Le Zitelle

Kirchengebäude in Venedig, Italien From Wikipedia, the free encyclopedia

Le Zitelle, seltener Santa Maria della Presentazione genannt, ist ein Hospiz-, Kirchen- und Klosterkomplex auf der östlichsten Insel der Giudecca, einer Inselkette am Südrand des historischen Zentrums der Stadt Venedig. Während letzterer Name auf die im apokryphen Jakobsevangelium überlieferte Praesentatio Beatae Mariae Virginis zurückgeht, also die Vorstellung der Mutter Jesu im Tempel, nämlich als dreijährige Tempeljungfrau, und somit dem Gedenktag Unserer Lieben Frau in Jerusalem gewidmet ist, handelt es sich bei den „zitelle“ um junge Frauen, die zu arm waren, um heiraten zu können. Der Komplex, der sich zwischen San Giorgio Maggiore und Il Redentore erhebt, geht samt der Chiesa delle Zitelle einerseits auf den Jesuiten Benedetto Palmi zurück, andererseits auf eine Gruppe adliger Frauen, die sich der Hilfe für gefährdete Frauen verschrieben hatten. Dies schlug sich auch in der Architektur des 1588/1597 fertiggestellten Bauwerks nieder. Die drei Hauptbauwerke schufen eine gewaltige Inszenierung des Bacino di San Marco, an dessen Nordufer die repräsentativsten Bauten der Metropole standen, wie der Dogenpalast.

Die Kirche im Jahr 2013 mit ihren ungewöhnlichen Glockentürmen (erbaut 1588?[1])
Die Nordseite der Giudecca, Blick Richtung Westen

Geschichte

Francesco Guardi: Giudecca mit Zitelle, Öl auf Leinwand, 18,7 × 23,8 cm, zwischen 1780 und 1789, National Gallery (London)
Giacomo Guardi (1764–1835): Veduta delle Zitelle alla Giudecca, 11,5 × 18,5 cm, nach 1804, Metropolitan Museum of Art, New York

Benedetto Palmi, ein Schüler des Ordensgründers Ignatius von Loyola, galt lange als Betreiber der Einrichtung der Institution, um heiratsfähigen Zitelle, die zu arm für eine Mitgift waren, und die häufig ihren Lebensunterhalt in der Prostitution suchten, zu einem Handwerk wie Nähen oder Klöppelspitzen zu verhelfen, damit sie eigenständig für ihren Unterhalt sorgen konnten. Es war jedoch eine Gruppe von Frauen, die bereits 1559 ein solches Haus gründete. Palmi war der Verfasser der Charta von 1588, nach deren Grundsätzen die Casa delle Zitelle geführt wurde, und er hatte eine Predigt im Jahr 1559 gehalten, in der er eine Unterstützung für die jungen Frauen gefordert hatte.[2] Anfangs waren nur 40 junge Frauen im Hause, doch 1567 waren es bereits 90.[3]

Le Zitelle entstand durch dem Baumeister Jacopo Bozzetto. Zwar wurde vielfach gemutmaßt, der Entwurf für die Kirche gehe auf Andrea Palladio zurück, doch wird dies bestritten, etwa deshalb, weil Palladio erst 1576 näheren Kontakt mit den Jesuiten hatte, oder mit dem Argument, Palladio hätte einen solchen Bau geschlossener konzipiert. 1576 dürfte der Bau längst begonnen haben. Bereits 1559 hatten die Jesuiten die Initiative ergriffen und bei San Marzilian ein Haus zur Aufnahme der ersten „Zitelle“ gegründet. Dort sollten sich die Frauen 16 Monate lang aufhalten.[4] Obwohl der Erwerb des Areals auf der Giudecca im Jahr 1561 mit Unterstützung des Patriarchen Giovanni Trevisan stattfand,[5] wurden erst von 1575 bis 1576 größere Mengen an Baumaterialien angeschafft, der Grundstein gar erst 1581 gelegt. Geweiht wurde die Kirche am 8. Mai 1588 durch Francesco Barbaro, den Patriarchen von Aquileia, unter dem Namen Maria Vergine presentata al Tempio.

