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Kreuzspinnen

Gattung der Familie Echten Radnetzspinnen (Araneidae) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Kreuzspinnen (Araneus) sind mit mehreren hundert Arten eine der artenreichsten Gattungen der Familie der Echten Radnetzspinnen.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Kreuzspinnen

Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus)

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Radnetzspinnen (Araneoidea)
Familie: Echte Radnetzspinnen (Araneidae)
Gattung: Kreuzspinnen
Wissenschaftlicher Name
Araneus
Clerck, 1757
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Es gilt heute als erwiesen, dass die Gattung polyphyletisch ist, Arten sind an ganz verschiedenen Stellen in die Familie eingestreut. Da Arten, die bisher der Gattung zugeordnet werden, beinahe weltweit verbreitet sind, ist eine Revision sehr schwierig. Die Gattung wird daher, bis zu einer Revision, provisorisch im bisherigen Umfang aufrechterhalten.

Namensgebung

Der Trivialname der Gattung geht zurück auf die charakteristische weiße Kreuzzeichnung auf dem Hinterleib bei der bekanntesten Art, der Gartenkreuzspinne. Bei dem weißen Farbstoff handelt es sich um Stoffwechselprodukte, die unter dem Integument abgelagert werden.[1] Andere Arten der Gattung weisen hier andere Zeichnungsmuster auf oder sind ganz ungezeichnet. Die Kreuzzeichnung ist also kein typisches Merkmal der Kreuzspinnen insgesamt.[2]

Der wissenschaftliche Name Araneus war einfach das lateinische Wort für Spinne.

Merkmale

Gehörnte Kreuzspinne (Araneus angulatus), gezeichnet von Carl Clerck (1757),[3]
Fig.1 männliche Gehörnte Kreuzspinne,
Fig.2 weibliche Gehörnte Kreuzspinne,
Fig.3 Diagramm der Augen

Araneus ist eine vielgestaltige Gattung, ihre Arten weisen nur wenig gemeinsame Merkmale auf. Sie umfasst viele große oder mittelgroße Arten, aber es gehören auch kleine dazu. So sind Weibchen der Schulterkreuzspinne (Araneus sturmi) nur 5 Millimeter lang, solche der Vierfleckkreuzspinne (Araneus quadratus) können bis 20 Millimeter Körperlänge erreichen. Bei vielen Arten ist das Weibchen erheblich größer als das Männchen (Sexualdimorphismus), bei manchen Arten aber auch gleich groß. Viele Arten sind sehr variabel in ihrer Färbung und Zeichnung, so dass sie daran nur schwer erkennbar sind. Viele Arten, die anhand von Färbungsmerkmalen beschrieben wurden, mussten daher später synonymisiert werden.[4] Zudem sind die Geschlechter nicht selten verschieden gefärbt und gezeichnet und auf den ersten Blick nicht als zusammengehörig erkennbar. Auch hier wurden vielfach Männchen und Weibchen zunächst oft als verschiedene Arten beschrieben. Einige Arten weisen, bei sehr unterschiedlicher Färbung, zumindest eine charakteristische Zeichnung auf.[5]

Als gemeinsame Merkmale werden angegeben:[4] Weibchen mit einem meist behaarten Hinterleib von in Aufsicht fast kreisförmiger bis ovaler oder abgerundet dreieckiger Gestalt, nicht selten vorn seitlich mit zwei vorstehenden Höckern (aber nicht mit einem einzelnen, mittig vorstehenden Höcker wie bei der Gattung Larinia). Meist ist er etwas breiter als lang. Der vordere Abschnitt des Cephalothorax ist relativ schmal, die Mittelaugen sitzen etwas weiter vorn als die Seitenaugen. Die hinteren Mittelaugen sind das größte der vier Augenpaare (wie bei allen Araneidae sitzen die ungefähr gleich großen acht Augen in zwei Querreihen). Das erste Beinpaar ist immer länger als das vierte. Bei allen Arten weist der Vorderrand der Epigyne einen markanten Fortsatz, Scapus genannt, auf. Dieser weist eine geringelte Oberflächenstruktur auf. Er ist, je nach Art, von sehr verschiedener Länge. Oft ist er nach hinten gebogen.

