Lautaro Díaz Silva

chilenischer Maler und Bildhauer From Wikipedia, the free encyclopedia

Lautaro Díaz Silva (* 1953 in María Elena, Region Antofagasta, Chile; † 30. Januar 2026 in Barcelona[1]) war ein chilenischer Maler und Bildhauer. Er lebte und wirkte überwiegend in Barcelona, Spanien.

Lautaro Díaz Silva 2006 vor der Akademie der Bildenden Künste in Warschau

Herkunft

Lautaro Díaz Silva wurde als sechstes Kind von Lidia Celinda Silva Sepúlveda und Gaspar Segundo Díaz Gallardo in María Elena geboren und wuchs in Vallenar (Región de Atacama) auf. Im Jahr 1963 zog seine Familie aus beruflichen Gründen nach Valparaíso, eine Stadt, die Lautaro stets als seine Heimat betrachtete, da hier sein Interesse für Kunst geweckt wurde.

Studium und Studienaufenthalte

Im Jahr 1972 begann er ein Kunststudium an der Städtischen Schule der Schönen Künste in Valparaíso. Bereits ein Jahr später musste er dieses Studium aufgrund des Militärputsches am 11. September und der darauffolgenden brutalen 17-jährigen Militärdiktatur, unter der seine Familie sehr litt, abbrechen. 1977 erhielt er ein Stipendium des polnischen Kulturministeriums, um sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau fortzusetzen. Nach dem ersten Studienjahr wechselte er zur Fakultät für Bildhauerei, wo er in der Werkstatt des Bildhauers Gustaw Zemła ausgebildet wurde. Dort knüpfte er enge und langanhaltende Freundschaften, unter anderem mit den Künstlern Władysław Klamerus und Maksymilian Biskupski.

Seine Semesterferien verbrachte Lautaro Díaz Silva regelmäßig im Ruhrgebiet in Deutschland. 1983 machte er seinen Abschluss in Bildender Kunst und reiste während der Semesterferien nach Kanada, um an einem Bildhauersymposium in Saskatoon teilzunehmen. Nach seiner Rückkehr begann ein weiterführendes Studium in Theater-Szenografie in Krakau, wo er von dem Dramatiker Tadeusz Kantor und dem Regisseur Andrzej Wajda unterrichtet wurde.

Kunstschaffen und Ausstellungen

La parella (das Paar), Moll de la Fusta, Barcelona

Das künstlerische Schaffen von Lautaro Díaz Silva umfasst hauptsächlich Öl- und Acrylgemälde,[2] Bronzeskulpturen[3] sowie Werke in Gips und Holz, Zeichnungen mit Acryl, Kohle, Pastell, Tinte und verschiedene Mischtechniken sowie audiovisuelle Kunstwerke.[4]

1982 erhielt Lautaro Díaz Silva die Gelegenheit, ein Wandgemälde an einem Gebäude der Universität Bochum zu errichten.[5] Bei einer Ausstellung seiner Gemälde in der Galerie Mały Rynek in Krakau im Jahr 1984 verlas er sein Manifest mit dem Titel Plastische Konzeption des magischen Realismus. Im selben Jahr heiratete er in Warschau Elzbieta Anna Mrugasiewicz und zog mit ihr nach Barcelona, wo ihre Tochter Maga geboren wurde. Die Werke des Künstlers wurden in der Galerie Taller de Picasso unter der Leitung seines katalanischen Händlers Jordi Costa ausgestellt.

