Leitz (Werkzeuge)
Gewerbebetrieb
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Der Leitz-Konzern ist ein Hersteller von Präzisionswerkzeugen zur professionellen Holz- und Kunststoffbearbeitung.[3][4] Leitz wurde 1876 in Oberkochen, Baden-Württemberg, gegründet. Das Unternehmen beschäftigt 2.795 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von 278 Millionen Euro.[2]
| Leitz GmbH & Co. KG | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH & Co. KG |
| Gründung | 1876 |
| Sitz | Oberkochen, Deutschland |
| Leitung | Geschäftsführer:
Beiratsvorsitzende:
|
| Mitarbeiterzahl | 2795[2] |
| Umsatz | 278 Mio. EUR[2] |
| Branche | Werkzeugbau |
| Website | leitz.org |
| Stand: 31. Dezember 2024 | |
Leitz gilt als Weltmarktführer in der Herstellung von Werkzeugen zur professionellen zerspanenden Bearbeitung von Holz und Kunststoffen[5][6] und wird im Weltmarktführerindex der Akademie Deutscher Weltmarktführer (Hochschule St. Gallen)[7] sowie dem Lexikon der deutschen Weltmarktführer gelistet.[8]
Unternehmensstruktur
Stammsitz des Leitz-Konzerns ist die Leitz GmbH & Co. KG in Oberkochen.[2]
Leitz bildet gemeinsam mit den rechtlich selbstständigen Schwesterkonzernen Boehlerit (Boehlerit GmbH & Co. KG in Kapfenberg, Österreich) und Bilz (Bilz Werkzeugfabrik GmbH & Co. KG, Ostfildern, Baden-Württemberg) die Brucklacher Group.[9] Inhaber ist die Familie Brucklacher in fünfter Generation.[10] Zur Brucklacher Group gehören über 4000 Mitarbeiter an 17 Produktionsstandorten[11] sowie eigene Vertriebs- und Servicegesellschaften in 38 Ländern an 139 Standorten.[9] Boehlerit produziert Hartmetall- und Diamantschneidstoffe sowie Sonderwerkzeuge für die Metallbearbeitung. Bilz produziert thermische Spannsysteme für die Hochgeschwindigkeitszerspanung in der Metall-, Holz- und Kunststoffbearbeitung.[12]
Produkte und Dienstleistungen
Der Leitz-Konzern stellt maschinengetriebene Präzisionswerkzeuge für die Bearbeitung von Massivholz, Holzwerkstoffen, Kunststoffen sowie weiteren Werkstoffen her. Das Angebot umfasst Säge-, Fräs-, Bohr- und Hobelwerkzeuge für industrielle und handwerkliche Anwendungen.[13] Außerdem entwickelt und produziert Leitz Präzisionswerkzeuge für die Profilbearbeitung, unter anderem für Fenster-, Türen- und Möbelanwendungen.[14] Zum Kundenkreis zählen Industrieunternehmen sowie Handwerksbetriebe aus dem Bereich der Holz- und Kunststoffbearbeitung.
Darüber hinaus tritt Leitz als Beratungs- und Service-Dienstleister auf.[15] Neben dem Verkauf von Werkzeugen erbringt der Leitz-Konzern Dienstleistungen im Bereich der Wartung und Wiederaufbereitung von Werkzeugen, insbesondere das Schärfen und Instandsetzen.[16][2]
Geschichte
Von der Gründung bis zum Generationenwechsel

Im Jahre 1876 legte Zeugschmiedemeister Albert Leitz mit seiner Werkstatt für Handbohrer, Hobelmesser und Beile in Oberkochen den Grundstein zur heutigen Leitz GmbH & Co. KG. Aus diesen Anfängen ging 1884 die Württembergische Holzbohrer-Fabrik A. Leitz hervor, die um die folgende Jahrhundertwende als zweite Produktlinie maschinengetriebene Werkzeuge entwickelte.
Im Jahr 1912 folgte die zweite Generation an der Unternehmensspitze. Die Söhne Albert Leitz junior und Fritz Leitz nutzten nach dem Ersten Weltkrieg die wirtschaftlichen Chancen des Exports und federten dadurch die Auswirkungen der Inflation ab. Kaufmann Emil Leitz gründete 1921 eine eigene Vertriebsgesellschaft. Albert Leitz junior manövrierte das Familienunternehmen durch die Kriegsjahre, das durch diese Kontinuität auch die Währungsreform überstand.[15]
Neue Werkstoffe nach dem Krieg
Dominierte in den 1930er und 1940er Jahren noch die Massivholzbearbeitung, so erobern nach dem Krieg Holzwerkstoffe und Verbundprodukte den Markt für den Möbel- und Innenausbau. Die neuen Holzwerkstoffe stellten die Zerspanungstechnik vor völlig neue Herausforderungen: In den 1950er Jahren wurden daher neuartige Werkzeuge mit Hartmetallschneiden entwickelt. Neben den klassischen Holzbearbeitungswerkzeugen entstanden Produktlinien für Kunststoffe und NE-Metalle sowie für Holzwerkstoffe und die daraus abgeleiteten Verbundprodukte – das Produktprogramm von Leitz verdoppelte sich nahezu innerhalb weniger Jahre.
