Königliches Museum für Zentral-Afrika
Museum für Ethnografie, Naturkunde und Geschichte in Tervuren, Belgien
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Das Königliche Museum für Zentral-Afrika (niederländisch Koninklijk Museum voor Midden-Afrika, französisch Musée royal de l’Afrique centrale), seit 2018 offiziell auch AfricaMuseum, früher Museum von Belgisch-Kongo (Museum van Belgisch Congo; Musée du Congo Belge), ist ein Forschungsmuseum in der belgischen Gemeinde Tervuren bei Brüssel.
Ansicht des Museums vom Park aus | |
| Daten | |
|---|---|
| Ort | Tervuren, Belgien |
| Art | |
| Architekt | Charles Girault |
| Eröffnung | 1910 |
| Leitung |
Bart Ouvry
|
| Website | |
| ISIL | BE-TEN00 |
Entstanden ist es im Zuge des belgischen Kolonialismus. Nach und nach wurde es modernisiert, so dass auch teilweise die belgischen Kolonialverbrechen im Kongo angesprochen werden. Dennoch bleibt die Ausgestaltung und der Umgang mit der Vergangenheit ein umstrittenes Thema.
Das Museum war Herausgeber der Fachzeitschrift Annales du Musée (Royal) du Congo Belge.
Geschichte
Im Jahr 1885 hatte König Leopold II. von Belgien auf der Kongokonferenz in Berlin die übrigen europäischen Mächte und die Vereinigten Staaten dazu bewegt, ihm die Aneignung des rohstoffreichen Gebiets des Kongo zu gewähren. Von Europäern war die Region bis dahin nur wenig erschlossen. Weil die Geschäfte im Freistaat Kongo zu Beginn schleppend liefen, musste Leopold vom belgischen Parlament ein Darlehen beantragen und die Belgier vom Nutzen seines Vorhabens überzeugen. Zu diesem Zweck baute er 1897 im Park von Tervuren mehrere kongolesische Dörfer auf. Dort stellte er – in der Art der damals populären Völkerschauen – „echte Afrikaner“ aus und präsentierte sie als Attraktion im Rahmen der Weltausstellung. Die Schau besuchten rund 1,2 Millionen Menschen. Im Jahr darauf gründete Leopold das Museum.[1]
Die seit 1957 gezeigte Hauptausstellung des unmittelbar im Norden des Parks von Tervuren gelegenen Museums konzentrierte sich zum größten Teil auf Belgisch-Kongo, die ehemalige Kolonie Belgiens. Doch auch das gesamte Kongobecken, Zentral-, Ost- und Westafrika wurden berücksichtigt.
Zu den ersten Kuratoren des Museums gehörten Théodore Masui (1863–19??), Alphonse de Haulleville (1860–1938), Emile Coart (1859–1924) und Joseph Maes (1882–1960). Die ersten Museologen in Tervuren standen unter dem Einfluss des britischen und amerikanischen Evolutionismus und des deutschen Diffusionismus.[2]
Nach der Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Kongo im Jahr 1960 verlegte das Museum den Schwerpunkt seiner Arbeit auf ethnografische und anthropologische Aspekte.
