Lanškroun

Gemeinde in Tschechien From Wikipedia, the free encyclopedia

Lanškroun (deutsch: Landskron) ist eine Stadt Okres Ústí nad Orlicí in Tschechien. Sie liegt am Fuß des Adlergebirges.

Schnelle Fakten Basisdaten, Verkehr ...
Lanškroun
Wappen von Lanškroun
Lanškroun (Tschechien)
Lanškroun (Tschechien)
Basisdaten
Staat: Tschechien Tschechien
Region: Pardubický kraj
Bezirk: Ústí nad Orlicí
Fläche: 2065[1] ha
Geographische Lage: 49° 55′ N, 16° 37′ O
Höhe: 373 m n.m.
Einwohner: 9.709 (1. Jan. 2023)[2]
Postleitzahl: 563 01
Kfz-Kennzeichen: E
Verkehr
Bahnanschluss: Rudoltice v Čechách–Lanškroun
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 4
Verwaltung
Bürgermeister: Radim Vetchý (Stand: 2019)
Adresse: Nám. J. M. Marků 12
563 16 Lanškroun
Gemeindenummer: 580511
Website: www.lanskroun.eu
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Geographie

Lanškroun liegt im Schönhengstgau in der Böhmisch-Mährischen Höhe in der Nähe der Grenze zu Mähren.

Stadtgliederung

Lanškroun besteht aus vier Ortsteilen:[3]

  • Lanškroun-Vnitřní Město (Landskron-Innere Stadt)
  • Ostrovské Předměstí (Michelsdorfer Vorstadt)
  • Žichlínské Předměstí (Sichelsdorfer Vorstadt)
  • Dolní Třešňovec (Nieder Johnsdorf)

In der deutschsprachigen historischen Literatur, in Matriken und auf älteren Landkarten werden oft nur drei Stadtbezirke voneinander abgegrenzt (Innenstadt, Michelsdorfer Vorstadt und Sichelsdorfer Vorstadt).[4]

Grundsiedlungseinheiten sind Cihelna, Dolní Třešňovec, Dvorské lány, Kouty, Lanškroun-střed, Lukovské lány, Na Příčnici, Ostrovské Předměstí, Rybníky, Severní Předměstí I, Severní Předměstí II, Svitavské Předměstí, Třešňovecká, Třešňovské Předměstí, Zadní hony und Žichlínské Předměstí.[5]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Dolní Třešňovec und Lanškroun.[6]

Geschichte

Rathaus in Lanškroun
Marktplatz
Stadtschloss
Magdalenenkirche

Landskron wurde 1241 erstmals erwähnt. Es wurde vermutlich durch den Lokator Ulrich von Dürnholz am Rande des Schönhengstgaues gegründet. 1290 wurde der Ort von der Königlichen Kammer eingezogen und 1292 durch den böhmischen König Wenzel II. dem Zisterzienserkloster Königsaal übertragen. 1304 galt es als ein Zentrum des Landskroner Distriktes (lateinisch Districtus Landeschronensis). 1322 ist es als Marktort und 1356 als Oppidum belegt. Ab 1358 gehörte zum Bistum Litomyšl. Nachfolgend wurde es Sitz eines Archidiakonats. 1371 gründete der Leitomischler Bischof Peter Jelito in Landskron ein Augustiner-Chorherrenstift, für das 1393 neben der Dekanatatkirche mit dem Patrozinium des böhmischen Landesheiligen Wenzel sowie neue Konventsgebäude errichtet wurden. Diese wurden 1425 in den Hussitenkriegen zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Nach dem Untergang des Bistums Leitomischl 1425 ging Landskron in weltlichen Besitz über. Unter den Stadtherren Kostka von Postupitz wurde es nach 1430 ein Zentrum der Waldenser sowie der Böhmischen Brüder, die 1547 Landskron verlassen und auch die Brüderschule schließen mussten. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts sind sowohl die Brüder als auch die Brüderschule erneut nachweisbar. Daneben verbreitete sich nach 1550 das Luthertum.