Zwischen 1988 und 1995 lebte Lautaro Díaz Silva in Santiago de Chile, wo er Theater-Szenografie am Bertolt-Brecht-Theaterinstitut lehrte. Seine Arbeiten wurden in der Galerie Lawrence in Santiago, in der Galerie der Stadtverwaltung von Valparaíso, an der Universität Concepción sowie in Viña del Mar gezeigt. In dieser Zeit fanden zudem Ausstellungen seiner Werke in Barcelona in der Galerie Taller de Picasso (1992) sowie im historischen modernistischen Restaurant Quatre Gats (1992) unter dem Titel Els millors de la dècada (Das Beste des Jahrzehnts), im Casa Bas in Capellades (Katalonien, Spanien) (1993) unter dem Titel Memòries d'aigua (Erinnerungen an Wasser), im Haus Kemnade in Hattingen sowie im Kunstmuseum Bochum unter dem Titel Von Valparaiso nach Bochum statt.[6] Im Oktober 1993 erhielt der Künstler zudem von der Stadt Sitges (Katalonien) die Einladung zur Teilnahme an den Gedenkveranstaltungen zum 100-jährigen Bestehen des katalanischen Modernisme, in deren Rahmen er zusammen mit anderen Künstlern der Welt geehrt wurde.

Zwischen 1995 und seinem Umzug nach Berlin im Jahr 2006 lebte Lautaro Díaz Silva in Barcelona. Während dieser Zeit schuf er Gedenktafeln sowie zahlreiche Skulpturen in Bronze, die im öffentlichen Raum zu sehen sind: Für Salvador Allende in Barcelona (1997),[7] Tarragona (1997),[8] Lleida (1998)[9][10] und Badalona (2000)[11] sowie Für Víctor Jara (1998) in Barcelona.[12] Zu den herausragendsten Werken gehören die drei Meter hohe Bronzeskulptur La parella (Das Paar) (2002), Moll de la Fusta im Hafen von Barcelona[13][14][15] sowie die von Víctor Jara inspirierte Skulptur Víctor Jara kehrt an die UTE zurück (2003), die der Künstler der Universität Santiago de Chile (ehemals Technische Universität UTE) schenkte.[16] Diese Skulptur, die in Valls (Katalonien) in Bronze gegossen wurde[17], stellt eine vier Meter hohe Gitarre dar, die in einer zum Himmel offenen Hand mündet. Überdies wurden seine Gemälde und Skulpturen im KUNSTFORUM Seligenstadt e.V. (1996)[18], in der Galerie Test in Warschau 1997 unter dem Titel El dolor de nacer (Der Schmerz, geboren zu sein), wo der Künstler auch seine Gedichte Circunstanciales (Umstände) vortrug, in der Galerie Groc Art in Barcelona (1999 und 2000) sowie im Centre de Cultura Contemporànea de Pardinyes in Lleida (2003) ausgestellt.

Datei:Escultura memorial para Victor Jara dento de la Universidad de Santiago de Chile, USACH.jpg
Skulptur in Erinnerung an Víctor Jara, Universität Santiago de Chile

Von 2006 bis 2016 lebte und arbeitete Lautaro Díaz Silva hauptsächlich in Berlin. In dieser Zeit entwickeln sich die Kreaturen weiter, die er bereits in den 1990er Jahren in seinen Notizbüchern in Bochum und Santiago de Chile skizziert hatte. Anfangs entstanden die schwebenden Formen dieser Wesen auf natürliche Weise und mit der Zeit in ungeordneten Räumen. Nach 2000 begannen diese vielfältigen Strukturen eine beinahe menschliche Gestalt anzunehmen. In diesem gesamten Prozess schien Lautaro Díaz Silva den Wunsch zu haben, ein organisches, biblisches Konzept der Schöpfung in seiner persönlichen Ordnung darzustellen. Im Jahr 2009 tauchten genetische Motive in seiner Bildikonographie auf, die ihn lange Zeit begleiteten. In dieser Zeit bestritt er eine Vielzahl von Einzel- und Gruppenausstellungen, so im Kunstverein Kraftwerk e.V. in Berlin unter der Leitung des japanischen Malers Eici Sonoda (2006)[19], in der Galerie von Irene Eichler in der Auguststraße, in der Galerie KUNSTFORUM e.V. Seligenstadt (2008)[20], 2015 in seinem Atelier in der Wartenburgstraße 5[21] sowie in der Galerie artAcasa (2012) in Barcelona. Zudem fertigte er zahlreiche Skulpturen aus Gips an, die noch heute im Hinterhofgarten der Wartenburgstraße 5 zu sehen sind. 2008 lehrte Lautaro Díaz Silva zudem ein Semester lang spanische Kunstgeschichte an der Fakultät für Hispanistik an der Universität Warschau.

