Lanaiklarino

Art der Gattung Myadestes From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Lanaiklarino (Myadestes lanaiensis) oder Olomaʻo, früher auch als Lanai-Drossel[1] bezeichnet, ist eine möglicherweise ausgestorbene Singvogelart aus der Gattung der Klarinos (Myadestes) innerhalb der Familie der Drosseln (Turdidae). Er war auf den Hawaii-Inseln Lānaʻi, Molokaʻi und Maui heimisch. Es wurden zwei Unterarten unterschieden.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Lanaiklarino

Balg des Lanaiklarinos im Naturalis Diversity Center, Leiden.

Systematik
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Drosseln (Turdidae)
Unterfamilie: Myadestinae
Gattung: Klarinos (Myadestes)
Art: Lanaiklarino
Wissenschaftlicher Name
Myadestes lanaiensis
(Wilson, 1891)
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Merkmale

Illustration des Lanaiklarinos von Frederick William Frohawk aus dem Werk Aves Hawaiiensis (1891)

Der Lanaiklarino erreichte eine Körperlänge von 16 bis 18 cm. Die Flügellänge bei 33 vermessenen Exemplaren beträgt 87 bis 96,5 mm. Die Tarsuslänge beträgt 32 bis 36,5 mm, die Schnabellänge 13 bis 15 mm, die Schnabelbreite 7,5 bis 9 mm und Schnabelhöhe an der Basis 5 bis 5,5 mm. Beim erwachsenen Männchen waren Stirn, Scheitel und Nacken graubraun. Die übrige Oberseite war olivbraun; die Mitte des Oberrückens war grau gefärbt. Der Schwanz war an den beiden Mittelfedern und an den Ansätzen aller äußeren Federn bis auf die äußerste braun oder olivbraun. Die äußeren Federn waren hellbraun mit einer weißlichen, hellbeigebraunen Färbung am Außenrand. Mittlere und große Deckfedern waren braun mit einem olivbraunen Rand. Die Alula war dunkelbraun. Die Handdecken waren dunkelbraun mit einem feinen olivbraunen Rand. Die Schwungfedern waren an den Hand- und entlang der Armdecken braun mit einem feinen olivbraunen Saum. Die Schirmfedern waren etwas heller braun oder gleichmäßiger olivbraun gefärbt, mit einem kleinen, quadratischen, hellorange-beigen Fleck an der Basis der Armschwingenfedern. Die Unterflügeldecken waren silberweiß, bis zur Basis der Armschwingenfedern reichend. Das Gesicht war grau oder grau-oliv, fein gesprenkelt oder weißlich gefleckt. Kinn und Kehle waren bis zur Brust hellgrau, an der Brust blasser oder matter und am Bauch und am After cremeweiß, an den Unterschwanzdecken gelbbraun gefärbt. Der Schnabel war schwarz. Die Beine und Füße waren schwarz oder schwarzbraun mit gelben Fußsohlen.

Das adulte Weibchen ähnelte dem Männchen. Es war jedoch am Kopf etwas dunkler oder brauner und an der Oberseite weniger grau gefärbt. Die Unterseite war weißer, nur die Kehle war bis zur Brustmitte hellgrau.

Die Jungvögel waren stark gesprenkelt und gefleckt auf der Oberseite, mit hellbeigen Zentren und dunkelolivbraunen Rändern und Spitzen an Kopf und Gesicht. Das juvenile Gefieder hatte große dreieckige Flecken mit schwärzlichen Rändern auf dem Rest der Oberseite. Der Bürzel und die Oberschwanzdecken waren breiter gestreift oder gesprenkelt mit hellbeigen und dunkelolivbraunen Spitzen. Der Schwanz war ähnlich gefärbt wie beim Altvogel, er hatte jedoch weißliche Außenfedern. Die mittleren und großen Deckfedern hatten hellbeige subterminale Flecken sowie dunkelbraune Säume und Spitzen. Die übrigen Flügel waren wie beim Altvogel gefärbt, jedoch an den Rändern gelblicher. Die Handschwingen waren dunkelbraun mit hellen Rändern. Die Spitzen der Schirm- und Schulterfedern waren hell isabellfarben gesprenkelt.

