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Leonardo (Datenübertragung)

System zur schnellen Datenübertragung über ISDN-Verbindungen From Wikipedia, the free encyclopedia

Leonardo war ein System zur Datenübertragung im ISDN, einem ehemaligen Teil des Festnetzes mit digitalen Teilnehmeranschlüssen. Hersteller und Anbieter von Leonardo war das Mannheimer Unternehmen Hermstedt. Eingeführt Mitte der 1980er Jahre, stellte Leonardo vor allem im Grafik-/Printbereich, wo zu der damaligen Zeit große Datenmengen schnell übertragen werden mussten, den De-facto-Standard zur Übertragung über das Telefonnetz dar.

Leonardo-Steckkarte für den PCI-Bus, 1995

Leonardo bestand aus einem Übertragungsprotokoll, das in speziellen, proprietären Endgeräten (meist Steckkarten) zur Anbindung von Computern implementiert war. Da in den 1990er-Jahren der Grafikbereich von Apple-Systemen dominiert wurde, war Leonardo auf diese zugeschnitten und ließ sich auch in AppleTalk integrieren.[1]

Leonardo bot am ISDN-Basisanschluss eine doppelte Datenübertragungsrate eines B-Kanals, also 128 kbit/s. Dies wurde durch Bündelung beider B-Kanäle erreicht, es fielen damit aber auch doppelt so hohe Verbindungsentgelte im Vergleich zur Nutzung von nur einem B-Kanal an. Anfang der 1990er waren, als Vergleich, über analoge Wählverbindungen mittels Analogmodem Datenübertragungsraten um 14,4 kbit/s möglich. Eine Druckvorlage von 3 MB Dateigröße konnte mit Leonardo in drei bis vier Minuten übertragen werden, mit Analogmodem benötigte dies rund eine Stunde.

Als der Hersteller nicht dazu bereit war, die Kompatibilität bestehender Leonardo-Hardware mit der 2005 erschienenen Betriebssystemversion Mac OS X Tiger weiterzuführen, verlor Leonardo schnell an Bedeutung. Hinzu kam, dass breitbandige Internetverbindungen mit deutlich höheren Übertragungsraten kostengünstig verfügbar wurden und die proprietären und kostspieligen Leonardo-Systeme entbehrlich machten.[2]

2007 meldete Hermstedt Insolvenz an, damit war Leonardo praktisch tot. Bestehende Geräte an noch unterstützten Altrechnern können seit der Abschaltung von ISDN, in Deutschland war dies 2022 der Fall, nicht mehr sinnvoll genutzt werden.

Einzelnachweise

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