Kriegervereinshaus

Baudenkmal in Berlin-Mitte From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Kriegervereinshaus ist ein historisches Gebäude in Berlin-Mitte. Es befindet sich auf dem Grundstück Chausseestraße 94.

Berlin, Mitte, Chausseestraße 94 (2011)

Baustruktur

Das Gebäude ist vornehmlich in dem für die Wilhelminische Zeit typischen Stil der neoklassizistischen Architektur gehalten. Es ist als vierseitige Anlage konstruiert, die einen großen Innenhof umschließt. Es besteht aus einem Erdgeschoss sowie vier Obergeschossen. In der Gebäudemitte befindet sich eine Durchfahrtspassage zum Innenhof und mehreren Hinterhöfen.

Ein großes Saalgebäude im zweiten Hof wurde nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg abgetragen.

An der Frontseite des Gebäude zur Chausseestraße erhebt sich eine repräsentative Front mit übergiebelten Säulenpilastern der drei mittleren Fensterachsen, die der Anlage ein palastartiges Aussehen verleiht. Die Kapitelle der Pilaster sowie die Balkonbrüstungen sind mit plastischem Bauschmuck versehen. Mit Motiven wie Lorbeerkränzen, Schleifenbändern und Eichenlaub ist in diesen Verzierungen optisch noch der militärische Geist, der dem Bau ursprünglich zugrunde lag, zu entnehmen. An der Vorderfront des Gebäudes befindet sich zudem ein markanter Fries mit Darstellungen aus der Militärmusik.

Geschichte und Nutzung

Zwischen 1907 und 1910 wurde das Kriegervereinshaus auf dem unmittelbar an den ehemaligen Exerzierplatz Grützmacher angrenzenden Grundstück angrenzenden Grundstück Chausseestraße 94 in Berlin errichtet. Für die Planung des Gebäudes war der Regierungsbaumeister Conrad Faerber verantwortlich.

Bis zum Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude als Versammlungsort für verschiedene Berliner Kriegervereine.

In den 1920er- und 1930er-Jahren wurde das Kriegervereinshaus außerdem häufig für politische Versammlungen genutzt: Seit 1927 nutzte insbesondere die Berliner NSDAP das Gebäude wiederholt für Zusammenkünfte.

Seit den 1950er-Jahren wird das Gebäude vornehmlich als Wohngebäude genutzt.

Als Zeugnis der Vereinslandschaft des frühen 20. Jahrhunderts steht es unter Denkmalschutz.

Ereignisse von Bedeutung, die im Kriegervereinshaus stattfanden

  • 4. Mai 1927: Bei einer Propagandaveranstaltung im Kriegervereinshaus wurde der ehemalige Pfarrer Fritz Stucke (* 1874/1875) von SA-Männern aus dem Saal geprügelt.
    • Stucke hatte während einer rassistischen Suada des in der Versammlung vom 4. Mai als Hauptredner auftretenden Joseph Goebbels in einem Zwischenruf darauf hingewiesen, dass Goebbels nicht dem von der NSDAP propagierten Idealbild des Ariers entsprechen würde („Ja, ja, Sie sind der richtige germanische Jüngling!“). Goebbels war auf den Zwischenruf einen Moment lang sprachlos gewesen, bevor er erwidert hatte: „Sie wollen wohl hinausgeworfen werden“, woraufhin Stucke patzig „Gerade Du!“ zurückgegeben hatte. Die Folge war ein Tumult gewesen, in dessen Verlauf Stucke geschlagen und auf die Straße befördert wurde. Die Presse reagierte empört auf den Zwischenfall, vor allem, da das Opfer ein (ehemaliger) Geistlicher war. Goebbels wurde im November 1927 vor dem Landgericht Berlin I angeklagt, in einer öffentlichen Versammlung zur Begehung einer Körperverletzung aufgefordert zu haben (Anklageschrift vom 23. November 1927). Der Innenminister Albert Grzesinki erachtete den Vorgang als Rückkehr der 1925 wiederzugelassenen NSDAP zu Methoden des politischen Rowdytums. Unter Berufung auf diesen Vorfall wurde die NSDAP in Berlin durch den Polizeipräsidenten Karl Zörgiebel für einige Monate verboten.[1]
  • 1928: Die Gründung des Gaus Berlin der NSDAP aus der im Februar 1925 gebildeten Ortsgruppe der Partei in Berlin wurde im Kriegervereinshaus vollzogen.
  • 1. September 1930: Nach vorläufiger Beilegung der ersten Stennes-Revolte war das Haus Schauplatz einer großen Versöhnungsversammlung zwischen Teilen der Berliner SA und der politischen Führung der Partei.
    • Zuvor war Ende August 1930 ein Aufstand revolutionär gesinnter Elemente der Berliner SA gegen die Parteileitung der NSDAP und die Leitung der Parteiorganisation in Berlin ausgebrochen. Grund war, dass die sich erhebenden SA-Leute im politischen Flügel der „Bewegung“ (der Parteiorganisation der NSDAP) einen zu legal-parlamentarisch orientierten politischen Kurs sahen. Nachdem Hitler durch Zugeständnisse (insbesondere einer Erhöhung der finanziellen Zuwendungen an die SA) die Differenzen (vorläufig) überbrückte, erfolgte am Abend des 1. September 1930 die besagte Versammlung im Kriegervereinsheim mit dem pensionierten General Litzmann als Hauptredner. Auf dem Höhepunkt der Kundgebung reichten Hitler und der Kommandeur der Berliner und ostelbischen SA-Verbände, Walther Stennes, unter dem Jubel der Zuschauer mit den Worten „Für immer“ feierlich einander die Hände, um ihren Willen, in Zukunft stets zusammenzuhalten, zum Ausdruck zu bringen (tatsächlich kam es dann Anfang April 1931 zur endgültigen Abspaltung von Stennes und seinen Gefolgsleuten von der NSDAP).
Commons: Wohn- und Geschäftshaus Chauseestraße 94 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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