Lünerseebahn

Luftseilbahn im Rätikon From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Lünerseebahn ist eine Luftseilbahn und Pendelbahn im Brandnertal im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Sie verbindet die Talstation auf 1568 m ü. A. am Talende im Gemeindegebiet von Brand mit der Bergstation bei der Staumauer des Lünersees im Gemeindegebiet von Vandans auf 1983 m ü. A.

Lünerseebahn (August 2020)

Geschichte

1. Generation (1956 – 2019)

Ursprünglich als reine Materialseilbahn (max. Tragfähigkeit 6 t) mit beschränkt öffentlichem Betrieb für den Bau und die Erhaltung des Lünersee-Staudamms im Jahr 1956 in Betrieb genommen, ist die Bahn seit dem Jahr 1959 für den öffentlichen Personenverkehr konzessioniert und damit ein beliebter Weg, um zu Tagesausflügen zum Lünersee oder in die diesen umgebende Bergwelt des Rätikons zu gelangen.[1]

Die Bahn erfuhr mehrere Umbauten: 1993 wurde eine neue Kabine von Swoboda für bis zu 40 Personen geliefert, 1995 folgte ein neues Zugseil, zwei Jahre später wurde auch das Tragseil erneuert. 2004 wurde die Antriebstechnik durch die Firma Doppelmayr modernisiert. Ab 2007 erfolgte dann die Erneuerung der Gebäude bei Berg- und Talstation. 2009 wurde das Laufwerk ersetzt und ein selbstfahrendes Bergefahrzeug angeschafft.[1]

Die Bahn wurde weiterhin bedarfsweise als Materialseilbahn für den Kraftwerksbetrieb benutzt. Die Anlage verfügte über eine Lastenplattform für bis zu 4 t sowie über ein zusätzliches Lastengehänge für insgesamt 6 t Nutzlast, mit dem anstelle der Kabine Material oder auch leichte Fahrzeuge transportiert werden konnten. Material- und Lebensmitteltransporte für die Totalphütte werden, sofern sie nicht per Hubschrauber geschehen, ebenfalls mit der Lünerseebahn erledigt. Während sich die Talstation in Schattenlagant in einem neuen Betriebsgebäude befindet, ist die alte Bergstation am Staudamm baulich mit der Douglasshütte verbunden. Die dortige Gastwirtschaft ist von der Bergstation aus barrierefrei zugänglich.

2019 lief die Konzession der Seilbahn aus, die maximale Betriebszeit von 60 Jahren wurde erreicht. Die bestehende Bahn wurde am 15. September 2019 für den öffentlichen Verkehr geschlossen und ab dann umfassend technisch saniert.[2]

2. Generation (seit 2019)

In Anbetracht des Konzessionsablaufs der alten Anlage wurden unterschiedliche Neubauvarianten für die Bahn in Erwägung gezogen. Eine von mehreren angedachten Möglichkeiten, die Talstation in die Nähe der Palüdbahn zu verlegen, eine Bahn mit einer Länge von fast 4,6 Kilometern und Stützen mit über 100 Metern Höhe bei einem Investitionsvolumen von rund 25 Millionen Euro zu errichten, wurde fallengelassen.[2]

Stattdessen wurde die Bahn in ursprünglicher Lage, unter Verwendung der bestehenden Berg- und Talstationsgebäude, innerhalb von 11 Monaten wiedererrichtet. Der Umbau wurde von der Fa. Doppelmayr/Garaventa in Wolfurt realisiert. Am 8. August 2020 wurde die neue Lünerseebahn in Betrieb genommen.[3]

Statt bisher nur einem Tragseil kommen zur Verbesserung der Windstabilität zwei Tragseile zum Einsatz. Außerdem wurden die zwei kleineren Stützen nahe der Bergstation durch eine große Fachwerkstütze ersetzt. Die neue Seilbahn hat eine Kabine für maximal 65 Personen und erbringt somit eine Förderleistung von 475 Personen pro Stunde und Richtung.[3][4] Auch die erneuerte Anlage bietet weiterhin die Möglichkeit, Unterlast-Materialtransporte mit Kabine für bis 4 t Nutzlast durchzuführen, sowie ohne Kabine bis zu 7 t zu transportieren.[4]

Mit der Inbetriebnahme der erneuerten Bahn führten die Illwerke eine Gebührenpflicht für den früher kostenlosen Parkplatz an der Talstation ein. Zudem verkehrt die Buslinie 81 des Verkehrsverbundes Vorarlberg von Postamt und Bahnhof Bludenz über Brand zur Talstation der Lünerseebahn während der Betriebszeiten der Bahn seither häufiger: in der Hochsaison vormittags und nachmittags im Halbstunden- und mittags im Stundentakt.[5]

Technische Daten

Als einspurige Pendelbahn hat die Lünerseebahn keine zweite Gondel als Gegengewicht, weshalb der Motor bei der Talfahrt die Bremskraft übernehmen muss. Dabei fungiert dieser als Generator und erzeugt Strom. So werden rund 40 % der verbrauchten Energie zurückgewonnen.[6]

  • Betreiberin: illwerke vkw Gruppe
  • Planung: Salzmann Ingenieure
  • Hersteller der elektrischen Steuerung: Frey Austria
  • Schräge Länge: 893 Meter
  • Höhendifferenz: 411 Meter
  • größte Höhe über Grund: 140 m[7]
  • Fahrgeschwindigkeit: maximal 10 m/s
  • Fahrzeit: 2,7 Minuten
  • Förderleistung: Maximal 475 Personen pro Stunde
  • Fahrbetriebsmittelhersteller: Carvatech
  • Fahrbetriebsmittelkapazität: 1 × 65 Personen zzgl. ein Kabinenbegleiter
  • Seilhersteller: Fatzer
  • Seildurchmesser Tragseil: 48 mm
  • Seildurchmesser Zugseil: 34 mm
  • Motornennleistung: 640 kW[8]

Im Falle eines Antriebsausfalls kann die Kabine mit 0,5 m/s kontrolliert ins Tal abgelassen werden, um die Fahrgäste zu evakuieren.[4]

Betrieb

Die Bahn fährt nur im Sommerhalbjahr, üblicherweise von Mitte Mai bis Mitte Oktober. Die Anlage befindet sich im Eigentum der Illwerke vkw AG und wird von deren Tochtergesellschaft Golm Silvretta Lünersee Tourismus betrieben.[1]

Commons: Lünerseebahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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