Kütschenrainberg

Berg in der Gemeinde Kirchenthumbach in Bayern From Wikipedia, the free encyclopedia

Der 647 m ü. NHN[1] hohe Kütschenrainberg in der Gemarkung Thurndorf, Markt Kirchenthumbach, ist mit seinem Nebengipfel Kalvarienberg (642 Meter über dem Meeresspiegel) die höchste Erhebung des Kütschenrain-Höhenzugs und des Frankenjuras. Dieser Gipfel ist ein bedeutender Trennpunkt, an dem sich mehrere Regionen und Systeme scheiden. Geologisch trennt er den Jura vom Urgebirge des Nordseegebiets. Hydrografisch markiert er die Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten der Nordsee und des Schwarzen Meeres. Ethnografisch bildet er die Grenze zwischen dem Frankenland und dem Nordgau, der historischen Grenze Markgrafschaft Bayreuth und Oberpfalz.[2]

Schnelle Fakten
Kütschenrainberg
Aussichtsturm auf dem Kütschenrainberg
Aussichtsturm auf dem Kütschenrainberg
Höhe 647 m
Lage Kirchenthumbach
Dominanz 14,4 km Rauher Kulm
Schartenhöhe 188 m Sattel (459 m ü. NHN) der Rhein-Donau-Wasserscheide südöstlich von Nitzlbuch
Koordinaten 49° 47′ 9″ N, 11° 39′ 35″ O
Kütschenrainberg (Bayern)
Kütschenrainberg (Bayern)
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Die geografische Lage des Kütschenrains

Nach Albert Biersack, einem ehemaliger Lehrer in Sassenreuth, beginnt der Höhenzug etwa drei Kilometer nordwestlich von Kirchenthumbach. Er erreicht rasch seine höchste Erhebung und erstreckt sich anschließend in einem sanften Bogen von Nordwesten nach Westen, bis er kurz vor dem Bahnhof Schnabelwaid endet. Die Hauptstraße von Amberg nach Bayreuth verläuft entlang seines steileren Nordwesthangs. Der Bergrücken ist sehr breit und fällt flach in die umliegende Landschaft des Fränkischen Juras ab, dessen nördlichsten Ausläufer er bildet. Direkt auf dem Berg liegt größere Siedlung Thurndorf, er ist von zahlreichen Dörfern, unter anderen Engelmannsreuth, Heinersreuth, Metzlasreuth, Sassenreuth, Wölkersdorf, Pfaffenstetten, Tagmanns und Obertreinreuth, umgeben. Der Kütschenrain-Höhenzug umfasst die geschlossenen Waldgebiete und Gemarkungen Heinersreuther Forst (Oberpfalz) und Schnabelwaider Kütschenrain im Naturpark Fränkische Schweiz – Frankenjura.[3][4]

Bezeichnung

Neben der heute gebräuchlichen Bezeichnung Kütschenrain gab es in der Vergangenheit für den Höhenzug und Berg unterschiedliche Bezeichnungen und Schreibweisen, wie Kitschenrain[5][6][4], Kutzenrain[7][8][4], Kutschenrain[9][10] oder auch Thurndorfer Calvarienberg.[4] Urkundlich überliefert ist, dass die Andechser Grafen bereits 1147 Eigentum auf dem Chusenrain besaßen und dieser die Grenze des alten fränkischen Radenzgaues zum altbayerischen Nordgau bildete.[11] Der Name ist eine deutsch-slawische Wortbildung der Ableitung Kitschen von Kitzen, das aus dem Altsorbischen Kyčv-n bzw. aus dem Slawischen kyka für Baumstock entspricht, so auch namensgebend für den Ort Kitzen (Pegau) bei Leipzig. Der Wortteil rain bezeichnet heutzutage im allgemeinen Sprachgebrauch einen Grenzstreifen bzw. eine Grenze, z. B. den Feldrain. Noch heute verläuft über den westlichen Kitschenrain die Grenze zwischen den Regierungsbezirken Oberpfalz und Oberfranken. Als spätere Schreibungen sind aufzuführen: 1366/1368 Kutzschenrain, 1396/1399 Kuczkchenrein.[12]