In den 1950er Jahren entwickelte sich Leitz unter der Leitung von Leonhard Stützel, der das Unternehmen in dritter Generation führte, zunehmend zu einem international ausgerichteten Hersteller. Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs baute das Unternehmen seine Präsenz insbesondere in Zentraleuropa aus. Die Vertriebsgesellschaft Emil Leitz wurde in das Unternehmen integriert. Parallel dazu investierte Leitz in den Ausbau der eigenen Vertriebsorganisation sowie in ein engmaschiges Service-Netzwerk. Diese Maßnahmen trugen dazu bei, dass sich das Unternehmen in den 1950er-Jahren zum international führenden Hersteller seiner Branche entwickelte.[15][17]
Internationalisierung und Expansion
1956 gründete Leitz in den Niederlanden seine erste Auslands-Vertriebsgesellschaft. 1961 folgte mit dem österreichischen Werk in Riedau die erste Produktionsstätte im Ausland. 1964 wurde in Unterschneidheim ein Produktionsstandort als verlängerte Werkbank des Stammwerks aufgebaut, wo seitdem neben Maschinenmessern, Bohr- und Schaftwerkzeugen auch hartmetallbestückte Sägeblätter produziert wurden.
1975 wurde der studierte Physiker und promovierte Ingenieur Dieter Brucklacher zum Geschäftsführer des Leitz-Konzerns berufen. 1982 übernahm er den Vorsitz der Geschäftsführung und leitete das Unternehmen bis 2014, als er in den Beirat wechselte. Unter seiner Leitung entstand neben dem Bereich für Maschinenwerkzeuge zur Holz- und Kunststoffbearbeitung ein weiterer Bereich für Maschinenwerkzeuge zur Metallbearbeitung.[10][18][19]
Unter Brucklacher wurde das Wachstum und die Internationalisierung des Unternehmens vorangetrieben.[20] 1979 eröffnete Leitz eine Fertigung und eine Vertriebsgesellschaft in Brasilien. Wenige Jahre später erschloss das Unternehmen den angloamerikanischen Raum und in den 1990er Jahren die osteuropäischen sowie die fernöstlichen Märkte, jeweils verbunden mit der Gründung eigener Leitz-Vertriebsfirmen sowie weiterer Produktionsstätten. Parallel dazu expandierte das Unternehmen ab den 1980er Jahren durch die Akquisition von Branchenunternehmen in Deutschland, den USA und Italien.[21][22]
2015 übernahm Cornelia Brucklacher, Ur-Urenkelin des Firmengründers und damit die fünfte Generation der Familie, den Beiratsvorsitz.[10] Unter ihrer Leitung wurden technologische Entwicklung, Vertrieb und Service sowie Nachhaltigkeit stärker ausgebaut.[10]
Neue Entwicklungen
Im Jahr 2025 erweiterte Leitz die Konzernzentrale in Oberkochen um einen neuen Gebäudekomplex in der Leitzstraße 1. Der Neubau beherbergt die jeweils international tätige Logistik, IT sowie das Medienzentrum und dient als gemeinsamer Hauptsitz für die zur Brucklacher Group gehörenden Konzerne Leitz, Boehlerit und Bilz. Es umfasst rund 4.400 Quadratmeter Nutzfläche.[23]
Kultur
Leitz hat sich als Veranstalter und Sponsor kultureller Events und Institutionen einen Namen gemacht:[24] Das Unternehmen veranstaltet seit 1991 die Jazz Lights, ein jährlich stattfindendes international besetztes Jazz-Festival.[10] Das Holzmuseum LIGNORAMA in Riedau (Österreich) zählt Leitz zu seinen Sponsoring-Partnern.[25]
Die Initiative „WeCare“ wurde 2022 von Leitz sowie den Schwesterkonzernen Boehlerit und Bilz eingeführt und findet seitdem jährlich an allen Standorten der Brucklacher Group statt.[26][27][28]
Im Rahmen der „WeCare“-Aktionswochen 2025 beteiligten sich in 33 Ländern 2230 Mitarbeiter über 3420 Stunden ehrenamtlich in 154 verschiedenen Projekten. Diese Initiativen reichten von lokalen Umweltschutzmaßnahmen bis hin zu sozialen Hilfskampagnen.[29]
Literatur
- 50 Jahre Bundesrepublik Deutschland. Soziale Marktwirtschaft in der Bewährung, hg. in Zusammenarb. mit dem Deutschen Industrie- und Handelstag (DIHT), 2. Ausg., Oldenburg: Verlag Kommunikation & Wirtschaft 1999, ISBN 3-88363-169-8.
- Grün produzieren, hg. vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Köln: Deutsche Standards Editionen 2010, ISBN 978-3-8349-2313-4.
- Ferdinand S. Horcher; Josef Saum (Hgg.): Zeitstrahlen. Biografie Prof. Dr. Dr. Ekbert Hering, Aalen: cross7media 2008, ISBN 978-3-00-023591-7.
- Bernhard Lott: Der Kocher von der Quelle bis zur Mündung, Künzelsau: Swiridoff 2002, ISBN 3-934350-80-1.
- Der Ostalbkreis – ganz persönlich, hg. vom Landratsamt Ostalbkreis, Coesfeld: neomediaVerlag 2011, ISBN 978-3-931334-63-5.
- Wirtschaftsregion Ostwürttemberg, hg. in Zusammenarb. mit der Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberg, 3. völlig neue Ausg., Oldenburg: Verlag Kommunikation & Wirtschaft 2008, ISBN 978-3-88363-291-9.
- Bernhard Theiss; Ulrich Theiss; Andreas Stephainski (Hgg.): Zeit Reise. 2000 Jahre Leben in der Region Aalen, Göttingen: Edition Zeit Reise 2010, ISBN 978-3-9812527-6-7.
