Lazarus Ottensoser
Ortsrabbiner in der Marktgemeinde Höchberg
From Wikipedia, the free encyclopedia
Lazarus (Elieser) Ottensoser (geboren am Vorabend von Sukkot 5559 / 1798 in Weimarschmieden; gestorben am 12. September 1876 in Höchberg) war ein deutscher Rabbiner, Pädagoge und bedeutender Förderer der Halukka, finanzielle Unterstützung der in Palästina lebenden Juden. Er wirkte als erster Ortsrabbiner in der Marktgemeinde Höchberg und erlangte überregionale Bedeutung als Gründer einer Talmud-Tora-Schule, die 1861 staatlich anerkannt wurde und als wichtige Vorstufe für die jüdische Lehrerbildung in Bayern fungierte.
Leben
Ottensoser war der älteste Sohn des Lehrers Naphtali Ottensoser. Er verbrachte seine frühe Kindheit in Weimarschmieden, bevor die Familie nach Kleineibstadt zog. Aufgrund ärmlicher Verhältnisse versuchte er sich zunächst als jugendlicher Hausierer, bevor er eine Stelle als Melamed (Lehrer) in Scheinfeld antrat. Dort wurde er Schüler des Talmudisten Rabbi Kusel. Anschließend besuchte er die renommierte Jeschiwa in Fürth und hörte bei Wolf Hamburger. Die Studienzeit war von extremer Armut geprägt; Überlieferungen berichten, dass er sein Brot mit Kerben markierte, um es für die Woche einzuteilen.[1.1]
Im Jahr 1821 ließ er sich in Aub nieder, wo er als Vorsänger, Schächter und Unterrabbiner (Moreh Zedek) wirkte. Im November 1828 erhielt er die Berufung auf die neu eingerichtete Stelle des Ortsrabbiners in Höchberg, die er im März 1829 mit einem Jahresgehalt von 333 Gulden antrat.[1.2] Er blieb bis zu seinem Tod in der Gemeinde.
Wirken
Schulgründer
Neben seinen rabbinischen Pflichten widmete sich Ottensoser intensiv der pädagogischen Arbeit. Er versammelte Bachurim (Schüler) um sich und gründete um 1840 eine eigene Jeschiwa. Nachdem er 1834 die staatliche Lehrerprüfung bestanden hatte, erhielt er im Dezember 1844 die offizielle Erlaubnis zur Erteilung von Privatunterricht.[1.2]
Am 27. Juli 1861 genehmigte die königliche Regierung von Unterfranken die Schule offiziell als „Privatanstalt für die Ausbildung israelitischer Schullehrlinge“ (Präparandenschule). Der Besuch der Anstalt wurde als Ersatz für den gesetzlich vorgeschriebenen Vorbereitungsunterricht anerkannt.[2.1] Damit wurde die Schule zur zentralen Vorbereitungsstätte für das 1864 gegründete Israelitische Lehrerseminar in Würzburg.[1.2]
Im Jahr 1865 erwarb Ottensoser gemeinsam mit der Familie Eldod ein Haus für die Schule. 1872 sicherte er den Fortbestand der Einrichtung durch die Gründung der Lazarus Ottensoser-Stiftung und den Erlass von Statuten, die von der Regierung genehmigt wurden.[1.3]
Engagement für Erez Israel
Ottensoser gilt als einer der aktivsten Koordinatoren der Halukka-Sammlungen in Unterfranken. Motiviert wurde dieses Engagement durch eigene Auswanderungspläne in den 1830er Jahren: Freunde hatten ihm davon abgeraten, als Mittelloser nach Jerusalem zu ziehen, woraufhin er beschloss, stattdessen die dortigen Armen von Deutschland aus zu unterstützen.[1.4] Er reiste regelmäßig durch die Region, um Spenden zu sammeln, und arbeitete dabei eng mit dem Würzburger Distriktsrabbiner Seligmann Bär Bamberger zusammen.[1.4]
Literatur
- Nathan Eschwege: Leben und Wirken des Rabbiners Lazarus Ottensoser sel. A., Gründer der Talmud-Thora-(Präparanden-)Schule in Höchberg. Sonderabdruck aus dem Jahresbericht der Lazarus Ottensoser-Stiftung, Höchberg 1895. (Digitalisat)
- Beate Weinhold: Hilfe für Erez Israel. Spendenbelege in fränkischen Genisot: Eine Bestandsaufnahme. In: Rebekka Denz, Gabi Rudolf (Hrsg.): Genisa-Blätter III. Universitätsverlag Potsdam, Potsdam 2020, ISBN 978-3-86956-470-8, S. 99–121. (PDF)
Weblinks
- Eintrag im Haus der Bayerischen Geschichte
- Eintrag im WürzburgWiki
- Grabstein von Lazarus Ottensoser auf dem Jüdischen Friedhof von Höchberg (Jüdische Friedhöfe in Bayern, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege)