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L. Benjamin Wyckoff

US-amerikanischer Psychologe und Hochschullehrer From Wikipedia, the free encyclopedia

Lewis Benjamin Wyckoff (* 1922 in Niagara Falls; † 6. Juni 2007 auf St. Simons Island) war ein US-amerikanischer Psychologe, Professor an der Emory University und Unternehmer.[1]

Leben

Er besuchte zuerst das Antioch College und studiert hier von 1941 bis 1947 Vormedizin, nach fünf Jahre erhielt er seinen ersten Abschluss. Danach bewarb er sich an der Harvard Medical School, änderte aber seine Meinung und promovierte stattdessen in Psychologie. Nachdem er von B. F. Skinners Arbeit erfahren hatte, beschloss er, unter dessen Betreuung 1947 an der Indiana University Bloomington zu studieren und belegte er einen Einführungskurs zum Thema experimentelle Verhaltensanalyse bei Skinner. Durch seine Bekanntschaft mit Skinner erhielt er eine Einladung, im Sommer 1950 mit Skinner (dieser war 1948 nach Harvard zurückgekehrt) an der Harvard University zusammenzuarbeiten. Hier setzte er die in Indiana begonnene Forschung zur Begriffsbildung fort. Obwohl Skinner ihn einlud, in Harvard zu bleiben, um sein Studium abzuschließen, entschied er sich, an die Indiana University zurückzukehren und erwarb hier seinen Master-Abschluss bei William K. Estes. In seiner Masterarbeit befasste er sich mit dem quantitativen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Hebeldrücke während der Extinktion und der Anzahl der während der Konditionierung verabreichten Verstärker. 1953 promovierte er an der Indiana University.

Danach nahm er eine Stelle als Dozent an der University of Wisconsin–Madison an. Seine Abneigung gegen Verwaltungsarbeit und akademische Politik führte aber zu beruflicher Unzufriedenheit in Wisconsin und so nahm er 1960 eine unbefristete Stelle als außerordentlicher Professor an der Emory University an. Auch hier erwies sich Umfeld an der Emory University als kompliziert, da er keinesfalls Fachbereichsleiter werden wollte. Der Druck, dem er ausgesetzt war, beeinträchtigte seine Motivation, seine akademische Karriere fortzusetzen.

Er verließ deshalb die akademische Welt, um zwei Unternehmen mitzugründen, die zu erfolgreichen Anbietern von Programmierter Unterweisung und Lehrmaschinen im Sinne der Technologien von Skinner wurden, die „Teaching Machines, Inc. (TMI)“ (bis 1965) und das „Human Development Institute (HDI)“. Mit den von diesen Firmen Geräten sollten Lernprozesse strukturiert, automatisiert und individualisiert werden und sie waren ein früher Vorläufer moderner E-Learning‑Systeme. Sein Engagement in diesen Unternehmen war beispielhaft für die Anwendung grundlegender verhaltensanalytischer Prinzipien in der Technologieentwicklung zur Verbesserung von Bildung und zwischenmenschlichen Beziehungen. Obwohl die Unternehmen und Lehrprogramme, an denen er beteiligt war, hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Lernprozesse und die Verbesserung der zwischenmenschlichen Beziehungen wirksam waren, waren sie finanziell nicht erfolgreich. Sowohl TMI als auch HDI erwirtschafteten hohe Gewinne, die jedoch größtenteils reinvestiert wurden, um die Maschinen und Programme zu verbessern. Nach seinem Ausscheiden bei HDI arbeitete er als Systemanalyst beim „Georgia Department of Vocational Rehabilitation“. Anschließend übernahm er eine Position als Forschungs- und Evaluierungsleiter beim „Georgia Department of Corrections“. Er ging 1987 von dieser Position aus in den Ruhestand.

Werk

Ere war ein wegweisender Psychologe, dessen Arbeit die experimentelle Verhaltensanalyse maßgeblich prägte, insbesondere in den Bereichen der Beobachtung von Reaktionen, der sekundären Verstärkung und der frühen Computermodelle des Lernens. Seine Beiträge schlugen eine Brücke zwischen Laborforschung, mathematischer Modellierung und der Entwicklung von Lernmaschinen, die spätere Bildungstechnologien vorwegnahmen. An der Indiana University hatte er das Konzept der Beobachtungsreaktion (engl. observing response) entwickelt – eine Verhaltensweise, bei der ein Organismus aktiv Informationen einholt, bevor er eine Entscheidung trifft. Dieses Konzept wurde zu einem Grundpfeiler der Diskriminationsforschung. Später an der University of Wisconsin–Madison verfeinerte er seine mathematische Theorie der sekundären Verstärkung, die wiederum zur Entwicklung eines der ersten elektronischen Lernmodelle führte: einer Simulation einer Ratte in einem T‑Labyrinth.

