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Lagune von Caorle

Gewässer in Venedig From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Lagune von Caorle ist eine im oberitalienischen Venetien gelegene, 4386 ha große Lagune (das Kerngebiet umfasst etwa 3000 ha), die sich auf dem Gebiet der Gemeinden Caorle und San Michele al Tagliamento am Ostrand der Metropolitanstadt Venedig befindet. Wichtigster Zufluss ist der Lemene, während das Wasser über den Canale Nicesolo südwärts abfließt, der in die Adria mündet. Eine Schiffsverbindung besteht über den Canale Saetta zum Hafenbecken Darsena dell’Orologio und mit dem Fluss Livenza.

Lage der Gemeinde Caorle innerhalb der Metropolitanstadt Venedig
Blick über die Lagune, 2007

Das Lagunengebiet ist in sechs Valli unterteilt, deren größtes und zugleich nördlichstes das Zignago mit einer Fläche von 800 ha darstellt. Zusammen mit dem sich südwärts anschließenden Valle Perera (150 ha) bildet es seit jeher die Grundlage des Fischfangs, denn es war ab 1741 als einziges Gebiet ausschließlich den Fischern von Caorle vorbehalten, während die übrigen Teile der Lagune verkauft wurden.

Fauna und Flora

Im Gebiet der Lagune leben zahlreiche, auch gefährdete Tierarten, wie etwa die Griechische Landschildkröte oder die Europäische Sumpfschildkröte, der Alpen-Kammmolch, die Froschart Rana latastei Boulenger, aber auch Pomatoschistus canestrinii (A. P. Ninni, 1883) (Schwarzflecken-Sandgrundel) aus der Ordnung der Grundelartigen, das Meerneunauge, dann Elben und Adriatischer Stör.

Kurz nach der Jahrtausendwende kehrte der Fischotter wieder in die Lagune zurück;[1] er galt noch Anfang des 19. Jahrhunderts als verbreitet („Se ne pigliano molte“ (sinngemäß: ‚davon gibt es jede Menge‘))[2] und war lange verschwunden.

Heute sind zudem zahlreiche Pflanzenarten dort zu finden, wie Echtes Federgras (Stipa veneta), Salicornia veneta Pignatti & Lausi (Europäischer Queller), dann Kosteletzkya pentacarpos aus der Unterfamilie der Malvoideae aus der Familie der Malvengewächse, die Sumpf-Siegwurz.[3]

Fischfang: Valli da pesca

Eines der Casoni, 2009
Fischerdorf an der Mündung des Tagliamento

Für die Gewässer wurde mit der Caorlina ein Boot mit flachem Boden und einem großen Laderaum entwickelt. Bis in die 1960er Jahre fuhren Fischer von Caorle Anfang September in der im Dialekt Fraìma genannten Zeit zum Fischen in die Lagune, vornehmlich in den Valli Zignago und Perera. Dort übernachteten sie in den Casoni, Häusern aus Schilf.

Hinzu kommen Vallenova (600 ha) mit seinem schon stärker salzhaltigen Wasser, dann die Valli Vallegrande und Vallesina di Bibione (zusammen 500 ha), die sich auf dem Gebiet der Gemeinde San Michele al Tagliamento befinden, angrenzend an den Badeort Bibione.

Das Valle Grande, auch Valle Franchetti genannt (es gehörte seit Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre der vermögenden jüdischen Familie des Barons Raimondo Franchetti), erstreckt sich über eine Fläche von etwa 600 ha und hat im Gegensatz zu den anderen Valli seinen sumpfartigen Charakter bewahrt. Genau in diesen Teil der Lagune reiste der Schriftsteller Ernest Hemingway zwischen 1948 und 1954 mehrmals im Jahr als Gast des Barons Raimondo Nanuk Franchetti, des letzten Besitzers der Villa Franchetti, um der Entenjagd nachzugehen. Afdera (1931–2025), die Schwester des Barons, die Hemingway gleichfalls kennenlernte, war von 1957 bis 1961 mit Henry Fonda verheiratet.[4]

Im Jahr 1994 wurde an der Mündung des Valle Zignago und zwischen den Mündungen der Flüsse Lemene und Tagliamento in der Ortschaft Brussa eine etwa 150 ha große Oase namens Vallevecchia angelegt, die sich durch eine sumpfige Landschaft und Sandstrände auszeichnet, die durch Trockenlegung seit den 1960er Jahren entstanden waren.

