Kursdorf (Schkeuditz)

Ortsteil von Schkeuditz From Wikipedia, the free encyclopedia

Kursdorf (amtliche Schreibweise bis 1937 Cursdorf[2]) ist ein Stadtteil der sächsischen Stadt Schkeuditz im Landkreis Nordsachsen. Aufgrund der Erweiterungen des Flughafens Leipzig/Halle und seiner Lage entwickelte sich der Ort in den letzten Jahrzehnten zu einem Geisterdorf.

Schnelle Fakten Große Kreisstadt Schkeuditz ...
Kursdorf
Große Kreisstadt Schkeuditz
Koordinaten: 51° 25′ N, 12° 14′ O
Höhe: 135 m
Einwohner: 0 (2018)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1994
Postleitzahl: 04435
Vorwahl: 034204
Kursdorf (Sachsen)
Kursdorf (Sachsen)
Lage von Kursdorf in Sachsen
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Ortsansicht, 2010

Geografie

Lage

Kursdorf liegt etwa 13,5 Kilometer nordwestlich von Leipzig, nahe der Landesgrenze Sachsen–Sachsen-Anhalt. Der Ort ist vollständig von den Anlagen des Flughafens Leipzig/Halle umschlossen. In unmittelbarer Nähe des Ortes verlaufen die A14 und die Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle.

Nachbarorte

Werlitzsch Glesien Gerbisdorf
Beuditz Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Freiroda
Schkeuditz

Geschichte

Kirche, dahinter der Tower des Flughafens
Flughafen Leipzig/Halle, Blick nach Kursdorf (2018)

Die erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1497 als Kunsstorf.[3] Kursdorf (ebenfalls gebräuchliche Schreibweise bis 1815: Cursdorf) gehörte bis 1815 zum hochstift-merseburgischen Amt Schkeuditz, das seit 1561 unter kursächsischer Hoheit stand und zwischen 1656/57 und 1738 zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg gehörte.[4] Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses wurde Kursdorf mit dem Westteil des Amts Schkeuditz im Jahr 1815 an Preußen abgetreten. Bei der politischen Neuordnung Preußens wurde der Ort 1816 dem Kreis Merseburg[5] im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem er bis 1952 gehörte. August Schumann nennt 1818 im Staatslexikon von Sachsen Kursdorf betreffend u. a.:

„Es hat 26 Häuser, 150 Einwohner und eine Pfarrkirche, an welcher der Diakon zu Schkeuditz zugleich Pfarrer ist. Die hiesige Gemeinde hatte in älteren Zeiten ihren eigenen Pfarrer, wovon noch die Pfarrwohnung übrig ist.“[6]

Bei der Kreisreform in der DDR wurde Kursdorf im Jahr 1952 dem Kreis Leipzig-Land im Bezirk Leipzig zugeteilt, der 1994 zum Landkreis Leipziger Land kam. Im selben Jahr erfolgte die Eingemeindung nach Schkeuditz, mit dem der Ort 1999 zum Landkreis Delitzsch und 2008 zum Landkreis Nordsachsen kam.

Ende der 1990er Jahre setzte die letzte Wegzugswelle ein und seit 2017 hat Kursdorf keine Einwohner mehr. Gründe für den Wegzug sind die hohen Schadstoff- und Lärmbelastungen. Auf dem die Ortschaft umschließenden Flughafen, bei dem es sich um den zweitgrößten Fracht-Flughafen Deutschlands handelt, gilt nur für Passagierflüge ein sechsstündiges Nachtflugverbot. Frachtflüge dürfen rund um die Uhr stattfinden.[7] 2020 gab es dort pro Nacht etwa 180 Flugbewegungen.[8]

Die Kursdorfer Kirche aus dem 14. Jahrhundert wurde erst 2001 restauriert und birgt eine, ebenfalls restaurierte, Orgel von Wilhelm Rühlmann.[9]

Bevölkerungsentwicklung

Weitere Informationen Jahr, Einwohnerzahl ...
JahrEinwohnerzahl[3][10][1]
156819 besessene Mann, 24 ½ Hufen
171624 besessene Mann, 13 ½ Hufen
176423 besessene Mann, 2 Häusler, 47 Hufen
1818181
1880190
1895299
1910398
JahrEinwohnerzahl
1925439
1939433
1946527
1950537
1964407
1990271
2001202
JahrEinwohnerzahl
2002197
2006119
200760
200937
201123
201312
201510
2017 0
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Kulturdenkmale

In der Liste der Kulturdenkmale in Schkeuditz sind für Kursdorf vier Kulturdenkmale aufgeführt.

Trivia

Lage von Kursdorf inmitten des Geländes des Flughafens Leipzig/Halle

Die geografische Lage des Ortes inmitten eines Flughafengeländes und die daraus resultierenden Lebensumstände dienten als Vorlage für das Theaterstück Start- und Landebahn des Dramatikers und gebürtigen Schkeuditzers Dirk Laucke (Koautor David Richter). Die Uraufführung fand am 16. Mai 2010 im Theater Osnabrück statt.[11]

Einzelnachweise

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