Kvarken

Teil des Bottnischen Meerbusens zwischen Finnland und Schweden From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Kvarken (schwedisch für: Der Kvark, ein älteres Synonym für „Hals“), Kvark (ohne den angehängten Artikel -en)[1] oder Merenkurkku (finnisch), englisch auch Quark, werden die beiden seichten Meerengen bezeichnet, die den Bottnischen Meerbusen in ein hydrographisch unterscheidbares Südbecken, die Bottensee, und ein Nordbecken, die Bottenwiek, unterteilen und den Wasseraustausch mit der eigentlichen Ostsee regulieren. Diese Engstellen sind von entscheidender Bedeutung für die Schichtung und die ökologischen Bedingungen im nördlichsten Teil der Ostsee.[2]

Nordkvarken zwischen Umeå und Vaasa, Südkvarken zwischen Åland-Inseln und schwedischem Festland.
Kvarken vor Vaasa

Manchmal bezieht sich die Bezeichnung „Kvark(en)“ nur auf den Nordkvark, und es kann zu Verwechslungen mit dem Südkvark(en) (finnisch Ahvenanrauma, „Ålandstraße“) kommen. Letzterer ist der schmalste und nördlichste Teil der Ålandsee zwischen Åland und dem Öregrund-Archipel und trennt die Ålandsee von der Bottensee. Norra Kvarken gehört zum Welterbe.

Der westlichste Teil zwischen den Holminseln und dem schwedischen Festland wird auch Västra Kvarken genannt, während der östlichste Teil Östra Kvarken heißt.

Geographie

Die Kvarks bilden die beiden natürlichen Engstellen, die den Bottnischen Meerbusen in seine drei Hauptbecken unterteilen: die Ålandsee im Süden, die Bottensee und die Bottenwiek im Norden. Geographisch erstrecken sie sich über den nördlichsten Teil des Ostsee-Hauptbeckens und markieren den Übergang zu den extrem brackigen Gewässern des hohen Nordens.

Südkvark (schwedisch Södra Kvarken, finnisch Ahvenanrauma, „Åland-Sund“) ist der nördliche Teil des Ålandmeeres, gelegen östlich des Öregrund-Archipels und nordwestlich der Åland-Inseln, einem autonomen, schwedischsprachigen Gebiet Finnlands. Diese Region ist geprägt durch eine ausgedehnte und komplexe Schärenlandschaft mit Tausenden Inseln, die die Navigation erschweren, aber auch einen einzigartigen Lebensraum bilden. Nördlich dieser Inselwelt öffnet sich Südkvark, die schmale Meerenge, die das Ålandmeer mit der Bottensee verbindet. Der Südkvark stellt den wichtigsten Tiefenwasserpfad zwischen dem Ålandmeer und der zentralen Ostsee dar; hier werden Wassertiefen bis über 200 m erreicht, wodurch salzreicheres Wasser in den nördlichen Meerbusen eindringen kann.[3] Diese Verbindung beeinflusst die chemische und physikalische Struktur des gesamten Bottnischen Meerbusens.

Nordkvark (schwedisch Norra Kvarken, finnisch Merenkurkku, „Meereshals“) befindet sich etwa 150 Kilometer weiter nördlich und stellt die engste Verbindung im gesamten Bottnischen Meerbusen dar. Er spannt sich zwischen Umeå (Schweden) und Vaasa (Finnland) auf; an seiner schmalsten Stelle beträgt die Entfernung nur etwa 25 Kilometer. Diese Passage wird durch die flache Inselgruppe Björkögrundet in den Westkvark und den Ostkvark unterteilt. Die gesamte Region ist durch flache Gewässer und eine weitläufige postglaziale Landhebungszone charakterisiert, in der neue Inseln kontinuierlich entstehen.[4] Die Landhebung beträgt hier durchschnittlich 8–9 mm pro Jahr und gehört zu den höchsten weltweit. Der Prozess führt zu einer raschen Veränderung der Küstenlinie und zu typischen geologischen Formen wie De-Geer-Moränen (Spaltenfüllungen des abschmelzenden Eisschildes) und Flad-Glo-Lagunen, die als natürliche Entwicklungsabfolge vom Meer zum Süßwassersee gelten.[5]

Am 12. Juli 2006 wurden Teile des finnischen Kvarken als natürliche Fortsetzung des Gebietes Höga Kusten in das UNESCO-Welterbe aufgenommen; die Welterbestätte heißt seitdem Schärenküste – Kvarken-Archipel.

Ozeanographie und Hydrologie

Als Südkvark wird die nördlich der Åland-Inseln gelegene, tiefere und hydrographisch wichtigste Verbindung bezeichnet. Die Hauptrinne, das Ålandtief, erreicht hier Tiefen von über 200 Metern und ermöglicht den Zufluss von salzreicherem Tiefenwasser aus der zentralen Ostsee in den Bottnischen Meerbusen.[3] Diese Passage ist für den Tiefenwasseraustausch verantwortlich und bestimmt die Sauerstoffversorgung der nördlichen Becken.[6] Das hydrologische Gefälle führt zu einem ausgeprägten Salinitätsgradienten: Im Südkvark liegt der Salzgehalt bei etwa 5–6 Practical Salinity Units (PSU), während er im Nordkvark auf 3 PSU und in der nördlichen Bottenwiek auf unter 2 PSU absinkt.[5] Diese Unterschiede sind entscheidend für die dortige Schichtung und den Artenbestand.

