Lesebuch 65

Schullesebuchreihe für Haupt- und Realschulen From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Lesebuch 65 war eine Schullesebuchreihe für Haupt- und Realschulen, die vom Hermann Schroedel Verlag, Hannover, herausgegeben wurde und nach seinem Erscheinungsjahr benannt ist.

Herausgeber des Lesebuchs 65 waren Klaus Gerth, Alfred Blumenthal, Heinz-Günther Pflughaupt, Ulrich Thiergard und Ulrich Wangerin.

Entstehungskontext

In den 1960er Jahren entfachte in der Bundesrepublik Deutschland eine intensive Debatte über die inhaltliche Ausrichtung von Lesebüchern.

Diese Diskussion wurde unter anderem initiiert von Robert Minder, Hildegard Hamm-Brücher und Peter Glotz; sie war Teil einer breiteren Bewegung zur Reform des Bildungswesens und spiegelte den gesellschaftlichen Wandel jener Zeit wider. Besonders kritisiert wurde, dass die Schullesebücher in den Nachkriegsjahren wirklichkeitsfremd seien, ein agrarisches Gesellschaftsbild vermittelten und die industrielle Wirklichkeit der bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft ausblendeten[1] und über das zeitgenössische Leben so gut wie nichts enthielten, dafür aber Blut und Boden romantisierten.[2]

Pädagogische Bedeutung und Rezeption

Das Lesebuch 65 stellte eine wegweisende Entwicklung in der Geschichte deutscher Schullesebücher dar, denn es zeichnete sich durch einen innovativen Ansatz aus, der sowohl zeitgemäß als auch zugänglich war. Die Modernität des Lesebuchs 65 zeigte sich vor allem in der Erweiterung des traditionellen Literaturbegriffs. Die Herausgeber wollten die Welt zeigen, wie sie ist,[3] und integrierten neben den Klassikern auch zeitgenössische Texte sowie Auszüge aus populären Jugendbüchern und schafften damit eine Kombination aus Tradition und Moderne. Dieser Ansatz gilt als Paradigmenwechsel, denn das Lesebuch 65 berücksichtigte erstmals auch die Lebenswelt und Interessen der Schüler, was aus jugendpsychologischer Sicht einen bedeutenden Fortschritt darstellte,[4] und zielte darauf ab, dass die Schüler in die Lage versetzt werden, sich gegenüber Literatur eigenständig, aktiv und kritisch zu verhalten.[3]

Trotz dieser Neuerungen präsentierte das Lesebuch 65 inhaltlich und qualitativ vorbildliche Texte für den Unterricht und bot damit eine Brücke zwischen bewährten pädagogischen Konzepten und den sich wandelnden Anforderungen an den Deutschunterricht in den 1960er Jahren. Peter Glotz bezeichnete das Lesebuch 65 als einen „Schritt in Richtung auf unsere Gegenwart“.[2]

Typografie und Gestaltung

Das Lesebuch 65 setzte auch in der visuellen Gestaltung neue Maßstäbe. Im Gegensatz zu früheren Schulbüchern, die oftmals konservative Layouts aufwiesen, präsentierte sich das Lesebuch 65 mit einer klaren, übersichtlichen und zeitgemäßen Typografie und modernen grafischen Prinzipien. Mit diesem klaren und funktionalen Layout unterstrich es seine Modernität und den Aufbruch in eine neue Zeit.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI