La Dirindina

Oper/Farsetta von Domenico Scarlatti From Wikipedia, the free encyclopedia

La Dirindina ist ein Opernintermezzo bzw. eine Farsa (Originalbezeichnung: „farsetta per musica“) in zwei Teilen von Domenico Scarlatti (Musik) mit einem Libretto von Girolamo Gigli. Die Uraufführung sollte am 21. Januar 1715 im Teatro Capranica in Rom zwischen den Akten von Scarlattis Oper Ambleto stattfinden, wurde aber aufgrund inhaltlicher Bedenken abgesagt.

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Operndaten
Titel: La Dirindina

Titelblatt des Librettos, Lucca 1715

Form: Farsetta per musica“
Originalsprache: Italienisch
Musik: Domenico Scarlatti
Libretto: Girolamo Gigli
Uraufführung: 21. Januar 1715 (abgesagt)
Ort der Uraufführung: Teatro Capranica, Rom
Spieldauer: ca. 30 Minuten
Personen
  • Don Carissimo, alter Musiklehrer (Bass)
  • Dirindina, Sängerin, seine Schülerin (Sopran, Kastrat)
  • Liscione, Sänger, Kastrat (Sopran oder Tenor)[1]
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Handlung

Erster Teil

Zimmer mit Cembalo und Musikbüchern

Don Carissimo gibt seiner jungen Schülerin Dirindina Gesangsunterricht. Aufgrund ihrer mangelnden Begabung muss er viel kritisieren. Außerdem glaubt er, dass ihr Verhältnis mit dem Kastraten Liscione ihre Leistungen beeinträchtigt. Dirindina weist die Vorwürfe zurück. Sie hält Don Carissimo für eifersüchtig und möchte ihre Beziehung auf die Musik beschränken (Arie Dirindina: „Vo’ cantar come a voi piace“). Nach einem kurzen Wortgefecht setzen beide den Unterricht fort, doch in diesem Moment erscheint Liscione. Er hat einen Brief mit einem gut bezahlten Angebot aus Mailand erhalten: Dirindina soll dort in der Oper Coriolanus auftreten. Don Carissimo glaubt nicht, dass ihre Fähigkeiten dazu ausreichen. Er besteht darauf mitzukommen, um sie zu unterstützen (Arie Don Carissimo: „Sola voi? Mi meraviglio!“). Dirindina und Liscione lehnen das rundweg ab und flirten zu Don Carissimos Unwillen ungeniert miteinander. Dieser hat schließlich genug von dem Theater und droht, Dirindinas Mutter Dirindona zu informieren (Terzett: „Commar Dirindona“).

Zweiter Teil

Dirindina zweifelt jetzt selbst an ihrer Begabung. Liscione beruhigt sie: Ihr Charme und ihr hübsches Gesicht reichten für die Bühne völlig aus (Arie Liscione: „Queste vostre pupillette“). Außerdem will er ihr hilfreich zur Seite stehen, den Cembalostimmer bestechen und ihr Gelegenheit geben, viele reiche Männer zu bezaubern. Sie könne sich die gerissene Sängerin Calandrina in Pavia zum Vorbild nehmen, die von ihren Verehrern in weniger als einer Stunde hunderte Perlenketten erhielt. Dirindina ist begeistert von dieser Aussicht (Arie Dirindina: „A un amante, quand’è cotto“). Als Liscione ihr erklärt, dass zur Eroberung der Herzen neben einer feminen Stimme auch graziöse Bewegungen gehören, spielt Dirindina ihm die Szene der Dido vor, in der diese ihrem Geliebten Aeneas seine Treulosigkeit vorwirft. Genau in diesem Augenblick trifft Don Carissimo ein. Er hält Dirindinas gespielte Wut, ihre Ausdrücke „mio letto macchiato“ (‚mein beflecktes Bett‘) und „i sacri nodi maritali“ (‚die heiligen Eheschwüre‘) und ihren Hinweis auf ein ungeborenes Kind für real. Als sich Dirindina im Spiel selbst erdolchen will, unterbricht er sie und rät ihr, das Kind nach der Geburt entweder in ein Waisenhaus zu geben oder zu töten. Außerdem müsse sie Liscione umgehend heiraten. Dirindina und Liscione können sich vor Lachen kaum halten. Dennoch besteht der verwirrte Don Carissimo darauf, beider Hände zu vereinen (Terzett: „Dammi la man, Liscione“).

Musiknummern

Die Oper enthält die folgenden Musiknummern:[2]

Erster Teil

  • Sinfonia: Minuet
  • Rezitativ (Don Carissimo, Dirindina): „Signora Dirindina“
  • Arie (Dirindina): „Vo’ cantar come a voi piace“
  • Rezitativ (Don Carissimo, Dirindina, Liscione): „E questo basta a me“
  • Arie (Don Carissimo): „Sola voi? Mi meraviglio!“
  • Rezitativ (Liscione, Don Carissimo, Dirindina): „Sola, signora sì“
  • Terzett (Don Carissimo, Dirindina, Liscione): „Commar Dirindona“

Zweiter Teil

  • Rezitativ (Dirindina, Liscione): „Ma il vostro sentimento“
  • Arie (Liscione): „Queste vostre pupillette“
  • Rezitativ (Dirindina, Liscione): „Di voi mi fido“
  • Arie (Dirindina): „A un amante, quand’è cotto“
  • Rezitativ (Liscione, Dirindina, Don Carissimo): „Ma quell che più pilotta“
  • Terzett (Don Carissimo, Liscione, Dirindina): „Dammi la man, Liscione“

Werkgeschichte

Dieses zweiteilige Werk von Domenico Scarlatti dem Librettisten Girolamo Gigli war für eine Aufführung als Intermezzo zwischen den drei Akten seiner Oper Ambleto bestimmt,[3] die ab dem 21. Januar 1715 im römischen Teatro Capranica gezeigt wurde.[4] Als Darsteller waren Domenico Fontani (Dirindina), Michele Selvatici (Don Carissimo) und Tommaso Bizzarri (Liscione) vorgesehen.[5] Die Besetzung bestand ausschließlich aus Männern, da aufgrund eines Dekrets von Papst Sixtus V. aus dem Jahr 1588 keine Frauen auf den Bühnen des Kirchenstaats auftreten durften.[6] Die bissige Satire auf die damalige Opera seria und deren Ausführende erregte jedoch Anstoß bei den Interpreten, sodass die Aufführung und der Librettodruck zurückgezogen werden mussten. Dass die Probleme bereits vor Fertigstellung der Komposition auftraten, ist daran ersichtlich, dass die Partie des Liscione im ersten Teil im Tenorschlüssel steht, zweiten Teil aber im Sopranschlüssel. Anstelle von Scarlattis Intermezzo wurde nun ein pastorales Stück eines unbekannten Komponisten aufgeführt.[7]

Das Libretto erschien noch 1715 mit der Bezeichnung „farsetta per musica“ in Lucca im Druck.[3] Die früheste bekannte Aufführung war 1725 im Teatro San Samuele in Venedig. Es könnte sich allerdings um eine Neuvertonung von Giglis Libretto gehandelt haben.[7] Drei weitere Vertonungen des Textes sind bekannt: Dirindina eines anonymen Komponisten (Teatro Valle, Rom 1729), Il maestro di musica geloso von Giacomo Maccari (Teatro Regio Ducale, Mailand 1732) und La Dirindina von Giovanni Battista Martini (Privataufführung, Bologna 1737).[8] Die Partitur von Scarlattis Intermezzo galt lange Zeit als verschollen, bis 1965 in Venedig ein Manuskript auftauchte.[9]

