Kähnsdorf (Fläming)
Mittelalterliche Siedlung in Brandenburg
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Kähnsdorf war eine mittelalterliche Siedlung südsüdwestlich von Jüterbog, deren Lage heute nur noch durch historische Flurnamen und Kartenüberlieferungen fassbar ist. Die Angaben weisen auf eine Feldmark hin, die heute zum Ortsteil Langenlipsdorf der Gemeinde Niedergörsdorf im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg gehört.[1]
Geografische Lage
Die Wüstung befand sich südwestlich von Langenlipsdorf. Ihre Lage ist durch die Flurnamen Schmiedeberg und Dorfteich angezeigt; bei Langenlipsdorf trägt Flurstück Nr. 7 den Namen Großer Pfuhl. Auf der Karte des Kartographen Seutter um 1740 erscheint bei Oehna die Bezeichnung Kähnsdorff. Um 1800 grenzte die wüste Feldmark im Osten an Langenlipsdorf, im Süden an die Feldmark von Mügeln, im Westen an die von Zellendorf (beide damals in der Provinz Sachsen) und im Norden an die Feldmark von Oehna. Die Feldmark Kähnsdorf war vollständig von der Kreisgrenze umschlossen; ein Teich ist deutlich erkennbar, sowohl auf dem Urmesstischblatt 2246 Jüterbog von 1851 als auch auf der Ausgabe von 1903/1927–35.[2]
Geschichte und Etymologie
Etymologie
Die älteste bekannte Erwähnung stammt aus dem Jahr 1216 als Canisdorp. Eine weitere Nennung findet sich 1373/1375 als Jo. Kenstorp in Jüterbog. Im Jahr 1383 wurde die super wustermarke Kenstorp erwähnt, 1508 erschien die Form Byß in Kenstorff. Im Jahr 1800 wurde die wuste Marck Kehnsdorf erneut bezeugt.[2] Der Name stammt aus dem Slawischen und bedeutet so viel wie “Siedlung eines Mannes namens Kanja”[3].
12. bis 16. Jahrhundert
Kähnsdorf gehörte vor 1216 bis 1817 der Vogtei bzw. dem Amt Jüterbog, danach bis 1872 dem Amt Zinna. Vor 1383 besaßen die Jüterboger Familie Zeuden Hebungen von der wüsten Feldmark (16 Scheffel Roggen), später fiel diese Abgabe an den Landesherrn bzw. das Amt. Im Jahr 1216 wurde Kähnsdorf als Dorf (villa) bezeichnet, ab 1383 bereits als wüste Feldmark.[2]
Kirchlich bestand möglicherweise ursprünglich ein Filialverhältnis zu Oehna. Noch 1555 erhielt der Pfarrer aus Oehna den Zehnten von der Feldmark, musste dafür jedoch 12 Scheffel Korn und 12 Scheffel Hafer an das Kloster Jüterbog liefern. Nach der magdeburgischen Visitation von 1562 entfiel diese Abgabe, und der Pfarrer von Langenlipsdorf beanspruchte den Zehnten.[4]
17. bis 19. Jahrhundert
Im Jahr 1648 war das Gebiet in den Hufen von Langenlipsdorf enthalten. Im Jahr 1661 besaßen in Langenlipsdorf 15 Bauern und ein Kossät jeweils eine Hufe auf der Feldmark Kähnsdorf. Im Jahr 1662 rösteten die Einwohner von Langenlipsdorf Flachs im Pfuhl von Kähnsdorf und wurden angewiesen, diesen zu räumen. Im Jahr 1699 bestand die Feldmark aus 16 Hufen mit sechs bis sieben Scheffel Aussaat; ein Teil war mit Fichten bewachsen.[2] Der Pfarrer erhielt die dreißigste Garbe.[4]
Im Jahr 1721 waren zwei Pfuhle ausgetrocknet, ein weiterer Teil war mit Fichten bestanden; der übrige Acker war in 16 Hufen eingeteilt, die von 16 Männern aus Langenlipsdorf genutzt wurden. Jeder hatte jährlich einen Scheffel Roggen und einen Scheffel Hafer abzugeben. Im Jahr 1747 wurden erneut 16 Hufen erwähnt. Im Jahr 1749 erhielt der Gärtner in Langenlipsdorf die Hütung auf der Feldmark; bis 1665 war sie gegen 15 Scheffel Roggen und 15 Scheffel Hafer als Lasgut vergeben gewesen. Im Jahr 1760 war die Feldmark weiterhin in den Hufen von Langenlipsdorf enthalten.[2]
Im Jahr 1800 wurde die Feldmark auf 350 Scheffel Aussaat berechnet, wovon jedoch zwei Drittel bewaldet waren. Das verbleibende Drittel nutzte die Gemeinde Langenlipsdorf; darauf säten 16 Hufner oder Einwohner jeweils etwa sechs bis sieben Scheffel aus, insgesamt rund 100 Scheffel. Der Gärtner gab davon sowie von bestimmten Einkünften (Raff und Leseholz) 15 Scheffel Korn und 15 Scheffel Rauchhafer an das Amt Jüterbog. Die Pfarrerin von Langenlipsdorf erhielt die 30. Garbe als Zehnten. 1858 gehörte die Feldmark vollständig zu Langenlipsdorf; danach ging sie in dessen Feldmark auf und wurde nicht wieder besiedelt.[2]
Literatur
- Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 248 bis 250.