Geologie

Geologie des Kütschenrain

Der Kütschenrainberg stellt den südlichen Ausläufer des Creußener Höhenzuges im Verlauf der Fränkischen Linie dar, einer Heraushebung an der Creußener Störungszone mit dem westlichen Hauptrandbruch des Creußener Grabens. Die stärkste Hebung erfolgte unmittelbar neben den Hauptabbrüchen des Grabenrandes an dem der Schichtenkomplex abgeschnitten wurde, um sich mit einer tiefsitzenden Bruchscholle bis maximal 340 m zu versenken. Die Kuppe des Berges, der Kalvarienberg, ist mit 643,5 Metern die höchste Stelle des Frankenjuras. Der Gebirgszug liegt geologisch an der Grenze des Jura des Süddeutschen Schichtstufenlandes nach Osten und Nordosten zum variszische Grundgebirge des Thüringisch-Fränkischen Mittelgebirges mit dem Fichtelgebirge. Hydrografisch ist der Kütschenrain ein Scheidepunkt zwischen den Einzugsgebieten von Nordsee und Schwarzem Meer.[13]

Die Absenkung an der tektonische Dehnungszone führte zur Heraushebung und Verkippung des Krustenabschnitts an der Westflanke im Allgemeinen bis 15 Grad, maximal 50 – 60 Grad, nach Südwesten. Diese führte zu fortschreitender Übersteilung des Stufenhangs und schließlich zum Nachbrechen der überlagernden, harten, schützenden Gesteine des Stufenbildners. Die Gesteinsschichten liegen am Kütschenrain wie ein Schichtkuchen übereinander. Die oberste Schicht ist eine Eisensandstein-Formation (Dogger Beta), darunter liegt die Jurensismergel- oder Opalinuston-Formation (Lias Zeta oder Dogger Alpha). Gestein aus Mergel oder Ton. Es folgen eine Posidonienschiefer-Formation (Lias Epsilon) und die Obtususton- bis Amaltheenton-Formation (Lias Beta bis Delta), Gesteine, die hauptsächlich aus Ton bestehen. Ganz unten liegt die Gryphaeensandstein-Formation (Lias Alpha 3), eine Schicht mit Arietensandstein. Alle diese Gesteine stammen aus der Jura-Zeit.[14]

Der Gesteinsblock des Arietensandstein (Lias Alpha 3) ist am Kütschenrain etwa drei Meter dick und besteht aus Quarzsandstein, der sich rau anfühlt (grobkörnig). Er wird an der Oberfläche wegen des Eisenanteils, der zu Limonit verrostet meist braun. Er ist fest und liegt wie eine scharfe Platte auf dem älteren, bröseligeren Rhätoliassandstein. In dem Gebiet vor dem Kütschenrain fehlt die Schicht Lias Beta oder ist nicht klar erkennbar, während Lias Gamma, einer meist gelbbraun verwitterten Schicht aus Mergel (einer Mischung aus Ton und Kalk bis etwa drei bis vier Meter dick ist. Die sehr dicke Schicht von etwa fünfzehn Metern Amaltheenton Lias Delta besteht aus blaugrauem Ton und Tonschiefer und enthält oft Toneisensteinkugeln (kleine, harte Knollen mit Eisen). Der Posidonienschiefer des Lias Epsilon besitzt am Kütschenrain eine Mächtigkeit von etwas über zwei Metern. Untersuchungen schätzen die Dicke des Opalinustons am Kütschenrain auf bis zu vierzig Meter, diese Schätzungen sind unklar, da der obere Teil dieser Schichten am Kütschenrain unter Geröll und Schutt (Dogger-Schutt) versteckt ist. Außerdem hat der Sandstein, der darüber liegt (Dogger Beta), selbst Gesteine aus Ton an seiner Unterseite. Das macht die Grenze unscharf. Der Jurensismergel, der direkt darunter liegt, ist nur etwa zwei bis drei Meter dick, wobei die Grenze zwischen Opalinuston und dem Jurensismergel meistens nicht genau erkennbar ist.

Der Eisensandstein Dogger Beta ist am Kütschenrain bis zu 100 Meter dick und besteht aus vielen verschiedenen Schichten. Die untere Hauptschicht (Basis) gliedert sich in die unterste Schicht, die sich etwa fünfzehn Meter dick aus Sandsteinen, sandigem Ton und reinem Ton (auch „Bänderschmitzentone“ genannt) zusammensetzt. Darauf liegt ein circa zehn Meter dicker Sandstein, der gelblich bis weißlich ist und oft rote Streifen hat. Er ist eher bröselig (Mürbsand). Die obere Schicht mit circa zwölf Metern Dicke ist eine Mischung aus grauem Ton und gelblichen Sandsteinen. Weiter oben im Eisensandstein liegen die Schichten, die viel Eisen enthalten – die sogenannten Flöze. Ganz oben liegt als feste Oberschicht eine zwei Meter dicke gelbliche Sandsteinbank. Sie kann Eisenkrusten, Limonitsandsteinschwarten, von unterschiedlicher Dicke enthalten. Das Haupt-Eisenerzflöz kommt auch als Limonitsandstein vor und kann in diesem Gebiet auch in mehrere dünnere Schichten aufgeteilt sein. Zwischen dem Hauptflöz und dem Oberflöz (dem obersten Eisenerz-Vorkommen) liegen sieben bis neun Meter dicke Zwischenschichten. Diese bestehen aus feinem, tonigem Sand und Ton mit kleinen Eisenerzvorkommen.[15]