Aufnahmen

  • 1968 – Riccardo Muti (Dirigent), Orchestra A. Scarlatti della RAI di Napoli.
    Sesto Bruscantini (Don Carissimo), Emilia Ravaglia (Dirindina), Franco Bonisolli (Liscione).
    Live, konzertant aus Neapel.
    Nuova Era CD: HR 4509/10 (2 CDs).[10.1]
  • 1985 – Fabio Maestri (Dirigent), Complesso da camera Ass. Fil. Umbra.
    Giorgio Gatti (Don Carissimo), Kate Gamberucci (Dirindina), Gianfranco Mari (Liscione).
    Live; kombiniert mit der Vertonung von Giovanni Battista Martini.
    Bongiovanni CD: GB 2026-2, Bongiovanni LP: GB 2026.[10.2]
  • September 1995 – Riccardo Cirri (Dirigent), Goffredo Gori (Regie), Ars Cantus Orchestra.
    Giorgio Gatti (Don Carissimo), Patrizia Cigna (Dirindina), Ernesto Palacio (Liscione).
    Video; live aus der Villa Medici in Poggio a Caiano; kombiniert mit Domenico Cimarosas Il maestro di cappella und Domenico Sarros L’impresario delle Canarie.
    Bongiovanni (DVD).[11]
  • 10. November 2005 – Errico Fresis (Dirigent), Ensemble PanArte.
    Timothy Sharp (Don Carissimo), Olivia Vermeulen (Dirindina), Tim Severloh (Liscione).
    Live aus dem Kulturzentrum Herne im Rahmen der Tage Alter Musik in Herne; Einrichtung von Errico Fresis; kombiniert mit der Kammeroper Radames von Péter Eötvös.
    Radioübertragung auf WDR 3.[12]
  • 11.–13. September 2007 – Federico Guglielmo (Dirigent), L‘Arte dell‘Arco.
    Giulio Mastrotaro (Don Carissimo), Marina Bartoli (Dirindina), Makoto Sakurada (Liscione).
    Studioaufnahme; kombiniert mit Scarlattis Sinfonias Nr. 3, 7, 10 und 15.
    cpo 777 555-2.[13]
  • 6./7. September 2011 – Matthew Dirst (Dirigent), Ars Lyrica Houston.
    Brian Shircliffe (Don Carissimo), Jamie Barton (Dirindina), Joseph Gaines (Liscione).
    Studioaufnahme; kombiniert mit zwei Cembalosonaten Scarlattis.
    Solo Luminus DSL-92159.[2]
  • März 2014 – Diego Bortolato (Dirigent), Carlo Torriani (Regie), Kammerorchester Lo Splendore di San Marco.
    Carlo Torriani (Don Carissimo), Elena De Simone (Dirindina), Filippo Pina Castiglioni (Liscione).
    Video; live aus dem Teatro Accademico in Castelfranco Veneto; kombiniert mit Tomaso Albinonis Pimpinone.
    Dynamic 37719 (DVD).
  • 2016 (Veröffentlichung) – Enrico Barbagli (Dirigent), I Solisti Ambrosiani.
    Carlo Torriani (Don Carissimo), Tullia Pedersoli (Dirindina), Filippo Pina Castiglioni (Liscione).
    Fassung von Francesco Degrada, Edizione Casa Ricordi; kombiniert mit der Vertonung von Giovanni Battista Martini.
    Bongiovanni GB 2482-2.[14]
  • 18. Mai 2019 – Lorenzo Giossi (Regie und Bühne), Gianluca Spaggiari (Licht), Gianpaolo Tirelli (Kostüme), Ensemble Vago Concento.
    Dario Giorgelé (Don Carissimo), Cecilia Rizzetto (Dirindina), Angelo Goffredi (Liscione).
    Video; live aus dem Palazzo del Te in Mantua.
    Amaremantova; Videostream auf YouTube.[15]
  • 17. September 2022 – Silvio Celeghin (Dirigent), Bruno De Simone (Regie), I Solisti Veneti.
    Bruno De Simone (Don Carissimo), Alessia Pintossi (Dirindina), Angelo Goffredi (Liscione), Chiara Finco (Dirindona).
    Video; live aus dem Teatro Scientifico Bibiena in Mantua.
    Amaremantova; Videostream auf YouTube.[16]
  • September 2024 – Eric Eade Foster (Dirigent), Valerio Bufacchi (Regie und Bühne), Marco Nateri (Kostüme), Pan Opera Festival Ensemble.
    Sänger: Annalisa Massarotto, Nico Mamone, Filippo Pina Castiglioni, Stefano Guadagnini, Marlon Zighi Orbi.
    Video; live vom Pan Opera Festival aus dem Teatro Cesare Caporali in Panicale.
    Téathron Musikè; Videostream auf YouTube.[17][18]
Commons: La Dirindina (Scarlatti) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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