Königreich Serbien (1718–1739)

Kronland der Habsburgmonarchie zwischen 1718 und 1739 From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Königreich Serbien (Краљевина Србија, Kraljevina Srbija, deutsch Königreich Serbien, lateinisch Regnum Serviae) war von 1718 bis 1739 eine Provinz beziehungsweise ein Kronland der Habsburgermonarchie. Es entstand aus den Gebieten südlich der Flüsse Save und Donau, die ungefähr dem Sandschak Smederevo entsprachen, einer osmanischen Provinz, die während des Österreichischen Türkenkrieg von 1716 bis 1718 im Jahr 1717 von den Habsburgern erobert worden war. Das Königreich bestand bis zum folgenden Österreichischen Türkenkrieg von 1737 bis 1739, in dessen Folge es 1739 wieder unter osmanische Herrschaft kam.[1]

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Unter habsburgischer Herrschaft profitierte die serbische Bevölkerungsmehrheit von Formen der Selbstverwaltung, darunter einer autonomen Miliz, sowie von der wirtschaftlichen Einbindung in die Habsburgermonarchie. Diese Reformen trugen zum Wachstum einer serbischen Mittelschicht bei und wurden von den Osmanen später „im Interesse von Recht und Ordnung“ fortgeführt.[2] Die Bevölkerung Serbiens wuchs rasch von etwa 270.000 auf 400.000 Einwohner. Der Rückgang der habsburgischen Macht in der Region löste jedoch die zweite der Großen Wanderungen der Serben von 1737 bis 1739 aus.

Geschichte

Belagerung von Belgrad 1717

Während des Großen Türkenkrieges brachten habsburgische Truppen 1688 und 1689 vorübergehend große Teile des heutigen Serbien unter ihre Kontrolle,[3] mussten sich anschließend jedoch wieder zurückziehen. Der Friede von Karlowitz von 1699 bestätigte die osmanische Herrschaft über den größten Teil des heutigen Serbien, während die Batschka und der westliche Teil Syrmiens den Habsburgern zufielen.

Ein weiterer Österreichisch-Türkischer Krieg brach 1716 aus und dauerte bis 1718.[4] In diesem Krieg schlossen sich zahlreiche Serben den habsburgischen Truppen an. Nach den Gebietsgewinnen von 1718, die im Frieden von Passarowitz bestätigt wurden, versuchten die Habsburger, Serbien in ihr Reich zu integrieren. Das Gebiet erhielt offiziell den Namen „Königreich Serbien“, da es weder Teil des Heiligen Römischen Reiches noch des Königreichs Ungarn war. Die tatsächliche Verwaltung der Provinz lag in den Händen eines ernannten Gouverneurs. Nicht das gesamte von Serben bewohnte Gebiet südlich von Save und Donau, das 1718 von den Habsburgern erobert worden war, wurde in das Königreich Serbien eingegliedert. Ein großes östliches Gebiet wurde als Teil des Temescher Banats gesondert verwaltet.

Während des Österreichisch-Türkischen Krieges von 1737 bis 1739 verlor die Habsburgermonarchie alle Gebiete südlich von Save und Donau, darunter das gesamte Gebiet des Königreichs Serbien, sowie Orșova nördlich der Donau. Den übrigen Teil des Temescher Banats behielt sie jedoch. Der Kriegsausbruch und das anschließende Ende der habsburgischen Herrschaft führten zur Massenflucht von ethnischen Serben zwischen 1737 und 1739.[5] Der Abzug der Österreicher sorgte für große Entäuschung unter den Serben und wurde als Verrat aufgefasst.[6]

Verwaltung

Tor Karls VI.