Zwei Kongregationen leiteten das Haus. Die eine bestand aus Frauen des Adels, die für die Bildung und Ausbildung der jungen Frauen verantwortlich waren, die andere bestand aus Priestern, nobili und cittadini, die für die wirtschaftlichen Grundlagen des Instituts sorgten. Das Bauwerk entstand in vier Phasen. Von 1575 bis 1577 wurde ein 1561 erworbener Palast aus dem 14. Jahrhundert renoviert. Dabei stützten sich die patroni auf die traditionelle Klostergestaltung. In der zweiten Phase der Jahre 1581 bis 1588 wurde die zentrale Kirche Santa Maria della Presentazione errichtet. Die Förderer nutzten dabei die Architektursprache Andrea Palladios, um die Casa delle Zitelle als bescheidenes, jungfräuliches Element des Bildes bürgerlicher Frömmigkeit zu positionieren, das von den benachbarten Kirchen San Giorgio Maggiore und Il Redentore flankiert wurde. Während der dritten Phase, also in den Jahren 1589 bis 1591, wurde der Ostflügel des Gebäudes auf einem 1586 erworbenen Grundstück errichtet, in der letzten Bauphase von 1596 bis 1597 wurde der Westflügel fertiggestellt. Für die letzten Phasen wählte man einen H-Plan, ähnlich den Projekten für die neuen Häuser der Incurabili in Rom und Venedig. Auf der Giudecca spiegelte sich dessen Funktion in seiner Form wider. Jedes der drei symmetrischen Stockwerke führte einen Aspekt der Bildung der Mädchen vor Augen: Haushaltsführung, Bildung und Fleiß sowie Keuschheit. Die Kirche im Zentrum regelte ihr Leben. Von gesellschaftlich hoch stehenden Frauen für arme Frauen erbaut, spiegelte die Casa delle Zitelle die Bandbreite der für die Leiterinnen wesentlichen Erfahrungen junger Frauen im frühneuzeitlichen Venedig.[6]

Die Dogaressa Elisabetta Querini bedachte 1709 das Haus in ihrem Nachlass mit 10.000 Dukaten und ihren Häusern in S. Maria Nuova. Sie war dort selbst governatrice gewesen.[7]

Unter Napoleon wurden zahlreiche Orden aufgehoben, doch die Forderung an den Staat, für Mitgifte zu sorgen, war in Frankreich bereits 1798 durchgesetzt worden. Zur jährlichen Feier der Krönung des Korsen zum König von Italien wurden ab 1805 die entsprechenden Summen vergeben, um an seinem Geburtstag, dem 15. August, ausgehändigt zu werden.[8]

Literatur

  • Herbert Rosendorfer: Kirchenführer Venedig, Edition Leipzig, 2008, 2. Aufl., E. A. Seemann, 2013, S. 139 f.
  • Vanessa Scharven Chase: The Casa delle Zitelle. Gender and Architecture in Renaissance Venice, PhD, Columbia University, New York 2002 (Entwicklung der Architektur von 1575–1597).
  • Renzo Salvadori: Le Zitelle: un’architettura di Andrea Palladio per la musica in: Arte Documento 9 (1996) 80–83.
  • Lionello Puppi (Hrsg.): Le Zitelle. Architettura, arte e storia di un’istituzione veneziana, Albrizzi, Venedig 1992.
  • Antonio Foscari: Per Palladio: Note sul Redentore a S. Vidal e sulle Zitelle in: Antichità Viva, XIV (1975) o. S. (online, PDF)
  • Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 552 f. (Santa Maria delle Zitelle) (Digitalisat)
Commons: Le Zitelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

Related Articles

Wikiwand AI