Leonhard Fronsperger
Militärschriftsteller
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Leben
Fronsperger lernte in jungen Jahren das Kriegswesen kennen, auf dem Schlachtfeld vor 1535 bei Marseille und 1541/1542 vor Ofen und Pest tätig. Er band sich eng an die habsburgischen Kaiser. So ist es der Unterstützung durch Karl V. zu verdanken, dass Fronsperger 1548 das Ulmer Bürgerrecht erwerben und sich dort niederlassen konnte.[2] 1552 wurde er Zeugemeister im kaiserlichen Dienst gegen die Franzosen.[3] Er diente zwischen 1553 und 1573 vielfach im kaiserlichen Heer, wurde 1566 von Kaiser Maximilian II. im ersten österreichischen Türkenkrieg zum Feldgerichtsschultheißen ernannt und erhielt nach seinem Kriegseinsatz eine kaiserliche Pension.[4] In Ulm wurde er daraufhin vom Stadtrat zum Militärsachverständigen berufen. Er verunglückte dort bei einer Inspektion.[2]
Seine ab 1555[5] erschienenen Schriften behandeln das gesamte Kriegswesen seiner Zeit. Das bedeutendste Werk ist sein Kriegsbuch (3 Teile, Frankfurt am Main 1573). Zu seinen weiteren Schriften gehören auch philosophische Werke. Dazu gehört die Schrift Von dem Lob deß Eigen Nutzen (Frankfurt am Main, 1564), die ihn zu einem Vorgänger der Mandeville’schen Eigennutz-Lehre (siehe Mandeville-Paradox) macht.[6]
Fronsperger war zweimal verheiratet und hatte drei Söhne.[2]
Rezeption
Für den Historiker Markus Völkel beginnt mit Fronspergers Kriegsbuch die „imponierende Reihe älterer deutscher Militärtheoretiker“.[7] Max Jähns sah in dem Militärschriftsteller „Frönsperger“ lediglich einen Kompilator.[8] Auch gemäß Vollmuth ist Fronsperger weitgehend kompilatorisch tätig gewesen und arbeitete mit ausgedehnten Versatzstücken.[9]
Schriften (Auswahl)
- Besatzung. Frankfurt am Mayn 1563 (Digitalisat von Google Bücher)
- Von Kayserlichen Kriegßrechten Malefitz und Schuldhaendlen / Ordnung und Regiment […]. 4., vermehrte und verbesserte Auflage. Sigmund Feyerabend und Simon Hüter, Frankfurt am Main 1566 (Digitalisat von Google Bücher).
- Geistliche Kriegß-Ordnung, 1565 (Digitalisat von Google Bücher)
- Kriegßbuch. Dritter Theyl: Von Schantzen unnd Befestunngen […]. Sigmundt Feyerabendt (Verlag) und Martin Lechler (Druck), Frankfurt am Main 1573.
Siehe auch
Literatur
- Carl von Landmann: Fronsperger, Leonhart. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 8, Duncker & Humblot, Leipzig 1878, S. 145.
- Max Huber: Fronsperger, Leonhardt. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 5. Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 662 (deutsche-biographie.de).
- Winfried Schulze: Vom Gemeinnutz zum Eigennutz. Über den Normenwandel in der ständischen Gesellschaft der Frühen Neuzeit. (PDF; 3,2 MB) In: Historische Zeitschrift 243 (1986), S. 591–626, hier S. 606–614. (Digitalisat von Historicum.net)
- Ralf Vollmuth: Die sanitätsdienstliche Versorgung in den Landsknechtheeren des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit: Probleme und Lösungsansätze. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 51), ISBN 3-88479-800-6; zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990, S. 21–23, 123–147 (Leonhart Fronsperger) und öfter.
- Rainer Leng: Ars belli. Deutsche taktische und kriegstechnische Bilderhandschriften und Traktate im 15. und 16. Jahrhundert. Band 1: Entstehung und Entwicklung. Reichert, Wiesbaden 2002, S. 304–308 (gibt eine Übersicht über die ältere Literatur).
- Rainer Klump, Lars Pilz: Durch Eigennutz zum Gemeinwohl. Individualisierung, Reformation und der „Geist des Kapitalismus“: zur Entstehung und Bedeutung von Leonhard Fronspergers Schrift „Von dem Lob deß Eigen Nutzen“ aus dem Jahre 1564. In: Normative Orders Working Paper. 1 (2018). (PDF abrufbar von der Universitätsbibliothek der Goethe-Universität).
- Rainer Klump, Lars Pilz: The Formation of a „Spirit of Capitalism“ in Upper Germany. Leonhard Fronsperger’s „On the Praise of Self-Interest“. In: Journal of the History of Economic Thought. 2021, ISSN 1053-8372 print; ISSN 1469-9656 online/21/000001-19 The History of Economics Society, 2021 doi:10.1017/S1053837220000164.
- Joffrey Rogel: L’influence de la pensée militaire antique dans la réforme oranienne : entre appel au passé et recherche de solutions nouvelles. In: La Revue d’Histoire Militaire, Les Lilas, La Revue d’Histoire Militaire 2022 (Digitalisat)