Kinn und Kehle waren weißlich, stark gefleckt beziehungsweise schmutzigweiß marmoriert bis hell gelblich-beige. Die Brust zeigte dunkelbraune bis umbrafarbene Flecken oder Streifen. Eine ähnliche Zeichnung setzte sich auf Unterbrust, dem Bauch und den Flanken fort. Achselfedern und Unterflügeldecken waren cremeweiß mit bräunlichem Anflug. Das Gefieder wirkte insgesamt stärker gelblich-braun, während Scheitel und Oberseiten die isabellfarbenen Fleckenzeichnungen oder Färbung länger beibehielten, teilweise sogar vollständig. Die hell gelblichbraunen Flecken an den Spitzen der Flügel- und Schirmfedern nutzten sich mit der Zeit zu schmalen Säumen ab.

Geografische Variation

Myadestes lanaiensis rutha (ursprünglich als Phaeornis rutha beschrieben) von der Insel Molokaʻi unterschied sich nur wenig von der Nominatform. Sie war etwas größer mit einer etwas dunkleren olivbraunen Oberseite. Kehle und Brust waren gräulicher. Der Bauch und die Unterschwanzdecken waren weißer. Der Schnabel war durchschnittlich etwas länger und breiter.

Lebensraum

Der Lanaiklarino bewohnte alte Regenwälder, wobei er in Schluchten mit Epiphyten, Baumfarnen und Unterholz in allen Höhenlagen zu finden war, zuletzt wurde er jedoch hauptsächlich in 1000 m Höhe beobachtet.

Lautäußerungen

Es gab verschiedene Rufe, die meist aus der Deckung heraus geäußert wurden, darunter einen scharfen, katzenartig kratzenden Laut sowie einen schrillen, an eine Polizeipfeife erinnernden Ruf, der dem des Hawaiiklarinos (Myadestes obscurus) ähnelte.

Der Gesang bestand aus einer Reihe melodischer, drosselartiger Töne, die locker und stockend aneinandergereiht waren und ebenfalls dem Gesang des Hawaiiklarinos ähnelten. Er wurde tagsüber wiederholt und gelegentlich bis in die Nacht hinein vorgetragen. Der Vogel sang mit einer schwer zu lokalisierenden Stimme sowohl von hohen exponierten Sitzwarten als auch aus niedrigem Blattwerk heraus, häufig von einem verborgenen Sitzplatz aus. Auf Lanai war hingegen kein Gesang der Klarinos zu hören.

Lebensweise

Die Art lebte scheu, zurückgezogen und einzelgängerisch. Sie hielt sich in dichtem Unterholz und niedrigen Bäumen auf und war meist nur durch ihre Rufe zu hören. Sie hatte einige Verhaltensweisen, die allen hawaiianischen Klarinos gemein waren, z. B. eine aufrechte Haltung im Sitzen sowie ein Flügelzittern und zitternde Körperbewegungen bei Aufregung oder Gefahr. Der Lanaiklarino flog üblicherweise nur kurze Strecken, er konnte jedoch im Flug Insekten und Früchte auflesen. Er suchte seine Nahrung in Bodennähe und ernährte sich hauptsächlich von Beeren, fleischigen Früchten (ähnlich denen von Omao und Kamao), Blüten, Insekten und kleinen Schnecken.

Fortpflanzung

Das Brutverhalten ist praktisch unbekannt. Es wurden bisher nur drei Nester gefunden. In seinem Buch Birds of Hawaii (1960) berichtete George Campbell Munro, dass sich die Nester im dichteren Unterholz oder in dichten Gebüschgruppen aus Reben und Farnen befanden, doch Robert Cyril Layton Perkins beschrieb 1903 drei Nester in 25 bis 30 m Höhe in Bäumen und erwähnte das Unterholz nicht. Das Nest war voluminös und locker gebaut, bestand hauptsächlich aus getrockneten Blättern, Farnen, Moosen, Zweigen sowie feinen Wurzelchen. Es ähnelte stark dem des Hawaiiklarinos.

