Levent Kenez
türkischer Journalist und Medienmanager
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Levent Kenez (* 16. Dezember 1978 in Manisa, Türkei) ist ein türkischer Journalist und Medienmanager, der seit 2016 im Exil in Stockholm lebt, da er der Gülen-Bewegung nahesteht. Er absolvierte ein Studium der Politikwissenschaft und Internationalen Beziehungen an der Boğaziçi Üniversitesi in Istanbul. Kenez ist Mitbegründer des Stockholm Center for Freedom (SCF) und arbeitet als Korrespondent für die investigative Plattform Nordic Monitor. Zudem moderiert er das Nachrichtenprogramm Serbest Atış auf dem YouTube-Kanal TR724.[1]

Beruflicher Werdegang
Anfänge in der Türkei
Levent Kenez begann 1999 bei İŞHAD, dem Wirtschaftsverband der Gülen-Bewegung, in Istanbul. Ab 2005 arbeitete er bei Zaman (stellvertretender Meinungsredakteur 2007, Wochenendbeilagen 2011). 2015 wurde er Chefredakteur der Tageszeitung Meydan.[1]
Exil in Schweden
Seit seiner Ankunft in Schweden 2016 arbeitet er als leitender Korrespondent für Nordic Monitor, wo er investigative Berichte über Korruption, Menschenrechtsverletzungen und türkische Außenpolitik verfasst. Als Mitbegründer des Stockholm Center for Freedom (SCF) dokumentiert er systematisch Pressefreiheitsverletzungen und politische Repressionen in der Türkei. Kenez moderiert täglich das türkischsprachige Nachrichtenmagazin Serbest Atış auf dem YouTube-Kanal TR724.[2][3][4]
Kenez ist Mitglied der Schwedischen Journalistenvereinigung (Journalistförbundet).[5]
Rechtliche Situation
Nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 verstärkte die türkische Regierung den Druck auf die Presse. Kenez gehörte zu den ersten verhafteten Journalisten: Am 20. Juli ordnete das Bakırköy 6. Friedensstrafgericht die Beschlagnahmung der Meydan-Ausgabe („Biliyordunuz Engellemediniz“) an. Bei einer Polizeirazzia wurden Kenez und Redakteurin Gülizar Baki verhaftet;[6][7][8] die Zeitung wurde per Dekret geschlossen.[9]
Am 21. Juli 2016 wurde Kenez freigelassen, doch am 25. Juli erließ die Istanbuler Staatsanwaltschaft einen erneuten Haftbefehl wegen Mitgliedschaft in einer „bewaffneten Terrororganisation“.[10]
Am 29. April 2020 forderte die türkische Regierung seine Auslieferung aus Schweden. Die International Federation of Journalists und der European Federation of Journalists (IFJ/EFJ) unterstützten den schwedischen Journalistenverband (Svenska Journalisternas Union, SJ) und forderten die schwedischen Behörden auf, dem türkischen Auslieferungsersuchen zu widersprechen.[11] Der schwedische Oberste Gerichtshof lehnte am 14. Dezember 2021 ab: „Journalistische Tätigkeit – keine Straftat.“[12]
2022 nutzte die Türkei bei NATO-Verhandlungen (16. Mai) Kenez als Druckmittel: Auslieferung und Nordic Monitor-Einstellung wurden gefordert. Kenez sagte in einem Interview mit Dnevnik (Slowenien): „Schweden tauscht keine Menschenleben aus.“[13][14][15]
Am 2. November 2022 veröffentlichte die regierungsnahe Zeitung Sabah Kenez' Stockholmer Adresse und Fotos – als Einschüchterung gewertet.[16]
Kenez steht wegen einer Meydan-Titelseite vom 1. Juli 2016 („Yılın Satış Elemanı“, Recep Tayyip Erdoğan/Mavi Marmara) wegen „Präsidentenbeleidigung“ vor Gericht.[17]