Im 16. Jahrhundert gehörte Landskron den Adelsgeschlechtern Pernstein und Boskowitz. Ab 1588 gehörte es Adam Felix Hrzan von Harras. Dieser ließ 1601 die Reste des ehemaligen Augustinerkonvents zu einem Schloss umbauen. Nach der Schlacht am Weißen Berge kam die Herrschaft Landskron, die auch die Städte Wildenschwert und Böhmisch Trübau sowie 39 Dörfer umfasste, an das Haus Liechtenstein, von dem Landskron innerhalb weniger Jahre die Gegenreformation durchsetzte. Die Böhmischen Brüder emigrierten daraufhin in das Kurfürstentum Sachsen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Landskron sowohl von schwedischen als auch von kaiserlichen Truppen mehrmals verwüstet.

Johann Adam Andreas von Liechtenstein förderte Anfang des 18. Jahrhunderts die Entwicklung der Stadt durch eine rege Bautätigkeit. 1791 wurde Landskron zur Munizipalstadt erhoben. Ein wirtschaftlicher Durchbruch gelang Anfang des 19. Jahrhunderts mit der Gründung der Leinwand- und Kattunfabrik Erxleben, die mehrere hundert Arbeiter und Hausweber beschäftigte. In dieser Zeit entstanden die Bürgerhäuser am Marktplatz. Trotzdem stagnierte die Entwicklung, da Landskron erst mit der 1885 eröffneten, etwa vier Kilometer langen Lokalbahn Rudelsdorf–Landskron einen Eisenbahnanschluss erhielt.

Nach dem Münchner Abkommen bildete die Stadt ab 1939 das Zentrum und den Verwaltungssitz des Landkreises Landskron im Zweiten Weltkrieg Regierungsbezirk Troppau, im Reichsgau Sudetenland. Nach Kriegsende 1945 kam es vom 17. bis 21. Mai 1945 zum Blutgericht von Landskron, in dessen Verlauf zahlreiche Bewohner von Stadt und Umland gewaltsam zu Tode kamen. Anschließend wurde hier, wie im gesamten ehemaligen Reichsgau Sudetenland, die Mehrheit der deutschböhmischen Bevölkerung aufgrund der Dekretes des Präsidenten Nr. 33 vom 2. August 1945 enteignet und vertrieben.

Nach 1945 verlor die Stadt die Bezirksbehörden. Die Bevölkerungszahl wuchs erst nach 1968 wieder an.

Bevölkerung

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
19006112deutsche Einwohner[7]
19106828
19306497davon 1093 Tschechen[8]
19396210[8]
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Bevölkerungsentwicklung nach Ende des Zweiten Weltkriegs[9]

(Stand: 31.12. des jeweiligen Jahres)

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
JahrEinwohner
197108832
198010.773
199010.996
200009866
JahrEinwohner
201010.123
202009800
202209709
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Bürgermeister 1789 bis 1945

  • bis 1789: Augustin Poppler
  • 1791–1822: Josef Ohnsorg (erster frei gewählter Bürgermeister)
  • 1823–1845: Franz Rieß
  • 1845–1850: Eduard Erxleben
  • 1850–1861: Eligius Deml
  • 1861–1891: Josef Niederle
  • 1891–1907: Berthold Schmeiser
  • 1907–1919: Franz Neugebauer
  • 1919–1932: Leo Winter
  • 1932–1938: Rudolf Zoffl
  • 1938–1942: Franz Nagl († 1. Juni 1945, KZ Theresienstadt)
  • 1942–1945: Karl Franz (zur Wehrmacht eingezogen 1945)
  • 1945–: Eduard Hiesl (bis zur Absetzung durch tschechische Truppen am 9. Mai 1945)

Sehenswürdigkeiten

  • Bürgerhäuser am Marktplatz
  • Friedhofskirche St. Anna (1700–1705)
  • Dekanatskirche St. Wenzel aus dem 14. Jahrhundert (1645 ausgebrannt, später barock umgebaut)
  • Maria-Magdalena-Kirche (1828)

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Söhne und Töchter der Stadt

Literatur

Einzelnachweise

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