Lavinia Talbot
englisch-britische Aktivistin für Frauenbildung
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Lavinia Talbot, geborene Lyttelton (* 4. Januar 1849 in London; † 9. Oktober 1939 in Wantage, Oxfordshire), war eine englisch-britische Aktivistin für Frauenbildung und Mitgründerin von Lady Margaret Hall in Oxford.[1]

Leben
Talbot war das siebte von zwölf Kindern von George Lyttelton, 4. Baron Lyttelton (1817–1876), und seiner ersten Frau Mary (1813–1857). Zu ihren Geschwistern gehörten Lucy Cavendish, Neville Lyttelton und Alfred Lyttelton. Talbot wuchs in Hagley Hall, dem Familiensitz in Worcestershire, auf, unterrichtet von Gouvernanten, aber stärker geprägt vom anglokatholischen Glauben ihrer Eltern und dem glücklichen Familienleben. Als Talbot acht Jahre alt war, starb die Mutter und 1864, mit fünfzehn Jahren, übernahm sie die Leitung des Haushalts in Hagley Hall für ihren Vater, ihre jüngere Schwester und acht Brüder. Der Vater heiratete fünf Jahre später erneut; und 1870 heiratete sie Edward Stuart Talbot (1844–1934), einen Jugendfreund, der gerade zum ersten Leiter des neuen Keble College in Oxford ernannt worden war.[2]
Das Leben in Oxford unterschied sich fundamental von dem auf dem Familiensitz. Das neue College war im Gedenken an John Keble gegründet worden, der Initiator der Oxfordbewegung und damit die prominente Spitze des umstrittenen Anglokatholizismus war. Die religiöse Ausrichtung des neuen Colleges war einer der Gründe, warum die alte Universität es bei jeder Gelegenheit brüskierte. Doch die Edward Talbot begegnete dem „mit leichtem Herzen“, wie er später schrieb, und Talbot souveräne Repräsentation hatte großen Anteil daran.[3]
Talbot selbst wandte sich der Frauenbildung zu, zunächst ihrer eigenen. Sie beteiligte sich an einem kleinen Komitee für „Damen-Vorlesungen“, in dem sie zusammen mit Mary Augusta Ward, Louise Creighton, Charlotte Byron Green und anderen jungen Professorengattinnen tätig war. Sie verfasste kleinere Essays wie „Der Zustand des Papsttums vor Gregor VIII.“.
In den folgenden Jahren gehörte das EhepaarTalbot zu den führenden progressiven Kräften in Oxford, die die Frage der Frauenbildung weiter vorantrieben. 1878 wurde die Association for the Promotion of the Education of Women gegründet, um Vorlesungen für Mädchen zu organisieren, die sich auf die Eiongangsprüfungen in Oxford vorbereiteten. Es entstanden Differenzen über eine Beteiligung der anglikanischen Kirche zum Beispiel durch Bereitstellen von Wohnraum. Die Aktivitäten teilten sich: Das nicht-konfessionelle Lager legte die Grundlagen für Somerville College, während die Talbots Lady Margaret Hall gründeten. Edward Talbot übernahm die Leitung des Hauptkomitees während Talbot in Unterausschüssen tätig war, um ein geeignetes Haus zu finden und einzurichten. Beide Talbot gehörten viele Jahre dem Beirat von Lady Margaret Hall an, verließen Oxford jedoch 1888, als Edward Talbot zum Pfarrer von Leeds ernannt wurde. 1895 zogen sie nach Süd-London, als er Bischof von Rochester wurde; 1911 führte die Ernennung zum Bischof von Winchester die Familie nach Farnham Castle.
1913 unterstützte sie die Einladung an die anglikanische Feministin Maude Royden, vor dem ausschließlich männlichen Publikum auf dem Church Congress über White Slavery, das Thema des Mädchenhandels, zu sprechen.
Die Talbots hatten zwei Töchter und drei Söhne: Mary Catherine (1875–1957), Edward Keble (1877–1949), Neville Stuart (1879–1943), Lavinia Caroline (1882–1950) und Gilbert Walter Lyttelton (1891–1915). Der jüngste Sohn fiel in Ypern und nach ihm ist das Talbot House, ein Erholungs- und Begegnungsheim für alliierte Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg in Poperinge, Belgien, benannt.
Lavinia Talbot, die in den letzten Jahren an Taubheit litt, starb fünf Jahre nach ihrem Mann 1939 in Wantage, Oxfordshire.