Königsstuhl (Rügen)

Kreidefelsvorsprung auf Rügen From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Königsstuhl ist eine Kreidefelsformation der Stubbenkammer im Nationalpark Jasmund auf der Ostseeinsel Rügen. Er zählt zu den touristischen Hauptanziehungspunkten auf der Insel. Rund 300.000 Besucher kommen jedes Jahr, um von dort aus den Blick auf die Ostsee und die Kreidefelsen zu genießen. Seine Höhe beträgt 118 m ü. NHN. 2023 wurde darauf ein Skywalk eröffnet.[1]

Schnelle Fakten
Königsstuhl
Der Königsstuhl – von der Viktoriasicht aus gesehen
Der Königsstuhl – von der Viktoriasicht aus gesehen
Höhe 118 m ü. NHN
Lage Rügen, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland
Koordinaten 54° 34′ 23″ N, 13° 39′ 45″ O
Königsstuhl (Rügen) (Mecklenburg-Vorpommern)
Königsstuhl (Rügen) (Mecklenburg-Vorpommern)
Gestein Kreide
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Skywalk

Geografie

Lage und Zugang

Der Königsstuhl befindet sich 7 km nördlich von Sassnitz und 4 km südöstlich von Lohme. Der kürzeste Zugang erfolgt vom 3 km entfernten Großparkplatz in Hagen (Ortsteil der Gemeinde Lohme). Von dort fährt ganzjährig auf einer für den privaten Verkehr gesperrten Straße ein Pendelbus zum Nationalpark-Zentrum.

Wanderer erreichen den Königsstuhl über den insgesamt etwa 12 km langen Hochuferweg Jasmund, der von Sassnitz bis nach Lohme führt.[2] Die Strecke gilt als eine der schönsten Wanderwege an der Ostsee.[3]

Von Sassnitz beziehungsweise vom Parkplatz Hagen aus ist es auch mit dem Fahrrad möglich auf einem ausgeschilderten geschotterten Radweg zum Königsstuhl zu fahren. Für Radfahrer ist dies die einzig zulässige Durchfahrt durch den Nationalpark Jasmund, alle anderen Wege innerhalb der Schutzzone sind ausschließlich Wanderern vorbehalten.[4]

Der Eintritt in das Zentrum und damit der Zugang zum Königsstuhl selbst sind kostenpflichtig.

Geologie

Rügener Kreide ist die Bezeichnung für einen sehr reinen, sehr feinkörnigen, weißen, mürben und hochporösen Kalkstein der höchsten Oberkreide (Maastrichtium). Er ist unter anderem im Kliff des Jasmund im Nordosten der Insel Rügen aufgeschlossen – „Kreidefelsen“. Die Rügener Kreide gehört geologisch zur Hemmoor-Formation der Schreibkreide-Gruppe und wird dort als Rügen-Member bezeichnet. Chronostratigraphisch fällt das Rügen-Member in das späte untere bis ins späte obere Untermaastricht – ca. 70 Mio. Jahre vor heute. Im nordöstlichen Teil der Insel Rügen, auf der Halbinsel Jasmund, befinden sich umfangreiche Kreidevorkommen. Am bekanntesten sind die „Rügener Kreidefelsen“ der Kliffküste in der Umgebung von Sassnitz. Diese Küstenformationen sind Bestandteil des Nationalparks Jasmund und stehen unter strengem Naturschutz.

Beschaffenheit, Name und Geschichte

Die schmalen, aber wuchtigen Granitstufen, die zu dem 200 m² großen Plateau auf dem Königsstuhl führen, liegen über einem bronzezeitlichen Hügelgrab (2200 bis 800 v. Chr.). Von dem Plateau bietet sich ein weitläufiger Ausblick auf die Ostsee. Den Königsstuhl selbst betrachtet man besser von der etwas südlicher gelegenen Viktoriasicht.

Der Kreidefelsen und die benachbarten Formationen fallen fast senkrecht zum Strand ab. Durch die geologische Beschaffenheit, das Grund- und Oberflächenwasser sowie den Wellenschlag am Klifffuß kommt es immer wieder zu kleineren und größeren Abbrüchen am gesamten Kliff, einschließlich der Felsformationen. Beispiel dafür sind die durch ein Gemälde C. D. Friedrich bekannten Wissower Klinken, die es so nicht mehr gibt.

Der Name Königsstuhl soll auf ein Ereignis im Jahre 1715 zurückgeführt sein, bei dem der schwedische König Karl XII. von dieser Stelle ein Seegefecht gegen die Dänen geleitet haben soll. Das Gefecht ermüdete den Herrscher angeblich derart, dass er sich einen Stuhl bringen ließ.

Allerdings wird schon in einem Reisebericht des Pfarrherren Rhenan, der im Auftrag des Pommern-Herzoges Mineralquellen ausfindig machen sollte, im Jahre 1584 der Name „Konigsstuel“ gebraucht, sodass die Namensgebung viel früher anzusiedeln ist.[5]

Einer weiteren Sage zufolge soll der Name daher kommen, dass in alter Zeit derjenige zum König gewählt wurde, dem es als Erstem gelang, von der Seeseite aus den Kreidefelsen zu erklimmen und sich auf den oben aufgestellten Stuhl zu setzen.

Auf der dänischen Insel Møn gibt es analog eine ähnliche Formation, den „Dronningestolen“ = Königinnenstuhl.[6]

Eine ähnliche Formation, der „Kleine Königsstuhl“ befindet sich im aufgelassenen Kreidebruch Gummanz bei dem dortigen Kreidemuseum.

Unweit südlich vom Königsstuhl zum Strand hinunter führt seit alter Zeit eine Holztreppe mit 412 Stufen vorbei am alten Pumpenhaus (Baudenkmal). Sie wurde 1996 umfangreich erneuert und ständig gewartet. Seit 2016 ist sie wegen der Gefahr von weiteren Abbrüchen an der Kreideküste gesperrt und soll auch nicht mehr erneuert werden.[7]

2023 wurde ein Skywalk am Königsstuhl eröffnet.[8] Die Baukosten betrugen 11 Mio. Euro, die Bauzeit zwei Jahre.[1]

Rezeption

Im Rahmen der deutschen 2-Euro-Serie „Bundesländer II“ wurde der Königsstuhl zum Motiv der 2-Euro-Gedenkmünze für Mecklenburg-Vorpommern, die seit dem 30. Januar 2024 emittiert wird.[9]

Commons: Königsstuhl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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