Lehrbuch des Schachspiels

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Das Lehrbuch des Schachspiels, ursprünglich erschienen als Kleines Lehrbuch des Schachspiels und im Sprachgebrauch der Schachwelt auch Kleiner Dufresne genannt, ist ein deutschsprachiges Schachlehrbuch. Es erschien erstmals 1881 als Band der Universal-Bibliothek im Verlag Philipp Reclam jun. in Leipzig und wurde bis ins frühe 21. Jahrhundert in über dreißig Auflagen gedruckt. Verfasser war der Berliner Schachmeister und Schriftsteller Jean Dufresne (1829–1893). Nach Dufresnes Tod betreute ab der 7. Auflage (1901) Jacques Mieses das Werk; die gemeinsame Autorschaft Dufresne/Mieses wird seither beibehalten. Das Buch gehört zu den am weitesten verbreiteten deutschsprachigen Einführungen in das Schachspiel und wurde in Hunderttausenden Exemplaren verkauft.[1][2]

Lehrbuch des Schachspiels - Dufresne-Mieses, bearbeitet von Jacques Mieses

Entstehung und Aufbau

Vorläufer des Werks ist Dufresnes Theoretisch-praktisches Handbuch des Schachspiels von 1863. Dufresne, Schüler Adolf Anderssens und bekannt durch die nach ihm benannte Immergrüne Partie von 1852, fasste seine Lehrtätigkeit 1881 in einem kompakten Einführungsband für Reclams Universal-Bibliothek zusammen. Die ersten sechs Auflagen bis zum Tod Dufresnes 1893 bearbeitete er selbst.[1]

Das Buch gliedert sich in drei Hauptabschnitte: Grundregeln und Spielgesetze, Eröffnungslehre mit kommentierten Meisterpartien, Endspiel. Dieser Aufbau ist über alle Auflagen hinweg erhalten geblieben. Ein historischer Anhang mit einer chronologischen Darstellung der Schachgeschichte und einer Liste bedeutender Wettkämpfe ergänzt den lehrbuchhaften Teil. Das Werk erschien in späteren Jahrgängen unter den Bandnummern 1407 bis 1410 (Lehrbuch) und 1411 bis 1415a (Kleines Lehrbuch) der Universal-Bibliothek.[1][3]

Mieses als Bearbeiter

Für die Neuauflage 1901 gewann der Verlag Reclam den Leipziger Schachmeister und Schachjournalisten Jacques Mieses. Mieses betreute das Werk bis 1952, also über ein halbes Jahrhundert, mit Ausnahme der 15. und 16. Auflage, bei denen der Leipziger Meister Max Blümich als Berater hinzugezogen wurde. Unter seiner Bearbeitung wurden die Eröffnungstheorie und der Partienteil in mehreren Etappen der jeweils aktuellen Meisterpraxis angepasst. Das Werk erscheint seit 1901 unter der gemeinsamen Autorschaft Dufresne/Mieses.[1][4]

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde Mieses als jüdischer Autor aus dem Impressum der 13. Auflage (1937) entfernt. Nach seiner Rückkehr in die deutsche Schachöffentlichkeit nach 1945 erschien das Werk erneut unter beiden Namen.[4]

Ab der 19. Auflage steuerte der Berliner Meister Kurt Richter Partiebearbeitungen bei. Mit der 20. Auflage von 1958 übernahm Rudolf Teschner die Neubearbeitung und betreute das Werk über mehrere Jahrzehnte. Die 29. Auflage (1996) war eine vollständige Neubearbeitung. Die 30. Auflage erschien 2003 bei Reclam Stuttgart.[1][3]

Rezeption

Nach einer in der Schachpublizistik verbreiteten Überlieferung soll der Physiker Werner Heisenberg Ende 1929 in einem Brief an Paul Dirac das Lehrbuch des Schachspiels als "das beste Buch über die Theorie des Schachs" bezeichnet haben. Die Passage wird in einer längeren Form zitiert, in der Heisenberg Dirac auf einen Schach-Endspielirrtum aufmerksam macht und auf die Ausgabe des Lehrbuchs von 1926 verweist.[5][6] Ein Primärnachweis des Briefes (Archivsignatur oder publizierte Edition der Heisenberg-Dirac-Korrespondenz) ist in der zugänglichen Sekundärliteratur nicht angegeben.

Im Sprachgebrauch deutschsprachiger Schachspieler und Schachbuchhändler ist für das Werk die Kurzform Kleiner Dufresne gebräuchlich.[1]

Auflagenübersicht (Auswahl)

Weitere Informationen Auflage, Jahr ...
AuflageJahrBearbeiterVerlag
1. bis 6.1881–1892Jean DufresneReclam, Leipzig
7.1901Jacques Mieses (erste von ihm bearbeitete Auflage)Reclam, Leipzig
13.1937(ohne Mieses im Impressum)Reclam, Leipzig
19.um 1950Dufresne/Mieses, mit Beiträgen Kurt RichtersReclam
20.1958Neu bearbeitet von Rudolf TeschnerReclam, Stuttgart
29.1996Rudolf Teschner (völlig neu bearbeitet)Reclam, Stuttgart
30.2003Rudolf TeschnerReclam, Stuttgart
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[3][1]

Literatur

  • Renate Wieteck: Mieses, Jacques. In: Neue Deutsche Biographie, Band 17, Duncker & Humblot, Berlin 1994, S. 484 f.
  • Michael Negele: Der Schachkünstler Jacques Mieses. In: KARL. Das kulturelle Schachmagazin, Heft 3/2012, S. 22–33.
  • Rudolf Teschner: Vorwort. In: Jean Dufresne / Jacques Mieses: Lehrbuch des Schachspiels. 29., völlig neu bearbeitete Auflage. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1996.
  • Dietrich Bode: Reclam. Daten, Bilder und Dokumente zur Verlagsgeschichte 1828–2003. Philipp Reclam jun., Ditzingen 2003.

Einzelnachweise

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