Legerwall
From Wikipedia, the free encyclopedia
Mit Legerwall, auch Leegerwall,[1] wird die Situation eines Wasserfahrzeuges beschrieben, in der dieses durch auflandigen Wind, Seegang oder Strömung an eine Küste getrieben wird. Wenn das Boot durch eigene Motorkraft oder Segelmanöver nicht mehr gegen die Naturkräfte ankommt, "gerät es auf Legerwall" und strandet an der Küste oder erleidet Schiffbruch.

Leegerwall ist ein Begriff der Seemannssprache. Im Plattdeutschen bedeutet leeg sowohl niedrig wie auch schlecht. Wall ist plattdeutsch für den Küstensaum. Legerwall ist also der seichter gelegene Küstenbereich. Weniger wahrscheinlich ist die Herleitung vom Begriff Lee, mit dem die vom Wind abgewandten Seite eines Schiffes bezeichnet wird.
Beim Segelschiff dient der Kiel oder das Schwert dazu, die Abdrift zu verringern. Wenn ein Segelschiff auf Am-Wind-Kurs der Küste zu nahe kommt, muss es eine Wende durchführen um der Situation zu entkommen.
Historische Handelsschiffe mit Rahsegeln können keine ausgeprägten Am-Wind-Kurse fahren. Bei hohem Seegang und schlechten Windbedingungen fällt es einem Rahsegler zudem schwer, eine Wende durchzuführen. Rahsegler können so bereits auf Legerwall geraten, wenn sie nicht mehr weit genug von der Küste entfernt sind, um noch eine Halse ausführen zu können.
Moderne Segelyachten mit festem Kiel besitzen einen großen Tiefgang und können unvermutet auf Sandbänke und felsige Untiefen auflaufen, wenn sie auf Legerwall geraten.
Auf flache Küsten auflaufende Wellen ändern sich in Form und Größe und können das Schiff trotz scheinbar ausreichender Wassertiefe im Wellental auf dem Grund aufsetzen lassen, obwohl sich das Schiff noch weit von der Küstenlinie entfernt befindet.
An der deutschen Nordseeküste stellt Legerwall wegen der Gezeiten, des breiten Schelfs, der vorherrschenden Winde aus Westen, vorgelagerten Sandbänke und des hohen Verkehrsaufkommens eine besondere Gefahr dar. Auch die im Wattenmeer eingesetzten Plattbodenschiffe können Schaden nehmen, wenn sie bei Wind und Wellengang unkontrolliert auf dem Grund aufsetzen.
Siehe auch
Literatur
- Ulrich Scharnow: Lexikon Seefahrt. 5. Auflage. Transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1988, ISBN 3-344-00190-6, S. 343.