Am 30. April 2010 feierte das Museum seinen 100. Geburtstag. Am 1. Dezember 2013 wurde es geschlossen und im Dezember 2018 mit neuer Konzeption unter dem Namen AfricaMuseum wiedereröffnet.[3][4] Bereits 2001 hatte Joachim Fritz-Vannahme in der Wochenzeitung Die Zeit geschrieben, man müsse den Diskussionen Rechnung tragen, die von Autoren wie Adam Hochschild und Ludo de Witte ausgelöst worden seien. Dabei gehe es im Falle des Brüsseler Afrikamuseums namentlich um das persönliche Verhalten König Leopolds II. und die Ermordung des kongolesischen Politikers Patrice Lumumba, in die der belgische Staat verstrickt gewesen sei. Der bisherige Blick auf die belgische Kolonialgeschichte sei auf altertümliche Art museal gewesen, und so müssten die reichen Museumsbestände neu präsentiert werden.[5]
Die Sammlung: Ausstellung und Archive
Die Sammlung des Museums gilt als weltweit einzigartig. Sie zählt zu den umfangreichsten ihrer Art. Im Zuge der Renovierung in den 2010er Jahren wurde einerseits die Ausstellungsfläche von 6.000 auf 11.000 Quadratmeter erweitert, andererseits die Zahl der ausgestellten Objekte von 1.400 auf 700 reduziert. Es bestand das Bemühen, die Dauerausstellung, teilweise unter Teilnahme kongolesischer Künstler, neu und nach zeitgemäßen, auch kolonialismuskritischen Aspekten zu gestalten. Die Restitutionsdebatte über die Rückgabe afrikanischer Ausstellungsstücke an die Ursprungsländer hat seit den 2010er Jahren international Fahrt aufgenommen und prägt zunehmend auch den Diskurs in Belgien, was sich sukzessive in der Arbeit des Afrikamuseums widerspiegeln soll.[6]
Das Museum archiviert insgesamt ca.:
- 10 Mio. tierische Objekte
- 250.000 mineralische Objekte
- 180.000 ethnografische Objekte
- 57.170 Holzproben
- 20.000 geografische Karten
- 8.000 Musikinstrumente
- 350 Nachlässe.
Direktoren
- 1910–1927: Alphonse de Haulleville (1860–1938)
- 1927–1946: Henri Schouteden (1881–1972)
- 1947–1958: Frans M. Olbrechts (1899–1958)
- 1958–1977: Lucien Cahen (1912–1982)
- 1977–1978: Pierre Basilewsky (Interimsdirektor, 1913–1993)
- 1978–1980: Albert Maesen (Interimsdirektor, 1915–1992)
- 1980–1985: Dirk Thys van den Audenaerde (Interimsdirektor, * 1934)
- 1985–2002: Dirk Thys van den Audenaerde
- 2002–2022: Guido Gryseels (* 1952)
- 2022–2023 (ad interim): Karel Velle (* 1959)
- seit 2023: Bart Ouvry[7]
Literatur
- Théodore Masui, Charles Liebrechts (Hrsg.): Guide de la section de l'État indépendant du Congo à l'exposition de Bruxelles-Tervueren en 1897. Impr. Veuve Monnom, Bruxelles 1897 (Digitalisat).
- Théodore Masui (Hrsg.): Les Collections ethnographiques du Musée du Congo. 2 Bände. Ann. Mus. du Congo, Tervuren 1899–1902.
- Henri Schouteden: Guide illustré du Musée du Congo Belge. 3. Auflage. Tervueren 1938.
- Philippe Persoons: L’Exposition de Bruxelles – Tervueren en 1897 et l’opinion publique. Louvain, Univ., Diss., 1974 (erschienen 1975).
- B. Küster: Zwischen Ästhetik, Politik und Ethnographie: Die Präsentation des Belgischen Kongo auf der Weltausstellung Brüssel-Tervuren 1897. In: Cordula Grewe (Hrsg.): Die Schau des Fremden. Ausstellungskonzepte zwischen Kunst, Kommerz und Wissenschaft. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-515-08843-1, S. 95–118.
- Peter Lambertz: Der Elefant ist noch im Raum. Ein Besuch in der neuen Ausstellung des Königlichen Museums für Zentralafrika von Tervuren (Belgien). In: WerkstattGeschichte (2020), Heft 81, S. 173–181 (pdf).
Weblinks
- Offizielle Website des Museums
- Musikethnologische Sammlung (niederländisch, französisch, englisch)
- Royal Museum for Central Africa auf belspo.be (englisch)
- Mémoire des rites, Kanadas Nationalmuseum für Geschichte und Gesellschaft
- Albertine Rift biodiversity data
- Ein bisschen Aufarbeitung, taz, 10. Dezember 2018