Kunsthalle Emden

Museum in Emden, Ostfriesland, Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Kunsthalle Emden (Stiftung Henri und Eske Nannen und Schenkung Otto van de Loo) ist ein Museum für Kunst der Moderne und Gegenwart in der Seehafenstadt Emden (Ostfriesland). Es wurde 1986 von Henri Nannen gestiftet. Durch eine Schenkung des Münchner Galeristen und Sammlers Otto van de Loo wurde die Kunstsammlung erweitert, was Erweiterungsbauten notwendig machte. Das im ortstypischen Klinker gehaltene Gebäudeensemble wurde von dem Architektenpaar Friedrich und Ingeborg Spengelin aus Hannover entworfen. Die Kunsthalle ist Mitglied im Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute, einem Verbund von 37 national und international angesehenen, selbständigen Kultur- und Forschungsinstituten, die durch eine wertvolle Sammlung in besonderem Maße die Qualität und Vielfalt des kulturellen Deutschland repräsentieren.

Logo der Kunsthalle Emden
Die Kunsthalle in Emden, im Juli 2022
Malschule und Café & Restaurant Henri’s (2023)

Die Kunsthalle verfügt über etwa 1700 Kunstwerke, etwa 650 hatte Henri Nannen bei der Gründung selbst eingebracht. Allein 368 weitere kamen seit 2001 durch Ankäufe und Schenkungen hinzu.[1]

Geschichte

Die Planungen für die Kunsthalle begannen 1983. Nannen spendete sein gesamtes, während seines Wirkens als Stern-Chef erarbeitetes Vermögen. Er brachte seine eigene umfangreiche Kunstsammlung – Bilder und Skulpturen vor allem aus der Zeit des Expressionismus – in das Haus ein. Nannen erklärte später in Zeitungsinterviews, dass er in dieser Zeit oft gefragt worden sei, warum er die Kunsthalle in Emden gebaut habe und nicht in Hamburg, wo er lange Zeit gelebt und gearbeitet hatte. Er begründete seine Entscheidung sinngemäß damit, dass er in Hamburg nur eine weitere Kunsthalle eröffnet hätte, in Emden hingegen das einzige Museum dieser Art. In der Stadt hatte Nannen dabei durchaus Skeptiker zu überzeugen. Für sein Lebenswerk, insbesondere für die Errichtung der Kunsthalle, wurde Nannen später mit der Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt ausgezeichnet. Die Kunsthalle ist neben dem Ostfriesischen Landesmuseum und der Johannes a Lasco Bibliothek die herausragende kulturelle Einrichtung Emdens und wird vielfach als kultureller Leuchtturm der Region hervorgehoben.

Am 3. Oktober 1986 wurde die Kunsthalle vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker eröffnet, der an dem Haus die menschlichen Dimensionen rühmte. Das Museum hat einen Sammlungsschwerpunkt auf Bildern der Neuen Sachlichkeit und des deutschen Expressionismus, unter anderem mit Werken von Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein und Emil Nolde. Die Kunst des Informel, die gestische Abstraktion der deutschen Nachkriegskunst sowie Kunst aus der damaligen UdSSR sind durch die Sammlungskonvolute der Stiftung Henri und Eske Nannen und Schenkung Otto van de Loo in besonderem Maße vertreten.

Henri Nannen war bis zu seinem Tod 1996 Mitglied im Stiftungsrat der Kunsthalle, hatte aber keine offizielle Leitungsfunktion. Eske Nannen, seine Ehefrau, war ab der Gründung der Stiftung Henri und Eske Nannen und Schenkung Otto van de Loo (der Name Stiftung Henri Nannen wurde später erweitert) zunächst Geschäftsführerin und später geschäftsführendes Vorstandsmitglied. Seit 2017 waren Stefan Borchardt und Michael Kühn gemeinsam Stiftungsvorstand. Eske Nannen wechselte als ehrenamtliche Vorsitzende in den Aufsichtsrat.[2] Die wissenschaftliche Leitung übernahm die Kunsthistorikerin Lisa Felicitas Mattheis.

Wissenschaftlich wurde die Kunsthalle erst von Thorsten Rodiek, dann bis 2006 von Achim Sommer geleitet, der Direktor des Max Ernst Museum Brühl des LVR wurde. Von 2006 bis 2010 war Nils Ohlsen wissenschaftlicher Leiter. Nachfolger von Ohlsen war seit Oktober 2011 der Kunsthistoriker Frank Schmidt,[3] der Anfang 2016 die Leitung der Museen Böttcherstraße in Bremen übernahm. Eske Nannen hatte die Stiftung seit Henri Nannens Tod 1996 geleitet. Unterstützt wird das Museum durch den gemeinnützigen Verein Freunde der Kunsthalle – Kunstverein in Ostfriesland e. V. Im April 2006 begannen Modernisierungs- und Umbauarbeiten, die zwanzig Monate andauerten. Die neue Kunsthalle wurde am 2. Dezember 2007 mit der Ausstellung „Garten Eden – Der Garten in der Kunst seit 1900“ wiedereröffnet. Der Kunsthalle in Emden ist eine Malschule für Kinder angeschlossen.