Unter Verhaltensanalytikern ist er wohl am besten als Schöpfer des Beobachtungs-Reaktions-Verfahrens (engl. observing-response method) bekannt, ein Schlüsselkonzept zum Verständnis, wie Organismen Informationen suchen, bevor sie Entscheidungen treffen. Dieses bot eine Möglichkeit, den Erwerb und die Aufrechterhaltung eines operanten Verhaltens zu demonstrieren, dessen einzige programmierte Konsequenz die Produktion diskriminativer Reize ist, ohne die Rate der primären Verstärkung zu verändern. Das Verfahren besteht typischerweise aus zwei Komponenten, die sich zufällig abwechseln. Während einer Komponente werden Reaktionen gemäß einem intermittierenden Verstärkungsplan (z. B. einem variablen Intervall) verstärkt; während der anderen Komponente werden Reaktionen nicht verstärkt. Eine Reaktion ist ein zweites Operandum (ein Hebel oder eine Vorrichtung in einer operanten Kammer, auf die das Versuchstier reagiert), das kurzzeitig den mit der jeweiligen Komponente assoziierten Reiz auslöst (z. B. ein grünes Licht während der Verstärkungskomponente und ein rotes Licht während der Extinktionskomponente). Das Beobachtungs-Reaktions-Verfahren wird als eine der nützlichsten Methoden zur Untersuchung konditionierter Verstärkung bezeichnet. Er war außerdem mit Joseph B. Sidowski Mitautor einer Arbeit über den Einfluss von Bestrafung und Verstärkung in einer minimalen Gesellschaftssituation. Dieses Experiment zeigte, dass zwei Teilnehmer zusammenarbeiten können, um Verstärkung zu erzielen und Bestrafung für beide zu reduzieren, selbst wenn sie sich der sozialen Interaktion nicht bewusst sind.

Während seiner Zeit an der Emory University hatte er sich Wyckoff mit Jerome Berlin angefreundet, einem Kollegen aus der Fakultät für Klinische Psychologie, der als ehemaliger Student von Carl Rogers an der Universität Chicago ein Verfechter der klientenzentrierten Therapie war. Für diesen war effektive Kommunikation dann gegeben, wenn der Zuhörer einem klientenzentrierten Therapeuten ähnelte, indem er während der gesamten Interaktion mit dem Sprecher Empathie, Kongruenz und bedingungslose positive Wertschätzung zeigte. Wyckoff schlug vor, dass Kommunikation als Lernprozess analysiert werden kann. Menschen kommunizieren auf der Grundlage ineinandergreifender Bedingungen; das heißt, Sprechen liefert einander diskriminative und verstärkende Reize. Eine Person kommuniziert mit einer anderen, wenn ihre verbalen Reaktionen verstärkt werden, und die Kommunikation bricht ab, wenn ihre verbalen Reaktionen unterdrückt oder bestraft werden. Deshalb untersuchte er, ob sich die Kommunikation verbesserte, indem jeder Teilnehmer darin geschult wurde, positive Aussagen über die vorherige verbale Reaktion des anderen zu machen. Aus diesen Experimenten leiteten er und Berlin systematische Beispiele für Alltagsdialoge ab, die sie in den ersten programmierten Unterrichtskurs integrierten, der 1963 fertiggestellt wurde und der die Kommunikation in allgemeinen Beziehungen verbessern sollte.

Ehrungen/Positionen

  • Mitglied der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP)
  • 1959: Gründungsmitglied der Psychonomic Society
  • 1955: Forschungsstipendium am Center for Advanced Study in the Behavioral Sciences der Stanford University[2]

Privates

An der Indiana University in Bloomington lernte er seine spätere Frau Estelle kennen; aus der Ehe gingen die zwei Söhne Daniel und Andrew hervor. Er war neben seiner beruflichen Tätigkeit ein hervorragender Pianist. Erfahrungen in den frühen 1960er Jahren in Branchen, in denen afroamerikanische Angestellte Konflikte mit weißen Vorgesetzten hatten und Frauen nur einen Bruchteil des Gehalts von Männern erhielten, scheinen ihn stark geprägt zu haben. Er wurde aufgrund dieser Erfahrungen ein leidenschaftlicher Verfechter der Menschenrechte. Das Interesse an sozialen Fragen begleitete ihn sein ganzes Leben lang. 2006 vollendete er das Drehbuch zu einem Musical (Musik und Liedtexte von Thomas A. Gaines; US-Urheberrechtsamt, Registrierungsnummer: PAu003079245), das auf dem Roman „Peaceable Lane“ von Keith Wheeler aus den 1960er-Jahren basiert. Der Roman erzählt von den Problemen der Rassentrennung, mit denen eine afroamerikanische Familie konfrontiert war, die in eine weiße Gemeinde in den Vororten von Westchester, New York, zog.