Im Jahr 2010 begann Lautaro Díaz Silva mit der Erstellung audiovisueller Werke, poetische Videos, die er Briefe an die Nachwelt nannte. Insgesamt wurden in Kooperation mit seiner Tochter Maga Díaz Mrugasiewicz fünfzehn Videos produziert, die auf Youtube[22] zu sehen sind. 2011 reiste er nach Santiago de Chile, wo er im Haus der Familie Recabarren González die Skulptur El vuelo (Der Flug) schuf. Die Skulptur symbolisiert die Opfer der Militärdiktatur mit vier sich umschlingenden Tauben, die hoffnungsvoll gen Himmel fliegen.[23][24][25] Sie wurde am 9. und 24. Dezember 2025 vandalisiert und zerstört.[26][27]

Serie Genética (Serie Genetik), 2013, Öl, 81 × 65 cm

2015 entstanden eine Reihe von Porträts und Stillleben, die der Künstler als lebende Naturen bezeichnete. Nach seiner Rückkehr nach Barcelona im Jahr 2016 schuf er Leinwände voller Symbole, die an antike Schriften erinnern. Die künstlerische Produktion der vergangenen Jahre entwickelte sich zu einer intellektuelleren Ausdrucksweise mit spontanen Formen eines grafischen Systems, welches sich auf faszinierende Bildkompositionen konzentriert. Dies geschieht fernab von sprachlichen Botschaften, obwohl sich logografische Formen aufdrängen. Lautaro Díaz Silvas Werke wurden 2018 in der Galerie GH36 in Berlin ausgestellt.

La gaviota (die Möwe), Gipsskulptur, 43 × 50 × 10 cm

2021 erschuf der Künstler mehrere 40 cm hohe Gipsskulpturen, die seine Schriftzeichen aufgreifen und eine Vision des Monumentalismus verfolgen. Im April 2022 verstarb seine Frau Elzbieta an einer Variante des Coronavirus, ein Jahr, nachdem sie ihre Autobiographie Dziekanka. Autobiografía de una camuflada (Dziekanka. Autobiographie einer Getarnten) veröffentlicht hatte. Im selben Jahr beteiligte sich Lautaro Díaz Silva an einer Ausstellung seiner Werke im Atelier seines Freundes Frank Lindenberg in der Auguststraße 61 in Berlin.

Serie Escritura (Serie Schriften), Ölgemälde, 60 × 73 cm

Zum 50. Jahrestag des Militärputsches in seinem Heimatland wurde Lautaro Díaz Silva vom Fritz Bauer Forum in Bochum eingeladen, das Wandbild zu restaurieren, das er als Student an der Universität Bochum gemalt hatte. Da das Gebäude, an dem sich das Wandbild befindet, abgerissen werden sollte, konnte dieses Ziel nicht erreicht werden. Deshalb entwarf der Künstler eine neue Interpretation, die 40 Jahre später dem Original so nahe wie möglich kommen soll. Es handelt sich um ein großes Gemälde, ein Quadriptychon mit einer Länge von sechs Metern und einer Höhe von 120 cm, welches der Künstler dem Fritz Bauer Forum schenkte.[28][29]

Im Oktober 2024 erhielt Lautaro Díaz Silva von der Städtischen Schule für Schöne Künste in Valparaíso in Anerkennung seiner Leistungen und seines Beitrags zum kulturellen Erbe von Valparaíso den Ehrentitel „Bachelor of Arts“ in der Fachrichtung Malerei verliehen.[30]

Lautaro Díaz Silva verstarb am 30. Januar 2026 im Alter von 72 Jahren in Barcelona.[31]

Commons: Lautaro Díaz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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