Lea Manti

deutsche Kunstpfeiferin und Theaterleiterin From Wikipedia, the free encyclopedia

Lea Manti, eigentlich Marta Mandt bzw. Martha Mandt, (geboren 13. August 1886 in Elberfeld; gestorben 12. Juli 1960 in Hamburg) war eine deutsche Kunstpfeiferin und Theaterleiterin.

Lea Manti, 1902

Leben

Martha Mandt wurde am 13. August 1886 in Elberfeld, heute zu Wuppertal gehörend, als Tochter des evangelischen Buchbinders Franz Martin Mandt (1848 – nach 1923) und dessen Ehefrau Mathilde, geb. Sebastian (1854–1897), geboren. Sie hatte eine Zwillingsschwester Maria und mindestens drei weitere Schwestern und zwei Brüder: Caroline Ottilie (1874–1919), Anna (1875–1964), Martin Wilhelm (1878–?), Franz Hermann (1890–1942) und Mathilde Caroline Mandt (1892–1982). Ihr Großonkel Martin Wilhelm von Mandt (1799–1858) war der Leibarzt von Zar Nikolaus I. Anfang der 1890er Jahre war ihr Vater zeitweise arbeitslos, die Eltern wurden 1896 zudem mit unterschiedlichen Adressen gelistet. Ihr Vater hatte sich im Sommer 1895 in Elberfeld „im städtischen Obdache“ aufgehalten und wurde per Steckbrief wegen Unterschlagung gesucht. Erst drei Monate später zog das Amtsgericht den Steckbrief wieder zurück. Ihre Mutter starb 1897, da war Martha Mandt elf Jahre alt. Im darauf folgenden Jahr ging ihr Vater mit Wilhelmine Kepper (geb. 1843) eine neue Ehe ein. Martha Mandt wuchs in Elberfeld, Barmen und Düsseldorf auf, dort erlernte sie auch das Kunstpfeifen und nahm den Bühnennamen „Lea Manti“ an.[1][2]

Kunstpfeiferin

Kunstpfeiferin Lea Manti

Lea Manti startete nach ihren Angaben ihre Karriere im Jahr 1903. Den ersten bislang dokumentierten Auftritt als Kunstpfeiferin hatte sie im März 1911 im Prager Théâtre Variété.[3] Ein erster Auftritt im Rundfunk ist am 13. Januar 1928 dokumentiert.[4] Bis 1943 lässt sich ihre Karriere durch Nennungen in Zeitungsanzeigen nachverfolgen.[1] Ihr letzter bekannter Auftritt war am 31. Januar 1943 im Café Zentral-Palast in Wien-Mariahilf.[5]

Viele Kunstpfeifer pfiffen mit gespitzten Lippen. Lea Manti hingegen nutzte dazu ihre Finger, und da sie kein weiteres Instrument benutzte, galt sie als „Natur-Kunstpfeiferin“. So pfiff sie scheinbar mühelos einprägsame Melodien. Selbst Opernarien und anspruchsvolle Konzertstücke gab sie so zum Besten. Zu ihrem Repertoire gehörten Stücke aus der Oper Tannhäuser von Richard Wagner, das Lied Dein ist mein ganzes Herz aus Land des Lächelns von Franz Lehár und ein Walzer aus Die keusche Susanne von Jean Gilbert genauso wie das Ave Maria von Charles Gounod wie auch viele weitere. Selbst bezeichnete sich Manti selbstbewusst als „Pfeif-Virtuosin“. Ihr besonderes Talent war es, ein Stück, nachdem sie es ein- oder zweimal gehört hatte, nachzupfeifen. Dabei pfiff sie mit einem angenehm tiefen Ton.[2]

Als Bühnenkleidung wählte Lea Manti einen eleganten Frackanzug in Tiefviolett, und ihre Haare trug sie kurz, meist zurückgekämmt und eng anliegend. Sie ließ sich für viele, die über sie schrieben, nicht recht einordnen, ihre Erscheinung war klein, dünn, ihre Kleidung gewagt. Despektierlich wurde sie als „das graziöse ‚Herrchen‘“ beschrieben. Auch wurde über sie gesagt, sie sei eine Person, „die nicht nur auf weibliche Kleidung, sondern auch auf den kleinen Fingern pfeift“.[2]

Im Jahr 1911 trat sie der Internationalen Artisten-Loge bei und hatte zahlreiche Auftritte in großen und kleinen Kabaretts in Deutschland, auf dem europäischen Festland, in Großbritannien, Südafrika und den USA. Zur Zeit des deutschen Kaiserreichs, der Weimarer Republik und der NS-Diktatur war Lea Manti als Kunstpfeiferin ein weltweit bekannter und erfolgreicher Star.[1]

In einem Kurzporträt, das Ende der 1920er Jahre erschien, wurde über Manti gesagt: „Genau wie in früheren Zeiten, so hat sie noch heute das wunderbar weiche, glockenreine Piano in ihrem Pfeifen, und doch kann sie ein volles Militärorchester von 60 Mann übertönen. Wer nicht Zeuge dieser Tatsachen war, kann es wohl kaum von dieser kleinen, zarten, fast knabenhaft schlanken Frau begreifen, die außer ihrer Kunst noch im Mittelpunkt eines anderen Interesses steht. Unendlich viele Wetten wurden schon gemacht, da niemand in diesem schlanken eleganten Burschen in lila-blauem oder braunen Frack eine Frau vermutete. Der eine sagt: Das ist doch keine Frau, das ist doch ein Mann! Der andere wieder: So kann keine Frau pfeifen! Und so entstanden Wetten und Wetten und das Interesse für diese Frau als Mensch wie als Künstlerin wurde größer und größer.“[2]

Theaterleiterin

Postkarte von 1916

In Frankfurt am Main hielt sich Lea Manti mit Unterbrechungen zwischen 1916 und 1926 für längere Zeit auf. Dort lebte bis 1955 auch ihre jüngere Schwester Mathilde Caroline Mandt. Im April und Dezember 1916 trat sie im Theater „Groß-Frankfurt“ (am Eschenheimer Tor), im September 1917 und im Oktober 1918 im „Kristall-Palast“ auf. Dort knüpfte sie Kontakt zu dem aus New York stammenden Theaterdirektor Leo Lowry (1867–1918). Lowry leitete mehrere Theater in Frankfurt und plante weitere Neubauten. Ab etwa 1913 betrieb er den „Arkadia-Tanz-Palast“ in der Kaiserstraße 69. Er war mit Violet G. Lowry, geb. Bennet (1875–1951), verheiratet. Nach seinem frühen Tod im Juni 1918 trat Lea Manti Ende 1918 im „Arkadia“ auf, und Lowrys Witwe machte sie zu ihrer Geschäftspartnerin. Manti übernahm ab Dezember 1918 die künstlerische Leitung der „Arkadia’s Künstlerspiele“. Anfang 1919 wurde außerdem nachmittags geöffnet und zu „Lea Manti’s Elite-Tee“ eingeladen. 1920 schlossen sich Violet Lowry und Lea Manti zur „Theaterdirektion Lowry-Manti“ zusammen, und Manti zog zu Lowry in deren Wohnung. Sie benannten die Künstlerspiele in „Lea Manti’s Künstlerspiele“ um und luden ab Juli 1920 in „Mantis Weinrestaurant“ ein. Später wurden die zu den „Frankfurter Künstlerspielen“, und Manti kaufte vom Varietédirektor Paul Jorich die „Jorich’schen Spiele“. Diese eröffnete sie am 1. Februar 1922 feierlich als „Lea Manti’s Bonbonnière“.[1] In Frankfurt war auch Max Ehrlich bei ihr engagiert.[6]

1922 kehrte Violet Lowry in die USA zurück. Dies führte vermutlich zur Auflösung der „Theaterdirektion Lowry-Manti“ in Frankfurt. Lea Manti besuchte Violet Lowry von 1923 bis 1924 in den Staaten und wurde dort für diverse Auftritte als Kunstpfeiferin engagiert. Nach ihrer Rückkehr ging Manti erneut auf Tournee.[1]

Hamburg

Lea Manti, 1910

Sie ließ sich im Herbst 1931 dauerhaft in Hamburg nieder und betrieb dort „Lea Manti’s Künstlerclub“. Für einige Wochen übernahm Manti in Berlin die Leitung des Lesbenlokals „Monokel-Diele“, das die Subkulturaktivistin Lotte Hahm (1890–1967) im März 1931 eröffnet hatte. Schließlich kehrte sie nach Hamburg zurück.[1] Ihre Bühnenangebote ließen nach, sie war von Oktober 1937 bis April 1938 in Hamburg beim „Café Näser“ tätig. Dort arbeitete sie auch mit dem Betriebsführer zusammen, und gemeinsam schufen sie ein kleines Kabarett. Nachdem das Café im April schließen musste, hatte sie keine monatlichen Einkünfte mehr. Bis zu dem Zeitpunkt wurde Manti einmal jährlich zusätzlich aus einer Familienstiftung in Frankfurt/Oder unterstützt, die ihr Großonkel, der ehemalige Leibarzt von Zar Nikolaus I., eingerichtet hatte. Aber seit 1932 waren die Zahlungen erheblich reduziert worden, und Manti musste von der Wohlfahrt leben. So bat sie im Sommer 1938 die Reichstheaterkammer in Berlin um finanzielle Unterstützung aus dem Fonds „Künstlerdank“, den Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels (1897–1945) gegründet hatte. Die an die Kammer gerichteten Briefe unterschrieb Manti mit „Heil Hitler“, doch dem Formular zufolge war sie kein NSDAP-Mitglied. Die Unterstützung wurde ihr gewährt, und ihre Karriere lebte zwischen 1940 und 1943 noch einmal auf, sie gastierte in Karlsbad und im durch das Münchner Abkommen 1938 dem NS-Staat einverleibten „Reichsgau Sudetenland“ und in Riga zur Zeit der deutschen Besetzung.[2]

Vermutlich ab 1944 war die Tänzerin Betti Scheuing (1913–1996) Lea Mantis Lebensgefährtin. Nach dem Krieg wohnten die beiden Frauen zusammen in Hamburg. Ab November 1958 hielt sich Lea Manti vermutlich wiederholt in der Lungenheilanstalt Wintermoor in Schneverdingen in Niedersachsen auf. Sie war krank und vermisste ihre Gefährtin. An Betti Scheuing schrieb sie sehnsüchtige Briefe, die sie mit „Lasse dich im Geiste fest an mein Herz drücken“ und mit „Viele Küsse“ und „Deine Lea“ unterschrieb. Ihre Beziehung hielt bis zum Tod von Lea Manti in Hamburg am 12. Juli 1960.[2]

Erinnerungsmedaillon für Lea Manti

Betti Scheuing kümmerte sich danach um alles Weitere, sie organisierte sowohl Mantis Beerdigung als auch deren letzte Ruhestätte auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Zudem hob sie Bilder und Zeitungsausschnitte, die Lea Manti zu den einzelnen Stationen ihrer Karriere gesammelt hatte, sorgfältig auf. Und auch nach Betti Scheuings Tod 1996 blieb die Sammlung erhalten. Für Lea Manti wurde ein Erinnerungsmedaillon an der Erinnerungssäule im Garten der Frauen auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg angebracht.[2]

Commons: Lea Manti – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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