Publikationen (Auswahl)

Monografien
  • Mit Joseph B. Sidowski Conditioning, Cognition, and Methodology. Contemporary Issues in Experimental Psychology. University Press of America, 1989, Lanham ISBN 978-0-8191-7496-3.
  • Resistance to extinction of a lever pressing response in white rats as a function of number of reinforcers. Unpublished master’s thesis, Indiana University, Bloomington 1950.
  • The role of observing responses in discrimination learning. Unpublished doctoral dissertation, Indiana University, Bloomington 1951.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
  • Mit J. B. Sidowski; L. Tabory: The influence of reinforcement and punishment in a minimal social situation. In: E. McGinnies; C. B. Ferster (Hrsg.): The reinforcement of social behavior (S. 34–38). Houghton-Mifflin, Boston 1971.
  • The role of observing responses in discrimination learning: Part II. In: D. P. Hendry (Hrsg.): Conditioned reinforcement (S. 237–260). Dorsey, Homewood, IL 1969.
  • Mit J. I. Berlin: Human relations training through dyadic programmed instruction. In: Paper presented at the convention of the American Psychological Association, Los Angeles 1964.
  • Mit J. B. Sidowski; L. Tabory: The influence of reinforcement and punishment in a minimal social situation. In: A. W. Staats (Hrsg.): Human learning: Studies extending conditioning principles to complex behavior (S. 347–353). Holt, Rinehart, and Winston, New York 1964.
  • Mit J. I. Berlin: The teaching of improved interpersonal relations through programmed instruction for two people working together. In: Paper presented at the convention of the American Psychological Association, Philadelphia 1963.
  • U.S. Patent No. 3,137,948. Washington, DC: U.S. Patent and Trademark Office 1964.
  • Mit B. Pyron: The rate of pecking by pigeons as a function of amount and frequency of reinforcement. In: American Journal of Psychology, 1961, 74, S. 278–282.
  • Mit H. P. Zeigler: Observing responses and discrimination learning. In: The Quarterly Journal of Experimental Psychology, 1961, 13, S. 129–140.
  • Mit J. B. Sidowski; D. J. Chambliss: An experimental study of the relationship between secondary reinforcing and cue effects of a stimulus. In: Journal of Comparative and Physiological Psychology, 1958, 51, S. 103–109.
  • Toward a quantitative theory of secondary reinforcement. In: Psychological Review, 1959, 66, S. 68–78.
  • Mit Joseph B. Sidowski; L. Tabory: The influence of reinforcement and punishment in a minimal social situation. In: Journal of Abnormal and Social Psychology, 1956, 52, S. 115–119.
  • A mathematical model and an electronic model for learning. In: Psychological Review, 1954, 61, S. 89–97.
  • The role of observing responses in discrimination learning: Part I. In: Psychological Review, 1952, 59, S. 431–442.
  • H. A. Page: A grid for administering shock. In: The American Journal of Psychology, 1954, 67, S. 154.
  • Mit Joseph B. Sidowski: Probability discrimination in a motor task. In: Journal of Experimental Psychology, 1955, 50 (4), S. 225–231.
  • Mit J. B. Sidowski: Probability discrimination in a motor task. In: Journal of Experimental Psychology, 1955, 50, S. 225–231.
  • A mathematical model and an electronic model for learning. In: Psychological Review, 1954, 61 (2), S. 89–97.
  • The role of observing responses in discrimination learning. Part I. In: Psychological Review, 1952, 59 (6), S. 431–442.
  • Resistance to extinction of a lever pressing response in white rats as a function of number of reinforcers. In: Proceedings of the Indiana Academy of Science, 1951, 60, S. 308.

Literatur

  • Hirota TT: The Wyckoff observing response-a reappraisal. J Exp Anal Behav. 1972 Sep;18(2):263-76. doi:10.1901/jeab.1972.18-263.
  • Escobar, R., & Lattal, K. A. (2011): Observing Ben Wyckoff: From basic research to programmed instruction and social issues. The Behavior Analyst, 34 (2), 149–170.

Einzelnachweise

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