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Kulturhaus Babelsberg

ehemaliges Rathaus in Babelsberg, Potsdam, Brandenburg From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Kulturhaus Babelsberg befindet sich im ehemaligen Rathaus Babelsberg in Potsdam, Karl-Liebknecht-Straße 135, an der Kreuzung mit der Rudolf-Breitscheid-Straße. Bis zum 1. April 1938 war das Gebäude als Rathaus Nowawes bekannt.

Das heutige Kulturhaus Babelsberg

Baumerkmale

Es handelt sich um einen dreigeschossigen Bau in Ziegelmauerwerk, der von 1898 bis 1899 nach Entwürfen des Architekten Otto Kerwien in Anlehnung an die mittelalterliche Backsteinarchitektur entstand. Die u. a. mit glasierten Ziegeln und skulptierten Sandsteinelementen reich geschmückten Schaufassaden werden von einem ins Oktogon überführten, die Kreuzung zur Rudolf-Breitscheid-Straße beherrschenden Eckturm überragt.[1]

Geschichte

Radierung Rathaus Nowawes um 1900 – Repro Archiv Kulturhaus Babelsberg

Die Gemeindevertretung von Nowawes beschloss den Kauf des Grundstücks an der Ecke Priesterstraße / Lindenstraße (Gasthaus Göhlsdorf) für den Bau eines neuen Gemeindehauses. Im August oder September 1898 erhielt der Potsdamer Architekt Otto Kerwien[2] den Bauauftrag und die Erdarbeiten begannen. Im Dezember 1898 fand die feierliche Grundsteinlegung statt; in die Zeitkapsel wurde u. a. ein Dokument mit der Geschichte der Weberkolonie Nowawes gegeben. Am 19. Januar 1900 wurde das Amts- und Gemeindehaus durch den Gemeindevorsteher Ernst Winkelmann und in Anwesenheit des Landrats Ernst von Stubenrauch eingeweiht.

Am 7. April 1907 wurden die Gemeinden Nowawes und Neuendorf unter dem Namen Nowawes vereinigt. Im Januar 1910 zogen die letzten Beamten des alten Neuendorfer Rathauses in das neue Rathaus Nowawes. In den Jahren von 1919 bis 1923 waren in den Kellerräumen eine Kinder- und Säuglingsstation und die Stadtdruckerei untergebracht. Am 1. April 1938 wurde Neu-Babelsberg ebenfalls eingemeindet. Die Stadt Nowawes (Stadtrecht seit 1924) wurde in Babelsberg umbenannt; sie hatte zu dieser Zeit ca. 35.000 Einwohner. Genau ein Jahr später wurde Babelsberg an Potsdam angegliedert und das Rathaus verlor seine Funktion als Verwaltungssitz.[3][4]

Während des Ersten Weltkriegs wurden Teile des Gebäudes als Reservelazarett genutzt. Des Weiteren befand sich eine Zweigstelle der städtischen Bibliothek im Haus, und im ersten Geschoss war eine Filiale der Sparkasse untergebracht. In den 1950er Jahren waren in dem Gebäude unter anderem das Standesamt, eine Zweigstelle des Hygiene- und Gesundheitsamtes sowie weiterhin die Bibliothekszweigstelle untergebracht.

In einer Szene des Filmes Die Feuerzangenbowle (1944) wird der Turm des damaligen Rathauses Babelsberg gezeigt, als Professor Crey morgens die Uhrzeit mit Blick auf die Turmuhr abgleicht (Minute 83).

Milchbar in den 1960er Jahren (Foto: Archiv Kulturhaus Babelsberg)

Im Jahr 1956 wurde das Rathaus nach einem Beschluss des Rates der Stadt zum Klubhaus umgestaltet und entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem Kulturstandort des Stadtteils. Im Mai 1974 wurde dem Haus der Name „Herbert Ritter“ verliehen, nach einem 1931 von einem Nationalsozialisten ermordeten kommunistischen Jugendlichen. Die Bemühungen um den Namen Bertolt Brecht waren erfolglos, da die Brecht-Erben ihre Zustimmung verweigerten.[5]

Nach dem Mauerfall verfiel das Haus und mit ihm auch die bisherigen kulturellen Strukturen. In den 1990er Jahren wurde das Haus als Stadtteil-, Kultur- und Bürgerzentrum etabliert. Bis in die Mitte der 1990er Jahre wurden Sanierungsmaßnahmen im Innen- und Außenbereich des Hauses durchgeführt.[6]

Heute

Lounge nach der Sanierung des Hauses 2011 (Foto: André Looft)

Ab dem Sommer 2005 übernahm der AWO-Bezirksverband Potsdam e. V. die Trägerschaft des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes. Es dient seither als Kultur- und Begegnungszentrum für alle Generationen. Neben den Veranstaltungsräumen bietet es Platz für weitere ansässige Vereine und Institutionen. Im 3. Obergeschoss ist die Kunstschule Potsdam e. V. untergebracht, im 2. Obergeschoss die Horteinrichtung „AKI“ der AWO Kinder- und Jugendhilfe e. V., im 1. Obergeschoss Probe- und Büroräume des Theaterschiff Potsdam e. V. und das Büro des Förderkreises Böhmisches Dorf Nowawes und Neuendorf e. V. Von April 2010 bis Januar 2011 wurde das Kulturhaus Babelsberg mit Geldern aus dem Konjunkturpaket II durch den Sanierungsträger Stadtkontor saniert, dazu gehörten u. a. Brandschutzmaßnahmen, Barrierefreiheit, der Anbau eines Fahrstuhls, Erneuerung des Hofs und der technischen Anlagen. Das Haus musste während der Corona-Pandemie außerhalb eines schmalspurigen Programms und Nothilfeangebote erstmals seit 1956 für viele Monate schließen.

Kulturelle Angebote

Das Kulturhaus Babelsberg lädt im Normalbetrieb zu verschiedenen Veranstaltungen, Projekten, Kursen und Workshops ein. Sie werden zum einen vom AWO-Bezirksverband Potsdam e. V. – als Träger des Hauses – und zum anderen von Vereinen, die als freie Kulturträger im Haus beheimatet sind, durchgeführt. Darüber hinaus besteht auch für Vereine, Initiativ- und Bürgergruppen sowie für Familien und Einzelpersonen die Möglichkeit, Räume zu mieten und Veranstaltungen selbst organisiert durchzuführen.

Filmvorführung im Hof des Kulturhauses (Foto: André Looft)

Zum Repertoire gehören traditionsgemäß Konzertveranstaltungen, Puppenspiel, Improvisationstheater, ein Kursprogramm mit Bewegungskursen, Musikunterricht, Computerschule, Theater / Schauspiel, Malen, Zeichnen, Töpfern, Fotografieren, Kochen und vor allem auch Open-Air-Feste und Filmvorführungen.[7]

Commons: Kulturhaus Babelsberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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