La France insoumise
politische Partei in Frankreich
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La France insoumise (Abkürzung: FI, in den Medien auch LFI deutsch: Unbeugsames Frankreich) ist eine linkspopulistische, seit dem Februar 2026 durch den Conseil d’Etat an der „äußersten Linken des politischen Spektrums“ eingestufte[2] und EU-skeptische Partei in Frankreich. Die FI wurde im Februar 2016 von Jean-Luc Mélenchon mit dem Ziel der Umsetzung des Programms L’Avenir en commun gegründet.
| La France insoumise Unbeugsames Frankreich | |
|---|---|
| Koordinator | Manuel Bompard |
| Gründung | 10. Februar 2016 (Bewegung) 23. Januar 2017 (Partei) |
| Hauptsitz | 25, passage Dubail 75010 Paris |
| Ausrichtung | Altermondialismus, Linkspopulismus, Demokratischer Sozialismus, Ökosozialismus, Souveränismus, Europaskeptizismus[1] |
| Farbe(n) | Ocker, Violett |
| Jugendorganisation | Les Jeunes insoumis·es |
| Zeitung | L’Heure du peuple Le Journal de l’insoumission |
| Sitze Nationalversammlung | 71 / 577 (12,3 %) |
| Mitgliederzahl | über 600.000 (2019) |
| Koalition | Neue Volksfront |
| Sitze EU-Parlament | 9 / 81 (11,1 %) |
| Europapartei | Allianz der Europäischen Linken |
| EP-Fraktion | Die Linke |
| Website | lafranceinsoumise.fr |
Geschichte
Die Partei ist Nachfolgerin der Parti de Gauche sowie der Wahlplattform Front de gauche, die im April 2017 in La France insoumise umbenannt wurde. Die politische Strategie der FI folgt nach Auffassung vieler Beobachter einem neuen gesamteuropäischen Populismus der radikalen Linken.[3] Offiziell wurde die Gründung der Bewegung am 10. Februar 2016, zeitgleich mit Jean-Luc Mélenchons Bekanntgabe, bei den Präsidentschaftswahlen 2017 anzutreten.[4]
Wahlteilnahmen
Bei der französischen Parlamentswahl 2017 trat der Parteivorsitzende Jean-Luc Mélenchon als Spitzenkandidat an.[5] Die FI gewann 17 Wahlkreise (nach 11 % der Stimmen im ersten Wahlgang) und konnte damit in der Nationalversammlung eine eigene Fraktion bilden. Bei der Europawahl 2019 errang die Partei mit Manon Aubry als Spitzenkandidatin 6,3 % der Stimmen und 6 Europamandate; dies galt als ein enttäuschendes Ergebnis – eine der führenden Parteimitglieder erklärte ihren Rücktritt;[6] Mélenchon wurde für seine politischen Positionen und seinen Führungsstil parteiintern kritisiert.[7]
LFI unterstützte erneut die Kandidatur von Mélenchon bei den Präsidentschaftswahlen 2022, der mit 21,95 % der Stimmen sein bis dahin bestes Ergebnis erzielte und dabei den höchsten Stimmanteil aller linksgerichteten Kandidaten erhielt, aber dennoch nicht in die Stichwahl einziehen konnte. Für die anschließenden Parlamentswahlen schloss sich die Partei mit anderen linken Gruppierungen zur Koalition NUPES (Nouvelle union populaire écologique et sociale) zusammen, die 151 gewählte Abgeordnete (darunter 75 für FI) gewinnen konnte. Bei der Parlamentswahl 2024 trat die Partei im Rahmen des Linksbündnisses Nouveau Front populaire an, das 193 der 577 Sitze erhielt.[8]
Positionen
Die Partei nimmt linkspopulistische Positionen ein. Im Wahlkampf zu der Parlamentswahl 2024 warb LFI unter anderem mit der Zurücknahme der von Macron durchgesetzten Rentenreform mit einer Herabsetzung des Regelrentenalters auf 60 Jahre, Anhebung der Renten auf das Niveau des gesetzlichen Mindestlohns (SMIC) bei einer gleichzeitigen Erhöhung des SMIC (auf EUR 1600/Monat netto), Preiskontrollen für Güter des täglichen Bedarfs etc.[9]
LFI strebt die Einrichtung, nach einem Referendum, einer verfassungsgebenden Versammlung an, die mit der Ausarbeitung der Verfassung einer Sechsten Republik beauftragt ist, die die derzeitige Fünfte Republik ablösen soll[10]. Diese wird von der Partei als „Präsidialmonarchie“ (monarchie présidentielle) bezeichnet, da sie der Ansicht ist, dass der Präsident der Republik zu viel Macht konzentriert, ohne dass das Volk Kontrolle über sein Handeln ausüben kann[11]. Dieser Verfassungsgebungsprozess wäre laut der FI auch eine Gelegenheit, andere Funktionsweisen wie das Verhältniswahlrecht bei den Parlamentswahlen vorzuschlagen (und das derzeitige Mehrheitswahlrecht zu ersetzen), oder die Möglichkeit, amtierende Mandatsträger abzuberufen[12]. Die Änderung der Verfassung und damit der Institutionen wird von der Partei als grundlegend angesehen, die in der bis 2022 sinkenden Wahlbeteiligung (bei der Parlamentswahl 2022 lag sie bei 47,5 % in der ersten Runde[13]) ein Zeichen für die Ablehnung des institutionellen Systems durch das französische Volk sieht[14].
