Landhaus Brunnenhof
Bauwerk in der niedersächsischen Gemeinde Worpswede
From Wikipedia, the free encyclopedia
Das Landhaus Brunnenhof, Ostendorfer Straße 27, in der niedersächsischen Gemeinde Worpswede, ist ein von Bernhard Hoetger ab 1915 nach eigenen Plänen umgestaltetes Bauernhaus. Das nach einem Brand ab 1924 neu errichtete Gebäude wird aktuell (2025) zum Wohnen und als Villa & Gästehaus Diedrichshof genutzt.

Die Gruppe baulicher Anlagen steht unter Denkmalschutz (siehe auch Liste der Baudenkmale in Worpswede).[1]
Geschichte und Beschreibung
Worpswede im Teufelsmoor wurde 1218 erstmals als Besitz des Klosters Osterholz erwähnt. 1914 zog der Künstler Bernhard Hoetger nach Worpswede, verbrachte hier mehrere Jahre und prägte die Architektur des Ortes.[2]
Hoetger kaufte 1915 ein Haus mit Grundstück, den Brunnenhof, in Ostendorf (seit 1936 ein Ortsteil von Worpswede). Das ehemalige Bauernhaus, ein Fachwerkhaus mit reetgedecktem Satteldach,[3] war eine Kolonistenparzelle. Das Gebäude baute er zu einem geräumigen und repräsentativen Landhaus um. Auf der Ostseite fügte er dem Bauernhaus einen zweistöckigen, monumentalen Querbau an, der durch zwei Ecktürme flankiert wurde. Er nutzte das Gebäude als Wohn- und Atelierhaus. Den langgestreckten Garten gestaltete er unter anderem mit Hecken sowie von ihm geschaffenen Plastiken.[3]
Bereits 1921 verkaufte Hoetger das Anwesen an Paul Fiedler, einen „Wunderheiler“, der plante, im Brunnenhof ein Sanatorium einzurichten. Aber das Vorhaben kam nicht zustande. Das Anwesen wurde in den Folgejahren mehrfach weiter veräußert. In der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 1923 zerstörte ein Feuer das gesamte Bauwerk. Das alte Haus ging vollständig in Flammen auf, und vom angebauten Neubau blieben nur einige Grundmauern übrig.[3]
Ein Jahr später ging das, was vom Brunnenhof übrig geblieben war, in die Hände von Helene Schnurbusch über. Von 1924 bis 1927 ließ sie das Gebäude auf den zum Teil noch erhaltenen Grundmauern nach Plänen des Architekten W. Göring und ergänzt um einige Wirtschaftsgebäude neu errichten. Es handelt sich um einen eingeschossigen traufständigen verputzten Backsteinbau mit barockem Giebel und mit ausgebautem Walmdach in Ziegeldeckung.[2] Einzig die Fußbodenfliesen in der Eingangshalle und der Küche des Hauses sind noch original. Seit dieser Zeit trägt das Anwesen den Namen Diedrichshof nach dem Vornamen ihres Ehemanns, Diedrich Schnurbusch.[3]
Die Gartenanlage mit Hoetgers plastischen Arbeiten war vom Brand verschont geblieben; und dort, wo das alte Bauernhaus gestanden hatte, wurde ein kleiner Rosengarten angelegt. Diese Grundstrukturen blieben bis heute erhalten. 1941 verkaufte Helene Schnurbusch den Diedrichshof an die Stadtgemeinde Bremen, die dort ab 1942 ein Kinder- und Säuglingsheim einrichtete. Nach der Gründung der Bremer Heimstiftung im Jahr 1953 wurde der Diedrichshof diesem Träger der Altenhilfe der Stadt Bremen zur Nutzung übergeben und viele Jahre als Altenheim genutzt. Das Erwin-Stauss-Institut, dessen Schwerpunkt die Fort- und Weiterbildung in der Altenpflege ist, hatte das Anwesen seit Herbst 2000 gepachtet und als Tagungshotel unterhalten.[3] Heute ist es ein Tagungshotel der gemeinnützigen Stiftung Maribondo da Floresta.[4]
Der ab 2004 restaurierte südöstliche Garten (Hoetger-Garten) auf dem sehr tiefen Grundstück (45 mal 1000 Meter) bis zum Bergedorfer Schiffgraben ist ebenfalls denkmalgeschützt. Er entstand ab 1915 nach Plänen Hoetgers als repräsentativer aber auch intimer Garten, mit einer Art Empfangsbereich zwischen Straße und Wohnhaus. Es folgen räumlich abgegrenzte Zier- und Nutzgärten, die mit der Entfernung vom Wohnhaus in ihrer Intensität einfacher werden und am Ende in die umgebende Moorlandschaft übergehen. Geformte Hecken und Baumreihen sind als räumliche Struktur die prägenden Gestaltungsmerkmale. Der Garten wurde bis 1921 ausgebaut. Ab 2004 erfolgte die Aufstellung von Repliken ehemals hier vorhandener Skulpturen.[5][6]
Im Garten standen unter anderem zwei Figuren von Hoetger aus dem Majolika-Zyklus Licht und Schattenseiten, 15 Figuren aus farbig glasiertem Ton, die er für die Mathildenhöhe in Darmstadt schuf. Dieses Gegensatzpaar symbolisiert die „Licht- und Schattenseiten“ des Menschen. Licht und Wut standen zunächst im Park seines ersten Wohnsitzes und wurden ironisch auch als Orang und Utan bezeichnet (heute steht die Wut aus Kunststein neben dem Treppenaufgang zur Großen Kunstschau Worpswede).
Das Landesdenkmalamt befand zum Garten u. a.: „… Symmetrie und Addition, Hell und Dunkel aber auch jahreszeitliche Aspekte bestimmen die Gestaltungssprache. …“[5]
Literatur
- Friederike Schmidt-Möbus: Worpswede. Leben in einer Künstlerkolonie. Reclam, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-15-010744-7.
- Björn Bischoff: Worpswede A–Z – Das Künstlerdorf. 1. Auflage. Edition Falkenberg, Bremen 2017, ISBN 978-3-95494-113-1.