Nordkvark, etwa 150 km nördlich gelegen, ist die flachere Verbindung zwischen Umeå und Vaasa. Mit einer maximalen Tiefe von nur etwa 25 Metern wirkt er als Engpass und Filter für den Wasseraustausch.[2] Er hemmt den Zufluss von salzhaltigem Wasser aus dem Süden und ist der Grund für den sehr niedrigen Salzgehalt der Bottenwiek. Durch die geringe Tiefe wird das Wasser hier stark durchmischt, wodurch sich keine stabile Halokline bildet. Gleichzeitig kann Winddurchmischung den vertikalen Austausch fördern, was Sauerstoffmangel in tieferen Schichten seltener macht als in südlicheren Ostseegebieten.[6]

So weit nördlich, wie der Kvark liegt, dauert die Eissaison von Januar bis April etwa 120 Tage. Infolge der Klimaerwärmung hat sich die durchschnittliche Dauer der Eisbedeckung in den letzten Jahrzehnten jedoch verkürzt, was Auswirkungen auf den Energiehaushalt, die Wasserzirkulation und die Brutgebiete eisabhängiger Arten hat.[7]

Hydrographische und ökologische Bedeutung

Die Kvarks unterbrechen die Ozeanzirkulation und schaffen ein zweistufiges Ästuarsystem. Während der Südkvark eine begrenzte Belüftung der Bottensee ermöglicht, isoliert der flache Nordkvark die Bottenwiek fast vollständig, was zu starker Durchmischung und fehlender permanenter Halokline führt.[4] Diese topographische Gliederung ist verantwortlich für starke ökologische Gradienten und die einzigartigen Lebensgemeinschaften, die an kalte, brackige und nährstoffarme Bedingungen angepasst sind. Die flachen Buchten (sogenannte Flads) im Kvarken entwickeln sich durch Landhebung zu abgetrennten Süßwasserseen (Glo-Seen). Diese Sukzession ist ökologisch bedeutend, da sie eine Vielzahl von Lebensräumen unterschiedlichen Salzgehalts auf engem Raum schafft und die Biodiversität der Region erhöht.[5]

Oceana führte 2011 und 2013 Feldforschungen im südlichen Teil des Kvarks durch.[8] Dabei kamen Unterwasserroboter (ROV), Taucher und Bodenproben zum Einsatz. Die Studien dokumentierten eine Übergangsfauna mit marinen Arten wie Blasentang und Süßwasserarten wie Fontinalis antipyretica, was die Rolle des Kvarken als ökologische Schnittstelle bestätigt.[5]

Gefährdungen und Schutzmaßnahmen

Das Kvarken-Gebiet steht durch Klimawandel, zunehmende Nutzung und Eutrophierung unter wachsendem Druck. Der Rückgang stabiler Eisdecke bedroht die Fortpflanzung der Ringelrobbe (Pusa hispida botnica), während höhere Temperaturen und Flusseinträge die Nährstoffverhältnisse verändern. Auch der Eintrag von Schwermetallen aus sauren Böden in Finnland wurde nachgewiesen.[9] Schiffsverkehr, Hafenbau und Windkraftprojekte im Södra Kvarken können zudem Störungen verursachen, z. B. bei der Ausdehnung und Dicke des Meereises.[10]

Schutzmaßnahmen umfassen den UNESCO-Welterbe-Status des Kvarken-Archipels, Natura-2000-Gebiete und gemeinsame Projekte von Schweden und Finnland, etwa das Interreg-Projekt „Kvarken Flada“ zur Erfassung und Erhaltung empfindlicher Küstenlagunen.[11] Ebenso existieren Managementpläne für nachhaltige Schifffahrt und Tourismus, und die „Green Shipping Corridor“-Initiative[12] zwischen Umeå und Vaasa soll Emissionen reduzieren. Langfristig wird eine flexible Raumplanung empfohlen, die den fortschreitenden Landanstieg berücksichtigt.[13]

Verkehr

Die Orte Umeå und Vaasa sind bereits seit langem durch eine Fährlinie verbunden. Hierbei handelt es sich um die kürzeste Fährverbindung zwischen dem schwedischen und dem finnischen Festland. Sie wurde lange Zeit durch die Fährlinie Vasabåtarna, dann von Silja Line betrieben. Heute fährt über den Kvarken ein Schiff der Wasaline. Die Verbindung wird durch den finnischen Staat subventioniert.

Auf einer Insel in der Mitte des Kvarken liegt ein Leuchtturm, der von Gustave Eiffel entworfen wurde. Dieser ist heute, wie die meisten Leuchttürme Finnlands, automatisiert.

Während des Winterkriegs 1939/40 und zuletzt 1966 und 1970 gab es eine Eisstraße von Finnland nach Schweden durch das Kvarken, also quer über den Bottnischen Meerbusen. Früher wurde die Region im Winter intensiv für den Transport von Postsendungen genutzt, da das Meer jedes Jahr eine feste Eisschicht trug. Von verschiedenen politischen Parteien gab es Vorschläge eine Brücke über das Kvarken zu bauen. Diese Vorschläge sind zurzeit in der Diskussionsphase.

Commons: Kvarken – Sammlung von Bildern und Audiodateien
  • Kvarkenrådet. Offizielle Internetpräsenz des Kvarken-Rats – eine neutrale Kooperationsplattform (englisch, finnisch, schwedisch).
  • Eintrag auf der Website des Welterbezentrums der UNESCO (englisch und französisch).
  • www.kvarken.fiKvarken-Archipel (englisch)

Einzelnachweise

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