Geschichte

Die Lagune von Caorle zählt zu den ältesten im Lagunensystem zwischen Ravenna und Istrien.[5] Archäologische Untersuchungen im Ortsteil San Gaetano erwiesen 1994 die Besiedlung in der späten Bronzezeit. 1992 entdeckten vier Sporttaucher aus Pordenone ein römisches Schiff, das den Namen Caorle 1 erhielt. Das Wrack sollte in Caorle bleiben, wofür allerdings eine geeignete Art der Ausstellung gesucht wurde. So entstand die Idee, ein Museum für Meeresarchäologie zu errichten, das heutige Museo nazionale di Archeologia del Mare.[6]

Im Jahr 840 erscheint der Name Caprulae erstmals in den Quellen, nämlich im Pactum Lotharii. Die Stadt war schon in spätrömischer Zeit umgeben von einer Mauer, wie archäologisch nachgewiesen wurde, ebenso wie Befestigungswerke gegen das Meereswasser errichtet wurden. Im Frühmittelalter lebten die Bewohner von der Meersalzgewinnung, die später ein venezianisches Monopol wurde, von der Keramikproduktion und der Eisenverarbeitung, ebenso wie vom Fischfang, aber auch, wie in römischer Zeit, weiterhin vom Handel. Im 11. Jahrhundert räumte die Republik Venedig den Bewohnern der Gewässer um die Insel Caprula gegen eine jährliche Abgabe an den Dogen Jagd- und Fischereirechte ein.

Allerdings verarmte die Gemeinde ab etwa 1380, nachdem das Städtchen im Chioggia-Krieg von den Genuesen schwer geschädigt worden war. Ein Dokument aus dem 15. Jahrhundert beziffert daher die genannte Abgabe auf nur zwei Dukaten.

Auf den Karten des 16. bis 18. Jahrhunderts erstreckte sich die Lagune bis an die Stadt heran, die zudem eine Insel darstellte, die auf diese Weise von außen gegen Angriffe gut geschützt war, wie die Karte von Angelo dal Cortivo aus dem Jahr 1527 belegt.[7] Diese Karte ist die älteste Darstellung der Ebene zwischen Livenza und Tagliamento. Die Lagune versandete zugleich zusehends, während die östlich davon gelegenen Gebiete unaufhaltsam überflutet wurden, was wiederum aus der Karte von 1644 der Sachverständigen Alberti, Fabris und Scola hervorgeht, eine Karte, die zugleich die Umleitung des Tagliamento (1642) belegt, während die Livenza erst 1655 umgeleitet wurde.[8]

Mit dem Dekret vom 29. August 1642 sollte das gesamte Gebiet der Lagune von Caorle, das in zwanzig „Prese“ aufgeteilt war, eingezogen werden, um es an venezianische Adlige zu verkaufen. Auf diese Weise sollten die Mittel für die Umleitung des Piave beschafft werden. Die Bewohner, die um ihre Existenz fürchteten, legten vor ihrer Madonna dell’Angelo ein Gelübde ab, wenn nur diese Gefahr abgewendet werde. Venedig reagierte erst 1741, als es die sechzehnte Presa (diese entspricht den Valli Zignago und Perera) den Fischern von Caorle überließ. In Erinnerung an das besagte Gelübde wird bis heute am zweiten Sonntag im Juli ein Fest zu Ehren der Madonna begangen.

Zwar bestand spätestens ab 1053 kontinuierlich ein Bistum Caorle,[9] doch die Einwohnerzahl der Residenzstadt sank ab dem 17. Jahrhundert beinahe stetig. Wies die Stadt 1653 noch etwa 4.000 Einwohner auf, so waren es 1696 noch 3.000 und zur Amtszeit des Bischofs Francesco Trevisan Suarez (1738–1769) kaum noch 1.000. Die meisten Bischöfe blieben nicht, manche erschienen erst gar nicht dort, und nur wenige ließen sich im örtlichen Dom beerdigen. 1818 wurde das Bistum aufgehoben.

Im Jahr 1873 entstand durch die Familie Franchetti das Dorf San Gaetano. Die Lagune trennt Caorle von San Gaetano, eine Drehbrücke, 1882 gebaut, verbindet die Halbinsel.

Literatur

  • Valentina Rizzetto: Modellazione idrodinamica della laguna di Caorle e dell’interazione con il bacino scolante, laurea magistrale, Padua 2025. (online)
  • Antonio Brambati: Il litorale di Caorle: lagune, valli da pesca e spiagge, S. 15–26. (online)
  • Renzo Franzin (Hrsg.): Casoni dalle lagune di Caorle e Bibione a Cavarzere, ediciclo, 2004. (academia.edu)
  • Alessia Vidali: Turismo sostenibile e nuove tecnologie: il caso di Caorle, Laurea triennale, Universität Padua 2021. (online)
  • Caorle. Guida al Museo nazionale di Archeologia del Mare (= Quaderni della Direzione regionale Musei Veneto, 8), Caorle 2023 (online)
  • Pierangela Croce Da Villa: Documenti romani di Caorle, in: Studi Caorlesi (1998) 93–107. (online, PDF)
  • Alessandro Fontana: Le lagune di Caorle e Bibione, in: Aladino Bondesan, Mirco Meneghel: Note illustrative alla carta geomorfologica della provincia di Venezia, Padua 2004, S. 367–378.
Commons: Lagune von Caorle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch

Belege

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