Gefährdung und Schutz

Die letzte bestätigte Sichtung des Lanaiklarinos erfolgte im Jahr 1980.[2] Weitere, jedoch unbestätigte Meldungen stammen aus den Jahren 1988, 1994 und 2005. Trotz späterer Erhebungen in weiten Teilen des historischen Verbreitungsgebiets in Kamakou-Pelekunu konnten seitdem keine weiteren Nachweise erbracht werden. Ursprünglich kam die Art auf Molokaʻi, Lanai und Maui in den Hawaii-Inseln vor. Der Bestand dieses Vogels ging im Verlauf des 20. Jahrhunderts drastisch zurück und ist – sofern die Art überhaupt noch existiert – heute auf wenige verstreut vorkommende Individuen reduziert. Früher weit verbreitet, nahm die Population infolge von Lebensraumverlust ab, verschärft durch die Einführung von Rindern, Ziegen und Hirschen sowie durch direkte Beutegreifern wie Ratten, Katzen und Mungos. Zudem gilt insbesondere die durch eingeschleppte Moskitos übertragene Vogelmalaria als Ursache des Verschwindens.

Mehrere 2017 veröffentlichte Arbeiten[3][4][5] stellten Methoden zur quantitativen Abschätzung der Aussterbewahrscheinlichkeit von Arten vor, die neben bestätigten Nachweisen und Erhebungsdaten auch Bedrohungsfaktoren berücksichtigen. Auf Grundlage der Anwendung dieser Methoden stuften Stuart H. M. Butchart[6] und seine Kollegen die Art im Jahr 2018 als Kandidaten für eine Neueinstufung in die Kategorie „vom Aussterben bedroht“ ein. Die Autoren empfahlen jedoch, den Status „vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)“ beizubehalten. Begründet wurde dies damit, dass das letzte bekannte Vorkommen im Naturschutzgebiet Olokui lediglich eine Fläche von 6,6 km² umfasste, von der weniger als die Hälfte als geeigneter Lebensraum gilt. Zudem war die Population über einen langen Zeitraum isoliert, sodass ein Fortbestehen der Art als äußerst unwahrscheinlich angesehen wird.

Nach optimistischen Schätzungen könnten von Myadestes lanaiensis rutha wahrscheinlich weniger als 20 Individuen verstreut in undurchdringlichen Wäldern auf dem Olokui-Plateau auf Molokaʻi überleben. Früher kam diese Unterart auch auf dem Kamakou-Plateau vor. Im 19. Jahrhundert war die Form einst in Wäldern aller Höhenlagen Molokaʻis verbreitet, im Westen jedoch weniger zahlreich; bei einer Erhebung im Jahr 1936 wurde nur noch ein einziger Nachweis erbracht, woraufhin sie kurz danach als ausgestorben galt. 1963 wurde das Taxon wiederentdeckt, und für die Jahre 1979–1980 wurde der Bestand auf sechs Vögel geschätzt.

Die Nominatform kam bis 1923 noch häufig auf Lānaʻi vor, ab 1933 wurde sie jedoch nicht mehr nachgewiesen. Auf Maui, wo der Lanaiklarino in den 1860er Jahren noch als häufig beschrieben wurde, konnte er in der Folgezeit nicht mehr beobachtet werden. Für sein Verschwinden wurden die zunehmende menschliche Besiedlung sowie die Dezimierung und Zerstörung der Wälder verantwortlich gemacht.

Literatur

  • Andrew John Berger: Hawaiian Birdlife. 2. Auflage. University Press of Hawaii, Honolulu 1981, ISBN 978-0-8248-0742-9, S. 94.
  • Warren B. King on the behalf of the International council for bird preservation (ICBP) and the Survival service commission of IUCN (1978–1979): Red Data Book 2: Aves. 2. Auflage. IUCN, Morges, Switzerland 1981, ISBN 0-87474-583-7. (Eintrag für Phaeornis obscura rutha)
  • Katherine M. Wakelee, Steven G. Fancy: ʻŌmaʻo (Myadestes obscurus), Kāmaʻo (Myadestes myadestinus), Olomaʻo (Myadestes lanaiensis), and ʻĀmaui (Myadestes moahensis). In: Birds of North America. The Academy of Natural Sciences, Philadelphia, and The American Ornithologists' Union, Washington D.C, 1999, doi:10.2173/tbna.460.p.
  • Peter Clement, Ren Hathway: Thrushes (Helm Identification Guides). (2. Auflage) A & C Black, 2001, S. 278–279. ISBN 978-0-691-08852-5.
  • K. M. Wakelee and S. G. Fancy (2020). Olomao (Myadestes lanaiensis), version 1.0. In Birds of the World (Alan F. Poole, Hrsg.). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA.
Commons: Lanaiklarino (Myadestes lanaiensis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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