Männchen sind oft kleiner als die Weibchen, typischerweise mit vorn stärker verengtem Cephalothorax und im Verhältnis längeren Beinen. Die Tibia des zweiten Beinpaares ist bei vielen Arten gebogen, sie weist fast immer prominente Stacheln auf. Der Hinterleib ist normalerweise oval und nach hinten etwas zugespitzt. Für die Diagnose ist aber die Gestalt verschiedener Sklerite des Bulbus ausschlaggebend. Typisch für die meisten Arten ist, dass die Spitze des Embolus eine Sollbruchstelle aufweist, an der er bei der Kopula beim Einführen in die Epigyne abbricht. Dies soll möglicherweise später hinzukommende Männchen an einer weiteren Kopula hindern.

Araneus cingulatus mit scheinbar horizontal angeordneten vier Augen, tatsächlich aber sind nur die beiden oberen frontalen Linsenaugen erkennbar und die kleinen seitlichen verschmelzen zu jeweils einem Fleck

Verbreitung

Kreuzspinnen sind in der ganzen Welt vorzufinden. Von den mehreren hundert Arten sind lediglich zehn in Mitteleuropa beheimatet, wovon die Gartenkreuzspinne die bekannteste und die am weitesten verbreitete Art ist.

Eine Gartenkreuzspinne beim Netzbau
Kreuzspinne beim Netzbau. Zeitlupenaufnahme.
Vierfleckkreuzspinne (Araneus quadratus) aus Blaubeuren, Deutschland
Araneus granadensis in ihrem Netz
Araneus ejusmodi
Araneus niveus aus Nordamerika
Araneus iviei aus Nordamerika

Systematik und Taxonomie

Der Gattungsname Araneus wurde eingeführt durch den bedeutenden Spinnenforscher Carl Alexander Clerck 1757 in Aranei Svecici. Dieses Werk wurde als so bedeutend angesehen, dass es, als einziges Werk, in der Taxonomie weiter verwendet wird, obwohl es vor der zehnten Auflage der Systema Naturae von Carl von Linné 1758, dem Startpunkt der zoologischen Namensgebung, erschienen ist. Linné selbst nannte die Gattung dann Aranea. Hier hat aber Clercks Name Priorität.

Die Gattung umfasst, in gegenwärtiger Umschreibung, mehr als 600 Arten.[6] Dies liegt zum Teil daran, dass die Gattung lange Zeit als „Papierkorb-Taxon“ für allerlei vage ähnliche Arten verwendet wurde. So gehört von den etwa 90 aus Australien beschriebenen Arten der Gattung wohl keine einzige tatsächlich hierher.[7] Viele der Namen sind tatsächlich Nomina dubia, zweifelhafte Arten, oft nur vage beschrieben und nach der Erstbeschreibung nie wieder erwähnt, so dass unklar ist, um was es sich gehandelt hat.

Die Gattung Araneus erwies sich bei genetischen Untersuchungen klar und eindeutig als polyphyletisch, das heißt, die verschiedenen Arten sind zwar in der Körpergestalt ähnlich, aber tatsächlich nicht näher miteinander verwandt.[8] Dabei erwies sich die Artengruppe um die Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus) als wohl nicht näher verwandt mit der, zunächst nicht mit getesteten, Gehörnten Kreuzspinne (Araneus angulatus), der Typusart der Gattung Araneus.[9] Demnach ist die Gattung Araneus in gegenwärtiger Umschreibung keine natürliche Einheit und muss aufgelöst werden, in mindestens neun neue Gattungen, möglicherweise noch mehr. Wegen der großen Artenzahl und der weiten Verbreitung der Gattung ist das aber schwierig, so dass, Stand 2026, sich noch kein Taxonom herangetraut hat. Die Gattung wird daher provisorisch weiter aufrechterhalten.

Arten

Bekannte mitteleuropäisch verbreitete Arten der Gattung sind:

Viele weitere Arten, darunter die paläarktisch verbreitete Eichblatt-Radspinne Aculepeira ceropegia (Walckenaer, 1802) und die Kürbisspinne Araniella cucurbitina werden häufig in älterer Literatur als Araneus ceropegia bzw. Araneus cucurbitina geführt. Sie werden heute aber nicht mehr zu der Gattung der Kreuzspinnen gezählt.[6]

Gefährdung für den Menschen

Die großen Kreuzspinnen-Arten gehören zu den wenigen Spinnenarten Mitteleuropas, die mit ihrem Biss die menschliche Haut unter Umständen durchdringen können. Der Biss ist medizinisch harmlos. Als Symptome werden genannt: schnell vorübergehender, milder Schmerz, geringfügige Rötung und Schwellung im Bissbereich.[11]

Commons: Araneus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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