Lernkompetenz

Fähigkeit und Bereitschaft, Informationen über Sachverhalte und Zusammenhänge selbstständig bzw. gemeinsam mit anderen zu verstehen, auszuwerten und in gedankliche Strukturen einzuordnen From Wikipedia, the free encyclopedia

Lernkompetenz ist der Oberbegriff mehrerer Teilkompetenzen, bei der Menschen selbstständig und selbstgesteuert Wissen, Kenntnisse, Informationen über Sachverhalte und Zusammenhänge verstehen, auswerten und in gedankliche Strukturen einordnen können. Sie ist eine Vorbedingung für systematisches, absichtliches Lernen.[1]

Ziel ist, dass Lernende dauerhaft am Leben in der sich wandelnden Gesellschaft aktiv und selbstbestimmt teilnehmen können.[2]

Teilbereiche der Lernkompetenz

Lernkompetenz kann in Fach-, Methoden-, Sozial-, Medien- und persönliche Kompetenz unterteilt werden.[1] Sie sollte als Teil der Bildung vermittelt werden.[2]

Um Fachkompetenzen zu erwerben, können in Schulen fachspezifische Eigenheiten und Herangehensweisen erarbeitet werden[3] wie beispielsweise Textverstehen im Deutschunterricht.

Für das Erlernen von Methoden können bei jüngeren Personen in Schulen einfachere Fertigkeiten wie das vollständige Bereithalten des eigenen Materials und strukturiertes Sprechen über ein bekanntes Thema beigebracht und eingeübt werden.[1] Bei erfahreneren Personen können beispielsweise die Materialbeschaffung, Strukturierung und Darbietungsweise von längeren Texten als Referate oder als schriftliche Arbeiten vermittelt werden.[1]

Bei allen Schulgruppen kann von der Einzel- über die Paar- und die Gruppenarbeit eine höhere Komplexität verwendet werden, sodass soziale Kompetenzen mit vermittelt und erlebt werden können.[1]

Zum Lernen benötigen Lerner aller Altersstufen automatisierte Kenntnisse der Mediennutzung, um sich effizient mit den Inhalten statt der Technik auseinandersetzen zu können. Außerdem muss der Lerner die Relevanz und Zuverlässigkeit der Medienquellen bewerten können.[2] Die Verwendung von Medien kann und soll in allen Schulfächern, die Bewertung von Authentizität und Relevanz von Quellen und Bildern kann und soll schrittweise in geeigneten Fächern geübt werden.[4]

Im beruflichen Kontext wird Lernkompetenz auch lebenslanges Lernen genannt.[2] Dies umzusetzen setzt Lernkompetenz voraus und kann beispielsweise die Erarbeitung fachlicher Darstellungen, wie Fachbücher, -artikel, Zeichnungen, Schaltbilder sowie den kompetente Umgang in sozialen Beziehungen in Gruppen umfassen. Die Fähigkeit und Bereitschaft, im Beruf und über den Berufsbereich hinaus Lerntechniken und Lernstrategien zu entwickeln und diese zur Weiterbildung zu nutzen, wird in zahlreichen Berufsbildern erwartet.[5]

Herkunft des Begriffs

Der Begriff der Lernkompetenz ist im Fachbereich der Pädagogischen Psychologie angesiedelt, die ab der Jahrtausendwende eine konstruktivistische Lehr-Lern-Philosophie vertritt. Dies bedeutet, dass Lernen ein vom Lerner selbstgesteuerter, aktiver Prozess ist und keine reine Übernahme des Lehrerwissens oder von Sachverhalten. Der Lerner integriert dargebotene oder zur Verfügung stehende Inhalte entsprechend der eigenen Vorkenntnisse, Erfahrungen und Überzeugungen.[2]

Durch die Idee der sich verringernden Halbwertszeit von Wissen gewinnt der Begriff der Lernkompetenz ab den 2010er Jahren zunehmend an Bedeutung, da das Lernen als aktive Fähigkeit garantieren soll, dass Personen sich selbst die jeweils nötigen Inhalte zur richtigen Zeit erarbeiten können, wenn sie lernkompetent sind.[6]

(Vor)Bedingungen der Lernkompetenz

Lernmotivation

Um die Lernmotivation zu aktivieren, benötigt man ein Ziel, außerdem ein Interesse am Lernen der Inhalte und die Erwartung der gelingenden Selbstwirksamkeit, wie sie zuerst A. Bandura in den 1980ern formulierte.[2][7]

Vorwissen

Bei erfolgreichen Lernvorgängen werden vorhandene Konzepte beim Lerner aktiviert und die neuen Bestandteile in die bestehenden integriert und miteinander verknüpft. Dabei werden Basiswissen wie Kulturtechniken (Fertigkeiten in Sprachen) und Orientierungswissen (Anwendungsgsituationen) voneinander unterschieden. Beide Wissensarten sind Teil der Lernkompetenzen und werden für Lernen benötigt.[2]

Selbststeuerungskompetenz

Unter den zahlreichen Möglichkeiten der Zeitgestaltung ist es erforderlich, zur richtigen Zeit für das Lernen förderliche Mechanismen auszuwählen (Weinert)[8] und andere Arten der Zeitgestaltung für den Moment des Lernens zurückzustellen.[2]

Siehe auch

Literatur

  • Albert Bandura: Self efficacy: the exercise of control. W. H. Freeman, New York (N.Y.) 1997, ISBN 978-0-7167-2850-4.
  • Jonathan Dyrna, Jana Riedel et al.: Selbstgesteuertes Lernen in der beruflichen Weiterbildung: Ein Handbuch für Theorie und Praxis. Waxmann Verlag, Münster 2021, ISBN 978-3-8309-4364-8.
  • Andrea Erkert: Kinder brauchen Lernspaß: Lernkompetenz anders fördern - selbstständiges Lernen lernen. Verlag modernes lernen, Dortmund 2022, ISBN 978-3-8080-0898-0.
  • Heinz Klippert: Selbstständiges Lernen fördern: Strategien für Schule, Unterricht und Elternarbeit. Mit E-Book inside. 1. Auflage. Julius Beltz GmbH & Co. KG, Weinheim 2022, ISBN 978-3-407-63251-7.
  • Klaus Konrad: Selbstgesteuertes Lernen ermöglichen: Reclam Bildung und Unterricht. 1st ed Auflage. Reclam Verlag, Ditzingen 2023, ISBN 978-3-15-014296-7.

Einzelnachweise

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