Ungarn hatte Ansprüche auf die serbischen Gebiete erhoben. Diese wurden allerdings zum Domanium Regium, also zum „Direkten Besitz des Herrscherhauses“ erklärt.[6]

Serbien unterstand gemeinsam dem Hofkriegsrat und der Hofkammer und war einer lokalen militärisch-kameralen Verwaltung untergeordnet.[7]

Gouverneure

Serbische Miliz

Wachstum der Habsburgermonarchie mit Serbien in den Jahren 1718 bis 1739

Ein Teil der serbischen bäuerlichen Bevölkerung war zum Militärdienst verpflichtet und wurde im Unterschied zur übrigen landwirtschaftlichen Bevölkerung nicht besteuert. Diese Gruppe war als Hajduken bekannt.[8] Sie bildeten die „serbische Nationalmiliz“, die gegen osmanische Truppen kämpfte. Als Gegenleistung für ihren Militärdienst, zu dem die Verteidigung der Grenzgebiete, die Aufrechterhaltung der Ordnung sowie die Sicherung und der Schutz der Großen Straße gehörten, waren sie von Steuern befreit.[8] Diese Hajduken bildeten im Königreich eine privilegierte Schicht und erhielten für ihre Siedlungen, die von anderen Dörfern getrennt waren, besonders fruchtbares Land.[8]

Wirtschaft

Ruinen des während der habsburgischen Herrschaft errichteten Palasts Prinz Eugens in Belgrad, dargestellt von Felix Philipp Kanitz im Jahr 1860

Die Wirtschaft des Königreichs Serbien war überwiegend agrarisch geprägt. Sie umfasste Weinbau, Getreideanbau und Viehzucht, wobei keiner dieser Bereiche ein Ausmaß erreichte, das für einen größeren Exporthandel ausgereicht hätte. Die Imkerei gehörte dagegen zu den wirtschaftlich bedeutendsten Bereichen des Königreichs. Die Herstellung und der Verkauf von Honig und Bienenwachs machten etwa ein Drittel der an die habsburgischen Behörden entrichteten Steuereinnahmen aus. Die Regierung vergab Bergbaukonzessionen an neue Aktiengesellschaften, darunter die Caesarea privilegiata Societas Commerciorum Orientalium. Zu ihren größten Anteilseignern gehörten Karl Alexander von Württemberg und seine Frau, die orthodoxe Metropolie von Belgrad sowie die städtische deutsche Gemeinde Belgrads insgesamt. Außerdem wurden Projekte zur Ausweitung der Forstwirtschaft durch Wiederaufforstung bestimmter Gebiete durchgeführt.[9]

Demografie

Eine Verordnung von 1720 bestimmte, dass die Stadt Belgrad vor allem von Deutschen besiedelt werden sollte, während die Serben außerhalb der Stadtmauern im „raszischen“ Stadtteil leben sollten.[7] Für die 1720er Jahre wird geschätzt, dass die Bevölkerung Belgrads knapp 20.000 Einwohner betrug.[7] Sie wurde von den Habsburgern ausgebaut. Die Deutschsprachigen bildeten eine dominante soziale Klasse, wehalb die Periode des Königreichs für die Serben eher eine neue Fremdherrschaft als eine vollständige Befreiung darstellte.[6]

Die Bevölkerung des Königreichs stieg rasch von 270.000 auf 400.000 Einwohner. Das Ende der habsburgischen Macht in der Region führte jedoch zu einem Rückgang der Bevölkerung.[10]

Die Religionspolitik der habsburgischen Behörden gegenüber den verschiedenen christlichen Gemeinschaften umfasste die Anerkennung der serbisch-orthodoxen Metropolie von Belgrad sowie die Errichtung des römisch-katholischen Bistums Belgrad.[11][12] Trotz der Anerkennung der Orthodoxie bemührten sich die Habsburger Serbien zu einem „Bollwerk des Deutschkatholizismus“ aufzubauen und bevorzugten ihre eigene Konfession.[6]

Nachwirkung

Obwohl die habsburgische Verwaltung über diesen Teil des heutigen Serbien nur kurz bestand, hinterließ sie bei der lokalen Bevölkerung ein Bewusstsein für eine eigenständige politische Entwicklung. Die osmanische Verwaltung wurde daher in der Region nie wieder vollständig akzeptiert. Dies trug 1788 zu Kočas Grenzlandaufstand und 1804 zum Ersten Serbischen Aufstand bei, der die direkte osmanische Herrschaft über diesen Teil des heutigen Serbien beendete.[13]

Einzelnachweise

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