Buschbeck: Aus der „Chronik“ unserer Gemeinde. Beitrag vom Dezember 1966, archiviert auf web.archive.org, aufgerufen am 5. April 2026.
- Karl Buschbeck: Der Grundstein. Beitrag vom Dezember 1966, archiviert auf web.archive.org, aufgerufen am 5. April 2026.
- Karl Buschbeck: Kostbarkeiten in unserer Kirche. Beitrag vom Dezember 1966, archiviert auf web.archive.org, aufgerufen am 5. April 2026.
- Karl Buschbeck: Unsere Glocken. Beitrag vom Dezember 1966, archiviert auf web.archive.org, aufgerufen am 5. April 2026.