Die Kunsthalle Emden ist ein von mehreren Bildungseinrichtungen genutzter außerschulischer Lernort.[4][5]

2019 wurde das Museum mit dem Museumsgütesiegel des Museumsverbands Niedersachsen und Bremen e. V. ausgezeichnet.[6]

Im November 2020 legte Stefan Borchard seine Ämter nieder.[7] Der Vorstand bestand zwischenzeitlich allein aus Michael Kühn. Seit Februar 2021 ist der Vorstand wieder vollständig mit Michael Kühn als Vorstandsvorsitzendem und kaufmännischem Direktor sowie Lisa Felicitas Mattheis als Vorständin und wissenschaftlicher Direktorin der Stiftung Henri und Eske Nannen und Schenkung Otto van de Loo.[8] Im September 2025 übernahmen die Kunsthistorikerinnen Ina Grätz und Silke Oldenburg als Direktorinnen die wissenschaftliche Leitung der Emder Kunsthalle. Sie führen das Haus gemeinsam mit dem kaufmännischen Direktor Christian Rose.[9]

Im 40. Jahr des Bestehens zeigt die Kunsthalle seit April 2026 in der Jubiläumsausstellung Bilder, die wir lieben 200 expressionistische und zeitgenössische Werke sowie solche der Nachkriegszeit aus der rund 1700 Arbeiten umfassenden Sammlung. Der 2026er Titel ist angelehnt an die von Henri Nannen in den 1980er Jahren kuratierte Ausstellung Bilder, die ich liebe.[10] Bundeskanzler Frank-Walter Steinmeier hob in seiner Eröffnungsrede Nannens „radikale[s] Bekenntnis zur Subjektivität“ hervor. An dem, was ihn im Inneren angerührt habe, habe er andere teilhaben lassen wollen.[11]

Panoramaaufnahme der Kunsthalle Emden
Panoramaaufnahme der Kunsthalle Emden April 2008

Förderung und Finanzierung

Die Kunsthalle Emden wird durch das Land Niedersachsen finanziell gefördert. So übernahm das Land 2012 Altschulden in Höhe von 300.000 Euro aus der letzten Bauphase[12]. Zudem beteiligt sich das Land an den Unterhaltskosten der Kunsthalle. Sie erhält seit 2014 einen jährlichen Zuschuss von 850.000 Euro.[13]

Das Vermittlungsprojekt „Auf Augenhöhe“ wurde 2012 mit dem BKM-Preis Kulturelle Bildung ausgezeichnet. Der Verein Freunde der Kunsthalle hat mittlerweile 1154 Mitglieder.[14] 255 von ihnen gehören der Unterabteilung „Junge Freunde der Kunsthalle“ an. 2004 hatten sich die Ludolf-Backhuysen-Gesellschaft, die sich ebenfalls der Kunstförderung in der Seehafenstadt verschrieben hatte, und der zum damaligen Zeitpunkt bereits bestehende Verein Freunde der Kunsthalle zusammengetan. Seither firmiert der Verein unter seinem heutigen Namen. Die Freunde der Kunsthalle ermöglichen durch ihren Jahresbeitrag sowie durch weitere Schenkungen den Ankauf von Gemälden. So wurde in den 1980er-Jahren ein „Abstraktes Bild“ von Gerhard Richter angeschafft, dessen Wert sich auf ein Vielfaches der Ankaufskosten steigerte. Durch die Zuwendungen der Freunde der Kunsthalle werden zudem befristete Stellen beim Personal ebenso bezuschusst wie der Druck von Katalogen.

Ausstellungen

Ausstellungen (Auswahl)

Zu den herausragenden Ausstellungen gehörten:[15]

Franz Marcs Gemälde Die blauen Fohlen aus dem Jahr 1913 gehört zur Sammlung der Kunsthalle. Im Sommer 2013 wurde eine bisher unbekannte Katzenstudie des Künstlers unter diesem Bild gefunden und ab Oktober ausgestellt.[16]
  • 2022: Mythos Wald. Das Flüstern der Blätter
  • 2023: HIER BIN ICH! Künstlerinnenselbstporträt
  • 2023: Jan Pleitner: Jenseits der Leere
  • 2024: Bilder wie Energiemaschinen. Otto van de Loo zum Hundertsten
  • 2025/26: Armin Mueller-Stahl. Nacht und Tag auf der Erde
  • 2026: Bilder, die wir lieben. 40 Jahre Kunsthalle Emden

Einzelnachweise

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