Hydrologie

Der Kütschenrain ist Teil der Europäischen Hauptwasserscheide, die Nordseite entwässert über die Creußen ins Naabsystem und nach rund 2000 km in die Donau, also nach Süden. Die Gerinne der Südseite fließen dagegen zum größten Teil durch tiefer eingeschnittene Täler zur Pegnitz. Diese entwässert über Regnitz, Main und Rhein damit nach circa 600 km in die Nordsee. In dem Gebiet nordöstlich der Quellen am Kütschenrain gibt es viele Brüche und Spalten im Fels. Die Bruchtektonik verläuft in zwei Hauptrichtungen steilherzynisch von West-Nordwest nach Ost-Südost, und rheinisch von Nord-Nordost nach Süd-Südwest. Teils, insbesondere bei der sogenannten Creußener Verwerfung, gehen diese beiden Richtungen ineinander über.[15]

Der Grundwasserleiter (Aquifer) für die Quellen des Kütschenrains ist der Eisensandstein des Dogger Beta. Dieser Sandstein liegt auf dem wasserundurchlässigen Opalinuston des Dogger Alpha auf und bildet somit einen gestauten Grundwasserleiter. Innerhalb des Festgesteins wird die Wasserdurchlässigkeit (Permeabilität) hauptsächlich durch das Vorhandensein und die Eigenschaften von Störungen, Spalten und Klüften bestimmt. Demnach ist das Festgestein primär als Kluftgrundwasserleiter anzusehen. In den oberflächennahen Zonen kann der Sandstein durch Verwitterung auch als Porengrundwasserleiter fungieren, wobei die Klüfte weiterhin eine wichtige Rolle für den Wassertransport spielen. Aufgrund der geschichteten Zusammensetzung des Dogger Beta, der sowohl Sandsteine als auch Ton-Zwischenlagen enthält, sind innerhalb dieser Einheit mehrere voneinander getrennte Grundwasserstockwerke ausgebildet. Für die Kütschenrainquellen wurde mit dem Festsetzungsbescheid des Landratsamtes Bayreuth vom 20. Mai 1996 ein Wasserschutzgebiet eingerichtet. Dieses Schutzgebiet ist in die Zonen I, II und III unterteilt. Die Schutzzone I (Fassungsbereich) ist dabei als gemeinsamer, rechtsgültiger Bereich für zwei Quellen festgelegt.[14]

Nutzung

Der Berg war aufgrund dieser herausragenden geologischen, hydrografischen und ethnografischen Bedeutung stets ein wichtiger trigonometrischer Anhaltspunkt für die Landesvermessung und die Erstellung von Generalstabskarten. Um diesen Zweck zu unterstützen, wurde bereits 1838 auf Staatskosten ein Türmchen (Dachreiter) auf die dortige Kapelle aufgesetzt.[2] Das Zentrum des Massivs wurde historisch intensiv für militärische Zwecke genutzt. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde hier eine Kleinkaserne mit Wetterfunkstelle, einem Sendegebäude einer Funksendezentrale der Luftwaffe, und zwei Türmen errichtet. Ein 30 Meter hoher Sendeturm aus Stahl wurde bereits 1936 errichtet und trug einen Radiosender, sowie eine Wetterfunkempfangsstelle (W–Stelle), eine Tarnbezeichnung für die Funkaufklärung der Luftwaffe. Nach Kriegsende übernahmen die US-Armee diesen Turm. Die Betonfundamente des Turms sind heute noch sichtbar. Der begehbare Turm diente zeitweise auch als bescheidener Aussichtsturm. Da der Aufstieg und die quadratische Aussichtsplattform den neuen Sicherheitsstandards nicht mehr genügten, ordnete der Freistaat Bayern im Jahr 1955 den Abbau der Konstruktion an, um Unfälle zu vermeiden.[2]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Anlage bis 1959 von der US-Armee als Sanatorium genutzt und ging dann vorübergehend in zivile Nutzung über. In den ehemaligen Militärgebäuden richtete der Landkreis Eschenbach ein kleines Krankenhaus unter der Leitung von Benno Muck ein. Ab 1960 übernahm die Bundeswehr das Gelände und nutzte es für Aufklärungszwecke, insbesondere zur Überwachung des Militärs aus dem Osten. Hier wurde die erste VHF/UHF-Erfassungsstelle des Fernmelderegiment 72 der Luftwaffe errichtet. Die Organisation Gehlen nutzte für ihre Peileinsätze vier, von der US Air Force überlassene Sichtpeiler.[16]

