Lünersee
Stausee in Österreich
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Der Lünersee, ein ursprünglich natürlicher Bergsee, der durch eine Staumauer zum Stausee wurde, ist einer der größten Seen im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Er liegt in der Gemeinde Vandans. Sein Pumpspeicherkraftwerk, das Lünerseewerk, war mit seiner Leistung von anfangs 225 MW lange Zeit das leistungsstärkste Pumpspeicherkraftwerk der Welt.[1]
| Lünersee | ||
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| Blick von Westen unweit der Totalphütte über den Lünersee | ||
| Geographische Lage | Vorarlberg/Bezirk Bludenz/Gemeindegebiet Vandans | |
| Abfluss | Alvier (vor Errichtung der Staumauer) | |
| Ufernaher Ort | Bludenz | |
| Daten | ||
| Koordinaten | 47° 3′ 9″ N, 9° 45′ 11″ O | |
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| Höhe über Meeresspiegel | 1970 m ü. A. | |
| Fläche | ca. 112 ha | |
| Volumen | ca. 0,156 km³ | |
| Maximale Tiefe | ca. 139 m | |
Lage
Der Wasserspiegel des Lünersees liegt bei Vollstau auf einer Höhe von 1970 m ü. A. am Fuße des Seekopfs und der Schesaplana. Das Gebiet um den See bildet den Talabschluss des Brandnertals, der nur über schmale Steige oder die Lünerseebahn von Schattenlagant aus erreichbar ist.
Deshalb liegt das Gebiet um den Lünersee (auch die Totalp), obwohl es geografisch zum Brandnertal gehört, auf dem Gemeindegebiet von Vandans. Die Alpflächen am See werden seit jeher aus dem Rellstal bestoßen, da die teils felsigen Steige aus dem Brandnertal zum Lünersee für Großvieh praktisch unpassierbar sind.
Direkt bei der Bergstation an der Staumauer steht die Douglasshütte, die unter anderem als Jausen- und Übernachtungsmöglichkeit für Wanderer dient. Sie ist ein 1960 fertiggestelltes Ersatzgebäude für einen Vorgängerbau aus dem Jahr 1870, dessen auf der Halbinsel auf 1969 m Seehöhe gelegener Platz beim ersten Vollstau überflutet wurde.
Geschichte
Das Land Vorarlberg begann bereits 1926/27 und 1930/31 nach provisorischen Absenkungen des Sees mit Abdichtungsarbeiten am Seegrund, um den Abfluss des ursprünglichen Sees, der rein unterirdisch entwässerte, zu minimieren. Zudem wurde 1933/34 mit dem Bau eines Ablaufstollens auf 1930 m Seehöhe begonnen.[2]
In den Jahren 1955 bis 1958 vergrößerte die Vorarlberger Illwerke AG das Speichervolumen des Sees mit dem Bau einer Gewichtsstaumauer entlang der vorhandenen Felsschwelle.[3] Die Form und der Verlauf der Staumauer mussten sich genau an die vorhandene Geländeformation anpassen. Für den Bau der Staumauer wurden rund 41.000 m³ Beton verwendet. Nach einem Teilstau auf 1888 m Seehöhe im Jahr 1958 erfolgte im Folgejahr der erste Vollstau.[2]
Wasserversorgung
Das Wasser wird von der illwerke vkw AG zur Stromerzeugung im Lünerseewerk genutzt. Da die natürlichen Zuflüsse aus dem nur 13 km² großen Einzugsgebiet mehr als fünf Jahre benötigen, um das nutzbare Volumen des Sees einmal zu füllen, wurde das Lünerseewerk als Pumpspeicherkraftwerk konzipiert.
