Kurt Razelli

österreichischer Musikproduzent From Wikipedia, the free encyclopedia

Kurt Razelli (* 1987 oder 1988)[1] ist ein österreichischer Mashup-Künstler, Webvideoproduzent und Musiker, der vor allem für seine satirischen TV-Samplings bekannt geworden ist.

Als Betreiber eines YouTube-Kanals hat er über 50.000 Abonnenten. Der größte Erfolg dort ist der Wien Song mit über 600 000 Klicks.

Kurt Razelli

Leben

Als Kind lernte Razelli Schlagzeug und brachte sich später das Spielen auf dem Keyboard bei. Er absolvierte eine Ausbildung als Tontechniker an einem SAE Institute. Razellis Wirkungsfeld ist stark auf Österreich und dessen Medienlandschaft zugeschnitten. Um 2010 veröffentlichte der Musiker erstmals Videos auf YouTube. Da ihm nach eigenen Aussagen die Texte und Vocals fehlten, begann er aus Interviews, Reportagen und politischem Material markante Aussagen zu sampeln und diese mit eigenen, oft tanzbaren Beats zu unterlegen.

Er schneidet kurze Sprachsamples aus TV-Ausschnitten von Politikern, Prominenten und normalen Bürgern heraus. Die so entstandenen Sprachfragmente wiederholt er rhythmisch und mischt sie mit seiner Musik, wodurch einzigartige Tracks entstehen. Seine Werke decken verschiedene Musikgenres ab, von Hip-Hop bis Eurodance. Als Ausgangsmaterial dienen ihm oft österreichische Formate wie die ORF-Sendung Alltagsgeschichten oder ATV-Produktionen wie Wir leben im Gemeindebau. Die Kombination aus skurrilen Aussagen und eingängiger Musik erzeugt einen humorvollen bis satirischen Effekt, der oft als „Austrotrash“ bezeichnet wird.

Der lautstarke Ausruf „Schokozuckerl!“ (Österreichisch für Schokoladenbonbon) des damaligen BZÖ-Abgeordneten Gerald Grosz über die Aktion eines ÖVP-Abgeordneten schnitt Razelli 2012 zu einem zweieinhalbminütigen Video zusammen und unterlegte es mit seinen Beats. Mit diesem Beitrag wurde er einem breiten Publikum in Österreich bekannt.

Mit Matthias Strolz veröffentlichte er 2018 das Album Lost in Space und 2023 das Album Back to Earth.[2] 2022 arbeitete er mit Austrofred zusammen.[3][4]

Erfolge der Kurt-Razelli-Songs

Razelli entscheidet je nach Sprechweise des Charakters, ob er einen Hip-Hop-Track oder einen der Disco-Song zum Videomaterial beisteuert. Nach eigenen Angaben verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Komponieren von Jingles und Musik für Werbespots. Die Kurt-Razelli-Songs seien bloßes Hobby. Im Gegensatz zu vielen anderen Youtubern erzielt er aus seiner Arbeit im Internet Gewinne lediglich über Merchandising sowie die daraus resultierenden gelegentlich Auftritte als DJ. Kommerzielle Anfragen – etwa für Werbekampagnen – lehnte er immer wieder ab. Sein Kanal Mister Kurt Russel auf YouTube hat (Stand 04/2023)[5] 35.400 Abonnenten und 11.288.720 Aufrufe. Das vermutlich meistgeklickte und populärste Video ist wohl der „General Stronach Song“, der aus einem Interview Frank Stronachs anlässlich der Gründung seiner Partei Team Stronach für Österreich resultierte. Die große Popularität in Österreich bescherte Razelli ab 2014 Liveauftritte, die von ihm jedoch sehr bewusst ausgewählt werden. Beispielsweise trat er im Rahmen des Popfestivals Wien 2015 vor großem Publikum auf und mixte seine Songs live ab.

Rezeption

Razelli wird vom Feuilleton beachtet. Unter anderem wurde für ihn der Begriff des Austrotrash geprägt. Razellis Vorgehen, Clips und Aussagen diverser Darsteller, Politiker oder anderen Figuren aus der heimischen Szene zu samplen und aneinander zu reihen, sodass sie tanzbar sind, findet Beachtung. Der Humor, der in den Arbeiten steckt, wird immer wieder positiv bewertet. Ausgangsmaterial findet er häufig in der ORF-Serie Alltagsgeschichten und Das Geschäft mit der Liebe oder Wir leben im Gemeindebau auf ATV.

„Gecuttet und remixt werden die voyeuristischen Originalclips dann zu einem Stück postmoderner Kultur veredelt.“

„Alltagsgeschichten und ihre Protagonisten sind es auch, die Razelli besonders häufig aufgreift. Doch während Elizabeth T. Spira die Menschen einfach zum Reden animiert, auch den einen oder anderen Moment der Stille zulässt, komprimiert Razelli ein, zwei Aussagen. Wiederholt sie immer und immer wieder. Und bringt so die Persönlichkeit hinter der Aussage teils sehr drastisch auf den Punkt.“

„Irgendwer muss sich den ganzen Scheiß im Fernsehen ja anschauen. Kurt Razelli erledigt für uns nun schon seit drei Jahren diese dreckige Arbeit und destilliert sie in tanzbare Tracks.“

Popfestival Wien[8]

2015 veröffentlichte Razelli unter eigenem Label eine CD mit dem Titel Der HA HA Effekt. Da jedoch der optische Eindruck der Videos fehlte, blieben die Absatzzahlen relativ gering.

Person

Razelli tritt nur unter seinem Pseudonym auf und verschleiert seine wahre Existenz, über die nichts in der Öffentlichkeit bekannt ist. Sein Vorname sei Kurt, aber der Nachname frei erfunden. Auch über seine Nationalität schweigt er sich aus. Merkmal seiner Arbeit ist die Anonymität, aktuell trägt er bei Terminen eine Maske von Arnold Schwarzenegger. Dies alles gehört zum Gesamtkonzept, denn Kurt Razelli soll nach seinen eigenen Worten eine Kunstfigur sein und auch bleiben.

Werke (Auswahl)

  • General Stronach Song: Einer seiner bekanntesten Tracks, entstanden aus einem Interview mit Frank Stronach.
  • Schokozuckerl: Mit diesem Stück, basierend auf einem Ausruf des Politikers Gerald Grosz, wurde er einem größeren Publikum bekannt.
  • Wien-Song: Einer seiner bekanntesten Tracks, als Ausgangsmaterial diente die ORF-Sendung Alltagsgeschichte „Am Brunnenmarkt“

Kooperationen

  • Philipp Hochmair: Mit dem Schauspieler entwickelte er den Jedermann Razelli Remix, eine Clubversion des klassischen Theaterstoffs von Hofmannsthal, die er seit 2022 mit Hochmair gemeinsam auf diversen Bühne performt. Das Album wurde bereits 2020 veröffentlicht (Jedermann Razelli RMX).
  • Austrofred: Gemeinsam mit dem „Champion“ veröffentlichte er 2022 das Album Life is Laff und 2026 Sanfte Krieger. Zusammen schufen sie die inoffizielle Oberösterreichische Landeshymne „VOEST“
  • Matthias Strolz: Mit dem ehemaligen NEOS-Chef veröffentlichte er die Alben Lost in Space (2018) und Back to Earth (2023). Kult-Status bekam der Song Das ist nicht OK, wo Kurt Razelli eine Parlamentsrede von Matthias Strolz in einen Hit verwandelte.
Commons: Kurt Razelli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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