Besiedlungsgeschichte

Der Kütschenrain war, wie die gesamte obere und mittlere Mainregion, Siedlungsgebiet der Markomannen, die um das Jahr 490 zum Ende der römischen Herrschaft das Gebiet Böhmen und Mähren endgültig verließen und südwärts in die Gebiete Noricum und Vindilicien, heutiges Österreich und Bayern, zogen. Nach dem Abzug der Markomannen aus Böhmen erfolgte eine wendische (slawische) Landnahme, die sich bis zur Pegnitz ausdehnte und somit den Kütschenrain in ihr Siedlungsgebiet integrierte. Drei Orte im Kütschenrain – Naslitz, Tagmanns und Windischendorf – tragen slawische Merkmale in ihren Toponymen.

Windischendorf, das älteste Dorf zwischen Sassenreuth und Thurndorf, verschwand jedoch vollständig. Bereits durch Abwanderungen geschwächt, wurde es 1430 beim Hussiteneinfall in Schutt und Asche gelegt. Aus den Trümmern erhob sich lediglich ein einzelner Bauernhof, der als Schafhof bis zum Dreißigjährigen Krieg existierte, bevor er 1655 endgültig von der Landkarte verschwand. Der Kütschenrain behielt seine Funktion als Grenzberg bis 1815, dem Zeitpunkt, als Franken zu Bayern eingegliedert wurde. Erzählungen zufolge glich der Wald damals einem Urwald voller Gestrüpp und mächtiger Baumriesen wie Eichen, Buchen und Eiben. Während des Dreißigjährigen Krieges nutzten die Bewohner von Kirchenthumbach die Dichte der Wälder, um dort ihr Vieh zu verstecken. Die Grenzlage und der unwegsame, urwaldähnliche Zustand war ideal für Schmugglergeschäfte. Der Kammweg trägt daher noch heute den Beinamen „Diebsweg“.[2]

Bauwerke auf dem Kütschenrain

Kalvarienbergkapelle

Die Kalvarienbergkapelle wurde im Jahr 1752 gegründet, um eine ältere Kreuzigungsgruppe auf dem Berg zu ersetzen. Ihre Baujahre 1752 für die Erbauung und 1792 für die Erweiterung unter Pfarrer J. B. Weich sind in den Sandstein über dem Portal eingemeißelt. Die Erweiterung im Jahr 1792 war wegen des großen Zulaufs zu den zweimal jährlich stattfindenden, ablassberechtigten Gottesdiensten am Schmerzhaften Freitag (Freitag vor Palmsonntag) und am Portiunculasonntag notwendig geworden. Das Ablassschreiben von Papst Clemens XIII. am Festtag der Jungfrau Maria, dem 25. März 1762 bestätigt die Kalvarienbergkapelle als Wallfahrtsort. Gottesdienste fanden dort nachweislich bis in die 1950er Jahre statt. Ihre Frequenz nahm jedoch im gleichen Maße ab, wie sich der Bauzustand der Kapelle kontinuierlich verschlechterte. Nach einem Sturmschaden im Jahr 1919 ersetzte man das alte Schindeldach durch eine Eindeckung aus verzinktem Blech. Eine umfassendere Renovierung konnte erst 1958 abgeschlossen werden. Im Jahre 1969 wurde das wertvolle Kreuzigungsgemälde aus dem Rahmen geschnitten, und die geschnitzten Bänke wurden durch das Absägen der Wangen zerstört. Das Gebäude verfiel daraufhin beinahe zehn Jahre lang. Eine grundlegende Sanierung im Inneren und außen in den 1980er Jahren führte zur Wiederbelebung, während der Sommermonate finden dort regelmäßig Gottesdienste statt.[17]

Aussichtsturm

Ein 25 Meter hoher Aussichtsturm wurde in den 2014 und 2015 in der Nähe der Kapelle gebaut. Das moderne Stahlbauwerk hat eine dreieckige Konstruktion mit außenliegender Treppe. Über 133 Stufen gelangen Besucher zur ebenfalls dreieckigen Plattform. Der Turm bietet einen weiten Rundumblick über den Oberpfälzer Jura, die Fränkische Schweiz, das Fichtelgebirge und den Oberpfälzer Wald.[2]

Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung

Die römisch-katholische Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung steht mitten im Wald von Heinersreuth unterhalb des Kütschenrainbergs.

Commons: Kütschenrainberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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