Um das Schmelzwasser des Brandner Gletschers für die Speisung des Stausees nutzen zu können, wurde ab 1957 der 1,35 km lange Totalpstollen gebaut. Er durchquert dabei den Zirmenkopf und entwässert in den Totalpsee am Fuße der Totalphütte, der wiederum in den Lünersee fließt. Das abgearbeitete Wasser des Lünersees wird im Staubecken Latschau zwischengespeichert und von dort in die Kraftwerke Rodund I und II weitergeleitet oder in ihn zurückgepumpt.[4]
Im Jährlichen Mittel betragen somit die Zuflüsse 15,1 Mio. m³/Jahr, sowie der Zufluss aus Oberwasserführung der Rodundwerke 63,2 Mio. m³/Jahr.[5]
Seit 2017 ist das Rellswerk, ein weiteres Pumpspeicherkraftwerk, in Betrieb. Dieses ist an die Druckwasserführung Lünersee–Lünerseewerk angeschlossen und erhöht den Zufluss zum Lünersee um rund 17 Mio. m³/a.[6]
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Kraftwerksgruppe Obere Ill-Lünersee | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Technisches
Stauraum
Das Stauziel liegt auf einer Höhe von 1970 m. ü. A., das Absenkziel auf 1897,47 m ü. A. Der Betriebsschwerpunkt liegt auf 1947,47 m ü. A., der Speicherschwerpunkt auf 1939,30 m ü. A.[7]
Der Nutzinhalt des Lünersees beträgt somit 78,3 Mio. m³ (Wasseroberfläche bei Vollstau 1,55 km²). Dies entspricht etwa 262 Mio. kWh an gespeicherter Energie.[8] Das nutzbare Volumen des Sees würde bei voller Leistung des Lünerseewerks im Turbinenbetrieb (Durchfluss 27,5 m³/s) knapp 33 Tage reichen. Das Auffüllen des nutzbaren Volumens, wozu die natürlichen Zuflüsse über fünf Jahre benötigen, würden die Pumpen des Werks in gut 40 Tagen schaffen.[9] Die Wassertiefe bei Vollstau beträgt 139 Meter.[10]
2013 wurden die technischen Einrichtungen des Stauwerks am Lünersee und die Verbindungsleitungen zum Lünerseewerk saniert. Unter anderem war ein Tausch der verschlissenen Drosselklappen nötig, wozu der Seespiegel um über 80 m abgesenkt wurde.[11] Im Zuge vorgeschriebener, turnusmäßiger Wartungsarbeiten an Staumauer und Absperrorganen wurde das Wasser im Frühjahr 2025 erneut abgelassen, wonach sich nur noch etwa ein Sechstel der Vollstau-Wassermenge im See befand.[12]
Speicherabsenkung
Im Rahmen des regelmäßigen Wartungsintervalls wird der Lünersee etwa alle zehn Jahre temporär abgesenkt. Die planmäßige Speicherabsenkung im Frühjahr 2025 erstreckte sich über rund drei Wochen, einschließlich der anschließenden Wiederauffüllung.[13]
Die Maßnahme dient der Inspektion und Wartung von Grundablass, Zwischenablass, Einlaufbauwerke, Druckstollen und Leitungen.[13]
Das Wasser wurde zunächst energetisch genutzt und anschließend kontrolliert über den Grundablass in den Alvierbach abgegeben. Die Absenkung erfolgte in einer Periode geringer natürlicher Zuflüsse, um ökologische Auswirkungen möglichst gering zu halten. Schutzmaßnahmen gegen Ufererosion und Wassertrübung sowie der Schutz der Fischbestände wurden kontinuierlich überwacht; zudem erfolgten regelmäßige Messungen der Wasserqualität.[13]
Triebwasserfassung
Das Einlaufbauwerk befindet sich in der östlichen Felsflanke in Nähe der Staumauer, auf einer Schwelle auf 1891 m Seehöhe. An den Grob- und Feinrechen schließt ein Druckstollen mit 3,05 m Durchmesser an, der bis zu 32 m³/s im Turbinenbetrieb und 26 m³/s im Pumpbetrieb fördern kann. Nach 100 m befindet sich die Schieberkammer mit zwei Drosselklappen, Durchmesser 2,5 m.[2]
Entlastungsbauwerke
Am westlichen Ende der Staumauer ist die Hochwasserentlastung angeordnet. Der Grundablass hat einen Durchmesser von 1,2 m und ist im ehemaligen Ablassstollen auf 1888 m Seehöhe verlegt. Zudem besteht ein weiterer Auslass auf 1930 m Seehöhe. Die Gesamtentlastung der Bauwerke entspricht 32 m³/s.[2]

Bedeutung für Tourismus
Der Lünersee ist ein bedeutendes Ausflugsziel des Sommertourismus in Vorarlberg. Er dient als Ausgangspunkt zahlreicher Wanderungen im Rätikon, darunter Touren zur Schesaplana, dem höchsten Gipfel der Gebirgsgruppe. Durch die Erschließung mittels der Lünerseebahn sowie die Nähe zur Douglasshütte und zur Totalphütte ist das Gebiet touristisch gut zugänglich. Darüber hinaus zählt der Lünersee zu den beliebten Angelrevieren der Region.
Der Lünersee wurde bei der ORF-Sendung „9 Plätze – 9 Schätze“ im Oktober 2019 zum schönsten Platz in ganz Österreich gekürt und erlangte dadurch noch größeren Bekanntheitsgrad.[14]
Siehe auch
Weblinks
Literatur
- Manfred Hunziker: Ringelspitz/Arosa/Rätikon, Alpine Touren/Bündner Alpen, Verlag des SAC 2010, ISBN 978-3-85902-313-0, S. 522
