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Lazaristenkirche (Neubau)

Kirchengebäude im Gemeindebezirk Neubau in Wien From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Lazaristenkirche war eine römisch-katholisches Kirchengebäude im 7. Wiener Gemeindebezirk Neubau. Sie ist der Unbefleckten Empfängnis geweiht. Mit 1. Juli 2026 wurde die Kirche an die koptische Gemeinde feierlich übergeben.

Ostfassade der Lazaristenkirche
Chorraum
Blick auf den Hochaltar
Blick zur Kauffmann-Orgel

Die neugotische Hallenkirche des Architekten Friedrich von Schmidt befindet sich im Bezirksteil Schottenfeld zwischen der Kaiserstraße und dem Neubaugürtel. Im Norden schließen die Bauten des ehemaligen Sophienspitals an. Mit 1. Juli 2026 wurde die Kirche den Kopten übergeben.

Geschichte

Die Lazaristenkirche wurde als Ordenskirche für die 1853 nach Österreich berufenen Lazaristen erbaut. Sie war das erste Bauwerk, das der aus Württemberg stammende Architekt Friedrich von Schmidt in Wien realisierte. Schmidt hatte 1859 eine Professur an der Wiener Akademie der bildenden Künste erhalten. Der Grundstein zur Kirche wurde am 27. September 1860, dem 200. Todestag des Lazaristen-Patrons Vinzenz von Paul, vom Wiener Erzbischof Kardinal Joseph Othmar von Rauscher gelegt. Am Vorabend des Fests Mariä Empfängnis 1862 weihte Kardinal Rauscher den fertigen Kirchenbau der Unbefleckten Empfängnis.

Für die bauliche Ausführung nach dem Vorbild der gotischen Elisabethkirche in Marburg war der Baumeister Josef Hlávka verantwortlich. In der Vorhalle der Kirche befinden sich Porträtköpfe, die Schmidt und Hlávka darstellen. Friedrich von Schmidt, der zwischenzeitlich sein wohl bekanntestes Bauprojekt, das Wiener Rathaus, realisiert hatte, entwarf rund 15 Jahre nach der Lazaristenkirche in Neubau auch die Lazaristenkirche St. Severin im heutigen 18. Wiener Gemeindebezirk Währing.

Das Kloster und der Pfarrhof bei der Lazaristenkirche wurden erst 1904 erbaut. In der 1970 eingerichteten Hauskapelle im ersten Stock des Klosters befindet sich eine mit Bildern des Malers Anton Lehmden gestaltete Altarwand. Im Jahr 1939 wurde die Lazaristenkirche zur Pfarrkirche erhoben. Hier ist seitdem die Pfarre Unbefleckte Empfängnis beheimatet, eine von sieben Pfarren im Stadtdekanat 6/7. Nach Schäden im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche wiederhergestellt und 1984 erneut restauriert.

Im November 2025 wurde bekannt, dass die Gemeinschaft der Lazaristen die Seelsorge der Kirche aufgibt und die Pfarrgemeinde mit 31. Dezember 2025 wieder der Pfarre Schottenfeld, von der sie einst getrennt wurde, angegliedert wird.[1][2]

In einer Aussendung vom 21. Juni 2026 wurde bekannt, dass die Kirche mit 1. Juli 2026 an die Koptisch-orthodoxe Kirche abgegeben wird und für diese Liturgie angepasst wird.[3]

Architektur

Äußeres

Der achteckige, 68 Meter hohe Turm der Lazaristenkirche liegt an der Vierung des Gebäudes. Im Tympanon des Hauptportals an der Ostseite befinden sich bunte Plastiken der heiligen Maria mit zwei Engeln.

Innenraum

Der 30 Meter lange und 19 Meter hohe dreischiffige Innenraum besitzt ein 15 Meter breites Querschiff und wird im Westen von einem Chor abgeschlossen.

Der Hochaltar ist ein Werk der Bildhauer Holzmann und Dorsch. Am Kreuzaltar im nördlichen Querschiff befindet sich ein barockes Kruzifix, das so genannte „Bärenkreuz“. Drei Seitenaltäre sind den Heiligen Anna, Josef und Vinzenz von Paul, dem Patron der Lazaristen, geweiht. Links des St.-Anna-Altars steht eine Figur aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die den 1996 heiliggesprochenen Lazaristenmissionar Johannes Gabriel Perboyre zeigt. Der Taufstein, auf dem Szenen aus dem Alten und Neuen Testament dargestellt sind, ist ein Werk des Bildhauers Jakob Adlhart aus dem Jahr 1943. Adlhart hatte bereits 1933 ein großes Kruzifix geschaffen, das gegenüber der Kanzel an einem Vierungspfeiler angebracht ist.

Auf den Kirchenfenstern sind Heilige und Bibelszenen dargestellt. Bemerkenswert sind die Glasmalereien mit den vier lateinischen Kirchenvätern Gregor der Große, Hieronymus, Augustinus von Hippo und Ambrosius von Mailand und den vier griechischen Kirchenvätern Johannes Chrysostomos, Basilius der Große, Gregor von Nazianz und Athanasius der Große, die einander anzusehen scheinen.