Nahostkonflikt und Antisemitismusvorwürfe
Die Partei positioniert sich im Nahostkonflikt stark propalästinensisch.[15] Die LFI bezeichnet die Hamas nicht als Terrororganisation,[16][17] weshalb ihr unter anderem von der damaligen Premierministerin Élisabeth Borne Antisemitismus vorgeworfen wurde.[17] In einer Erklärung kurze Zeit nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 sprach die Fraktion von der „bewaffneten Offensive der palästinensischen Streitkräfte unter Führung der Hamas“, welche „vor dem Hintergrund der Verschärfung der israelischen Besatzungspolitik“ stattfände. Man beklage „die israelischen und palästinensischen Todesopfer“.[18] Laut der Fraktionsvorsitzenden der LFI, Mathilde Panot, ist der bewaffnete Flügel der Hamas verantwortlich für Kriegsverbrechen. Auf Nachfrage antwortete sie, dass die Fraktion die Gesamtheit der Kriegsverbrechen verurteile, welche auf Terror abzielten, man könne sie also als terroristisch bezeichnen.[19]
In einer Umfrage unter französischen Juden 2024 wurde La France insoumise von 92 Prozent als Partei genannt, die zur Steigerung des Judenhasses beitrage (Les Écologistes 60 %, Rassemblement National 49 %); 57 % gaben an, Frankreich bei einem Sieg der Partei bei der Präsidentschaftswahl 2027 verlassen zu wollen.[20][21]
Wahlergebnisse
Präsidentschaftswahlen
| Jahr | Kandidat | Erster Wahlgang | Zweiter Wahlgang | Anmerkungen | ||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen (absolut) | Stimmen (relativ) | Stimmen (absolut) | Stimmen (relativ) | |||
| 2017 | Jean-Luc Mélenchon | 7.059.951 | 19,58 % | Nicht qualifiziert (4. Platz) | Besiegt | |
| 2022 | 7.712.520 | 21,95 % | Nicht qualifiziert (3. Platz) | |||
Parlamentswahlen
| Jahr | Erster Wahlgang | Zweiter Wahlgang | Sitze insgesamt | Anmerkungen | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Stimmen (absolut) | Stimmen (relativ) | Sitze | Stimmen (absolut) | Stimmen (relativ) | Sitze | |||
| 2017 | 2.497.622 | 11,03 % | 0 | 883.573 | 4,86 % | 17 | 17/577 |
Opposition |
| 2022[22] | 3.235.129 | 14,22 % | 4 | 3.482.485 | 16,79 % | 71 | 75/577 151/577 | |
| 2024[23] | 3.364.445 | 10,49 % | 20 | 2.332.736 | 8,55 % | 52 | 72/577 Parteisitze 193/577 |
Größte Partei innerhalb des siegendes Bündnisses (NFP). LFI und die andere NFP-Parteien können keine Regierung bilden und bleiben in der Opposition |
Europawahlen
| Jahr | Spitzenkandidat | Stimmen (absolut) | Stimmen (relativ) | Sitze | Rang | EU-Fraktion |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2019 | Manon Aubry | 1.428.548 | 6,31 % | 6/79 |
#5 | Die Linke |
| 2024 | 2.448.715 | 9,89 % | 9/81 |
#4 |
Literatur
- Charlotte Belaïch, Olivier Pérou: La Meute: Enquête sur la France Insoumise de Jean-Luc Mélenchon, Éditions Flammarion, 2025, ISBN 978-2080428714
Weblinks
- Julien Mechaussie: Die französische Linke – eingekeilt zwischen Sozialisten und Front National. In: rosalux.de. März 2017 (Dossier zur Frankreich-Wahl 2017).