La Muñeca

kolumbianische Kriminelle und Auftragsmörderin From Wikipedia, the free encyclopedia

La Muñeca (spanisch für „Die Puppe“) (geboren um 2001/2002 in Barrancabermeja, Santander, Kolumbien), eigentlich Karen Julieth Ojeda Rodríguez, ist eine kolumbianische Kriminelle und Auftragsmörderin.

Leben

Ojeda Rodríguez ist in Barrancabermeja aufgewachsen. Sie absolvierte die Sekundarschule und stieg im Alter von 18 Jahren in kriminelle Aktivitäten ein.[1][2] Den Behörden zufolge wurde sie von Paula Valentina Joya Rueda, alias „La Gorda Sicaria“ (24 Jahre), die als ihre Assistentin und Kontaktperson in der Unterwelt fungierte, in Barrancabermejas rekrutiert.[3][4] La Muñeca war die Nummer zwei in der Befehlshierarchie der kriminellen Organisation Los de la M, die sich auf Erpressung, Auftragsmorde und Drogenkleinhandel spezialisiert hat und in Barrancabermeja den Drogenhandel kontrolliert.[5] Die Organisation wird von John Jairo Fernández Portala, bekannt als „Marihuano“, aus dem Gefängnis von San Juan de Girón heraus geführt. Ojeda Rodríguez hatte mit ihm eine Beziehung und nutzte Gefängnisbesuche zur gemeinsamen Verbrechensplanung.[3][6] La Muñeca koordinierte nicht nur die gezielten Tötungen der Organisation, sondern führte sie zum Teil auch aus. Dafür soll sie ihr äußeres Erscheinungsbild gezielt verändert haben, um von den Behörden nicht erkannt zu werden.[3][1] Ihr Einsatzgebiet erstreckte sich auf Bucaramanga, Piedecuesta und Barrancabermeja; zudem werden Ermittlungen zu Verbrechen in Cúcuta geführt.[3]

Tötung des Ex-Partners und erste Verhaftung (30. September 2024)

Eines der bekanntesten ihr zur Last gelegten Verbrechen ist die Ermordung ihres ehemaligen Lebensgefährten Deyvy Jesús García Palomino, alias „Orejas“ (27 Jahre). Am 23. Juli 2024 wurde García Palomino in die Vereda Pajonal in Piedecuesta gelockt, angeblich um einen Geldstreit beizulegen. Beim Eintreffen wurde er von Auftragsmördern auf einem Motorrad angegriffen und in den Thorax geschossen. Er starb noch am selben Tag im Krankenhaus.[7]

Laut Cerchiaros Recherche, auf die sich mehrere kolumbianische Medien stützten, hatte La Muñeca Streitigkeiten aus gemeinsamen Drogengeschäften mit ihrem Ex-Partner. Sie plante die Tat gemeinsam mit ihrer Komplizin „La Gorda Sicaria“ und ließ das Opfer in einen Hinterhalt locken. Cerchiaro berichtete weiter, dass La Muñeca ihren Ex-Geliebten eigentlich nicht selbst töten wollte, weil sie noch Gefühle für ihn hatte. Nach den Regeln der Mafia müsse jedoch jedes Fehlverhalten bestraft werden.[8][4]

Den Gerichtsunterlagen zufolge erhielten La Muñeca und La Gorda Sicaria vier Millionen kolumbianische Pesos (rund 900 US-Dollar) dafür, den Aufenthaltsort des Opfers zu ermitteln und es in eine günstige Position für die Ausführung des Mordes zu bringen.[9]

Am 30. September 2024 nahm die Polizei von Bucaramanga beide Frauen fest. Ihnen wurde erschwerter Totschlag zur Last gelegt, und obwohl sie keine Verantwortung übernahmen, verhängte ein Richter Untersuchungshaft. Eine spätere Gerichtsentscheidung ermöglichte jedoch ihre vorübergehende Freilassung, da keine Vorstrafen in ihrem Strafregister verzeichnet waren.[10][6]

Zweite Festnahme (2. Dezember 2024)

Am 2. Dezember 2024 wurde La Muñeca in einem erneuten Polizeieinsatz in Barrancabermeja verhaftet. Gleichzeitig wurden „Leopoldo“ und ein Minderjähriger festgenommen, die mutmaßlich ihrer kriminellen Struktur angehörten. Bei der Verhaftung wurden ein Revolver und eine Pistole des Kalibers 9 mm sichergestellt, die anschließend einer ballistischen Analyse unterzogen wurden.[11][12]

El Tiempo berichtete, dass den Behörden mehrere Videos vorliegen sollen, die La Muñeca bei der Begehung von Tötungsdelikten zeigen. Die Polizei des Magdalena Medio betonte, dass sie weiterhin in das laufende Verfahren einbezogen bleibe und mit weiteren Anklagen rechnen müsse.[13][10]

Virale Bekanntheit und mediale Rezeption

Das Video der Festnahme von La Muñeca erreichte auf Nachrichtenkonten des Netzwerks X über 200 Millionen Aufrufe, was den Journalisten Solano Cerchiaro dazu veranlasste, einen eigenen investigativen Beitrag zu veröffentlichen, der von zahlreichen Medien aufgegriffen wurde.[14]

Solano Cerchiaro verglich ihr Profil mit jenem der fiktiven Figur Rosario Tijeras aus dem gleichnamigen Roman des kolumbianischen Schriftstellers Jorge Franco und verwies auf die physische Ähnlichkeit La Muñecas mit der Schauspielerin María Fernanda Yepes, die diese Rolle in der Telenovela-Adaption verkörperte. Der Vergleich wurde von Medien in ganz Lateinamerika übernommen und prägte die überregionale Wahrnehmung des Falls maßgeblich.[4][3]

Kontext: Sicherheitslage in Santander

Zum Zeitpunkt der Festnahme im Dezember 2024 waren in Barrancabermeja für das laufende Jahr bereits 143 Gewalttote registriert worden – mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Hauptstadt des Departamentos, Bucaramanga, verzeichnete im ersten Quartal 2024 rund 30 Tötungsdelikte, was statistisch etwa einem Mord alle drei Tage entspricht. Der Fall La Muñeca wurde in mehreren lateinamerikanischen Medien als Beispiel für die wachsende Beteiligung von Frauen an kriminellen Organisationen in Kolumbien diskutiert.[15][11]

Im August 2025 wurden 10 Mitglieder von Los de la M verhaftet, im November 2025 weitere 17[16] und im Februar bzw. April 2026 weitere 10.[17][18][19]

Einzelnachweise

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