Kurt Kroch
deutscher Rechtsanwalt und Notar
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Kurt Isaac Kroch (* 30. März 1884 in Leipzig; † 26. April 1960 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Rechtsanwalt und Notar. Er entstammte der jüdischen Unternehmer- und Stifterfamilie Kroch, deren Mitglieder seit dem 19. Jahrhundert bedeutende Rollen im Wirtschafts- und Stadtleben von Leipzig spielten. Kroch wurde nach den Novemberpogromen 1938 im KZ Buchenwald inhaftiert, emigrierte anschließend in die Schweiz und kehrte nach 1945 nach Deutschland zurück.
Leben
Kurt Isaac Kroch wurde 1884 in Leipzig als Sohn des Kaufmanns Martin Samuel Kroch (1853–1926) geboren.[1] Die Familie hatte seit der Mitte des 19. Jahrhunderts einen Getreide- und Mehlgroßhandel aufgebaut und war später in Bank- und Immobiliengeschäfte eingestiegen. Kroch wuchs gemeinsam mit seinen Brüdern Hans Kroch (1887–1970), dem späteren Bankier und Bauherrn des Krochhochhauses, und Fritz Kroch (1893–1977), Direktor der Kühl-Transit AG, auf.[2]
Kroch studierte ab 1903 Rechtswissenschaften[3]. Nach der Promotion 1917 als Dr. jur. ließ er sich in Leipzig als Rechtsanwalt und Notar nieder. In städtischen Archivalien wird er zudem als Beteiligter verschiedener Bau- und Grundstücksgesellschaften geführt; u. a. als Käufer und Stifter des Wohnhauses Mozartstraße 17 sowie als einen der Stifter des Krochhauses am Augustusplatz[4].
Kurt Isaac Kroch war Mitglied der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Leipzig.[5]
Verfolgung im Nationalsozialismus
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 geriet die Familie Kroch zunehmend unter Druck. Am 10. November 1938, unmittelbar nach den Novemberpogromen, wurden Kurt Kroch und sein Bruder Hans verhaftet. Kurt Kroch wurde mit seinem Bruder in das KZ Buchenwald deportiert. Später wurde Hans ins KZ Sachsenhausen verbracht.
Die Entlassung der Brüder wurde erzwungen, nachdem Hans Kroch eine Verzichtserklärung auf das gesamte Gesellschaftsvermögen des Bankhauses Kroch sowie weitere Geschäftsanteile unterschreiben musste.
Zwischen 1939 und 1942 gelang Kurt Kroch mit seiner Familie die Flucht in die Schweiz.
Im Zuge der „Arisierung“ verlor die Familie ihr gesamtes Vermögen. Leipziger Grundstücke der Familie wurden in dieser Zeit durch Behörden im Auftrag der „Eigentümer im Ausland“ verwaltet, was in Verfahren des Sächsischen Staatsarchivs dokumentiert ist.[6]
Rückkehr nach Deutschland
Familie
Kurt Kroch war mit Lily Kroch, geb. Rummelsburg (1891), verheiratet.[8] Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor:
- Horst Kroch (* 1914 in Leipzig), der 1938 nach England emigrierte, dort als Journalist und später Bankier tätig war und 1954 mit seiner Familie nach Deutschland zurückkehrte.[9]
- Heinz Justus (Henry) Kroch (* 1920 Leipzig; † 2011), später walisischer Unternehmer und Vorsitzender des Elektronikkonzerns AB Electronics.[10]
Kroch war Großvater von Howard M. S. Kroch (* 1947 in Manchester), der als Publizist, Ökonom und Vertreter der jüdischen Erinnerungskultur in Leipzig hervorgetreten ist.[11]