Lassalle-Haus
Bildungskomplex in Menzingen im Kanton Zug, Schweiz
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Das Lassalle-Haus war von 1993 bis 2026 ein Zentrum für interreligiöse Begegnung mit den Schwerpunkten Spiritualität, Dialog und Verantwortung. Das gemeinnützige Bildungshaus mit dem einst grössten eigenen Programm unter den kirchlichen Häusern der Schweiz liegt bei Edlibach (Gemeinde Menzingen) im Kanton Zug.

Geschichte
Nachdem sich das einst berühmte Kurbad Bad Schönbrunn nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr hatte behaupten können, wurde es 1929 von einem Verein erworben und von Jesuiten geführt. Patres erteilten in den Räumen des ehemaligen Kurhauses verschiedenen Gesellschafts- und Altersgruppen Ignatianische Exerzitien.[1]
Die Anforderungen der aufkommenden Erwachsenenbildung zeigten später, dass die Hauseinrichtungen nicht mehr genügten. Das Badgebäude wurde abgerissen und an dessen Stelle 1968–1970, unter der Leitung von Pater Josef Stierli SJ, ein durch den Zürcher Architekten André M. Studer nach der harmonikalen Bauweise[2][3] komponiertes Bildungshaus gebaut. Die Glasfenster in den Kapellen schuf Ferdinand Gehr. Vielfältige und nachfragegerechte religiöse Bildungsmöglichkeiten gaben dem Bildungshaus Bad Schönbrunn eine grosse Ausstrahlung.
1993 positionierte Niklaus Brantschen SJ die Bildungsstätte neu als Kompetenzzentrum für Spiritualität und interreligiösen Dialog und gab ihm den Namen Lassalle-Haus. Hugo Makibi Enomiya Lassalle SJ gilt als Pionier des buddhistisch-christlichen Dialogs und als Erneuerer der Spiritualität. Exerzitien, Kontemplation und Zen waren die neuen Schwerpunkte im Kursprogramm. Dazu gesellten sich Fastenkurse und grössere Tagungen.
1995 gründeten Niklaus Brantschen und Pia Gyger vom Katharina-Werk[4] in Basel unter dem Dach des Lassalle-Hauses das Lassalle-Institut für Zen, Ethik und Leadership. Dieses richtet sich an Führungskräfte in Wirtschaft, Politik und anderen Bereichen der Gesellschaft mit dem Schwerpunkt einer Ethik aus ganzheitlichem Bewusstsein.
Nach der Ernennung von Niklaus Brantschen SJ und Pia Gyger zu Zen-Meistern gründeten diese 1999 die Glassman-Lassalle-Zen-Linie sowie 2003 die Kontemplationsschule Via integralis[5], die östliche Spiritualität und christliche Mystik miteinander verbindet. Die dazugehörigen Zen-Sesshins und Kontemplationskurse fanden im Lassalle-Haus statt.
Die einst von Hans Küng präsidierte Stiftung Weltethos hatte seit 21. August 2006 im Lassalle-Haus den Sitz der Geschäftsstelle.
Christian Rutishauser SJ, der seit 2000 im Lassalle-Haus den jüdisch-christlichen Dialog aufbaute, leitete von 2007 bis Oktober 2009 diese Institution. Ab November 2009 löste ihn Tobias Karcher SJ ab.[6]
Ab Februar 2015 begannen umfangreiche Sanierungen der André-Studer-Anlage und der Alten Villa.[7] Während des Umbaus zog die Jesuitenkommunität ins benachbarte Kloster Menzingen ZG. Die Schwestern vom Heiligen Kreuz stellten nebst Wohnraum einen ganzen Trakt für Lassalle-Haus-Kurse samt den benötigten Gastzimmern zur Verfügung. Seit der Wiedereröffnung im Mai 2016 präsentierte sich das Lassalle-Haus mit neuen Schwerpunkten wie Fasten, Medizin und Spiritualität sowie Auszeit-Angebote.[8]
In einer Pressemitteilung vom 4. März 2025 teilten die Träger des Lassalle-Hauses mit, dass das Bildungsprogramm zukünftig ohne Hotellerie- und Gastronomiebetrieb geführt werden soll. Der Verein musste den 43 bisherigen Mitarbeitenden die Kündigung aussprechen. Nachfragerückgang und steigende Kosten hätten zu diesem Entscheid geführt. Das Haus sollte aber weiterhin ein spirituelles Zentrum der Schweiz bleiben.[9]
Am Pfingstsonntag, 24. Mai 2026 feierten die Jesuiten zusammen mit Gästen ihren endgültigen Abschied vom Lassalle-Haus in Bad Schönbrunn. Die Liegenschaft soll verkauft werden. Die Jesuiten werden ihre Angebote andernorts und in anderer Form weiterführen.[10][11]
Programm und Angebot
In den besten Jahren waren jährlich rund 150 Kurse, Seminare, Tagungen, Ausbildungen und Reisen im Angebot des Lassalle-Hauses. Über 80 Kursleiter und Kursleiterinnen unterrichteten im Lassalle-Haus. Jährlich besuchten um die 5500 Gäste an insgesamt 22'000 Kurstagen die verschiedenen Angebote. Diese richteten sich an ein breit gefächertes, erwachsenes Zielpublikum mit dem Ziel, traditionelle spirituelle Wege in einer vorwiegend leistungsorientierten Welt zu vermitteln und die interreligiöse Kompetenz in einer vermehrt multikulturellen Gesellschaft zu fördern. Inhalte waren zum Beispiel interreligiöser Dialog, Begegnung der Religionen, Zen, Exerzitien, Kontemplation, Meditation, Yoga, Tanz, Ethik, Mystik & Spiritualität, Fasten und Heilen, Liturgie, Kunst etc.
Daneben bot das Zentrum auch Möglichkeiten für Sabbaticals sowie geistliche Begleitung und Beratung an.
Das Lassalle-Haus stand auch externen Bildungsinstitutionen und Organisationen offen und bot eine professionelle Infrastruktur mit Zimmern für 82 Personen und für Konferenzen für bis 250 Personen.[12]
Noch aus dem Baubestand des alten Kurhauses Bad Schönbrunn stammt die «Alte Villa». Als Gästehaus mit einfacher Unterkunft und eigener Küche bot sie Gruppenräume und Übernachtungsmöglichkeiten für 40 Personen.
Die Anlage in Bad Schönbrunn steht seit 2013 gesamthaft unter Denkmalschutz.[13] Nach den Richtlinien des Kantons Zug gehört das Bauwerk von André M. Studer zu den schützenswerten Objekten der Moderne.[14]