Orgel

Kauffmann-Orgel im Gehäuse von Mauracher

Das neugotische Gehäuse der Orgel stammt aus dem Jahr 1862. Das von Matthäus Mauracher d. Ä. 1862 errichtete Orgelwerk wurde 1899 von Josef Mauracher aus St. Florian erweitert und 1927/28 durch Johann Josef Kauffmann aus Wien durch einen technischen Neubau ersetzt. Das Instrument besitzt vier Manuale und 51 Register. Unter den vier Manualen befindet sich ein Fernwerk, welches im Dachgeschoß oberhalb der Vierung untergebracht ist. Die Orgel stellt klanglich eines der best erhaltensten Dokumente ihrer Bauzeit dar und ist eine der größten Orgeln der Stadt. 1999–2001 fand eine grundlegende Restauration statt. Auf der Orgelbrüstung sind seit 1927 die Heiligen Cäcilia von Rom und Therese von Lisieux sowie Heilige, die in Wien tätig waren, dargestellt.[4]

Durch die Schließung der Lazaristenpfarre, sowie der Übergabe an die Koptische Kirche im Juli 2026, die in ihrer Liturgie keine Orgel vorsieht, ist die Zukunft der größten, spätromantischen Orgel Wiens ungewiss.[3]

I. Manual C-g′′′
01.Prinzipal16′
02.Bourdon16′
03.Prinzipal08′
04.Waldflöte08′
05.Gedeckt08′
06.Gemshorn08′
07.Viola baritona08′
08.Oktav04′
09.Rohrflöte04′
10.Rauschquinte II
11.Mixtur V
12.Cornett III
13.Trompete08′
II. Manual C-g′′′
14.Lieblich Gedeckt16′
15.Bourdon Prinzipal 008′
16.Flöte08′
17.Gamba08′
18.Salicional08′
19.Dolce08′
20.Prästant04′
21.Spitzflöte04′
22.Gemshorn02′
23.Mixtur IV
24.Klarinette08′
III. Manual C-g′′′
(schwellbar)
25.Salicional16′
26.Principalino08′
27.Aeoline08′
28.Vox coelestis08′
29.Quintatön08′
30.Konzertflöte08′
31.Violine04′
32.Fernflöte04′
33.Harmonia aetherea III 0
34.Oboe08′
Tremulant
IV. Manual (Fernwerk) C-g′′′
(schwellbar)
35.Ferngedeckt08′
36.Fugara08′
37.Prinzipal04′
38.Mixtur III–V
39.Vox humana08′
Pedal C–f′
40.Untersatz32′
41.Contrabass16′
42.Violonbass16′
43.Subbass16′
44.Still Gedeckt16′
45.Quintbass1023
46.Oktavbass08′
47.Bassviola08′
48.Gedecktbass08′
49.Quintbass0513
50.Flöte04′
51.Posaune16′
Trompete (Ext. Nr.51) 08′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P, IV/P
    • Suboktavkoppeln: II/I, III/II, IV/IV
    • Superoktavkoppeln: II/I, II/II, III/II, III/III, IV/IV

Glocken

In der Kirche hängen vier Glocken. Drei im Vierungsturm wurden 1961 von der Wiener Glockengießerei Pfundner gegossen, die kleinste im Dachreiter über dem vorderen Teil der Kirche stammt aus dem Jahr 1855 und ist ein Werk von L. G. Korrentsch, Wien.[5][6]

Weitere Informationen Glocke, Name ...
GlockeNameGussjahrDurchmesserGewichtSchlagtonInschrift
1Hl. Maria19611350 mm1564 kg0d′+ O MARIA OHNE SÜNDE EMPFANGEN, BITTE FÜR UNS, DIE WIR BEI DIR ZUFLUCHT NEHMEN +
2Hl. Joseph19611070 mm727 kgfis′+ SCHÜTZER UND SCHIRMHERR UNSERER FAMILIEN UND DES GOTTESVOLKES +
3Hl. Vinzenz19610900 mm420 kga′+ VATER VINZENZ RUFE UNS ZUR GOTTES- UND NÄCHSTENLIEBE +
4Sanctus-Glocke18550380 mm040 kgh″
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Literatur

  • Franz Gattringer: Geschichte der Kongregation der Mission und der Barmherzigen Schwestern in Österreich-Ungarn. Verlag der Missionspriester, Graz 1912
  • Johann Hödl: Das Werden der österreichischen Lazaristenprovinz. Dissertation, Universität Graz 1966
  • Eugen Schindler: Pfarrerrichtungen in der österreichischen Lazaristenprovinz. Diplomarbeit, Universität Graz 1986
  • Lazaristenkirche „Zur Unbefleckten Empfängnis“ in Schottenfeld. Wien 7, Kaiserstraße 7. In: Peter Haiko, Renata Kassal-Mikula: Friedrich von Schmidt. (1825–1891). Ein gotischer Rationalist (= Historisches Museum der Stadt Wien. Sonderausstellung 148). Museen der Stadt Wien, Wien 1991, ISBN 3-85202-102-2, S. 152–155.

Einzelnachweise

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